Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Rennanalyse GP England 2012

Strategiefehler kostet Alonso den Sieg

Parc Fermé GP England Silverstone 2012 Foto: Red Bull 69 Bilder

Der Grand Prix von England war ein Leckerbissen für Fans von Strategiespielen. In unserer Rennanalyse sagen wir Ihnen, wie Fernando Alonso mit einer anderen Taktik vielleicht gewonnen hätte und warum Michael Schumacher im Rennen so weit zurückfiel.

08.07.2012

Hat Red Bull besser taktiert als Ferrari?

Die Reifen sind ja so schon unberechenbar. Aber wenn von vier Trainingssitzungen drei verregnet sind, dann wird ein Grand Prix mit Pirelli-Sohlen gänzlich zum Ratespiel. Keiner wusste, wie lange welcher Reifentyp halten würde. 30 Grad auf dem Asphalt hatte es das ganze Wochenende nie gegeben. Außerdem geisterte da noch die Wetterprognose durch die Köpfe der Strategen, dass es irgendwann während der 52 Runden einmal regnen könnte.

In dieser Gemengelage entschieden sich 22 der 24 Fahrer für zwei Stopps. Nur Pedro de la Rosa traute sich mit einem Reifenwechsel über die Distanz. Doch der spielte keine Rolle. Vorne schwammen nur Fernando Alonso, Lewis Hamilton und Nico Hülkenberg gegen den Strom. Sie gingen auf harten Reifen ins Rennen. In allen drei Fällen ging es schief. Bei Alonso noch mit den geringsten Auswirkungen. Er verlor die Schlacht gegen einen der beiden Red Bull-Piloten.

Fünf Runden vor Schluss zog Mark Webber am Ferrari vorbei. Nicht, weil die weichen Reifen besonders stark abgebaut hätten. Er fuhr seine schnellste Zeit im 49. Umlauf. Alonso kämpfte aber von Beginn an mit Untersteuern. Wie bei Hamilton und Hülkenberg neigte der linke Vorderreifen zum Körnen. Ferrari-Technikchef Pat Fry zeigte trotzdem kein Bedauern. "Wir mussten unsere Strategie anhand des dritten Trainings ausarbeiten. Deshalb haben wir sie gesplittet. Red Bull war auf den weichen Reifen schneller als wir. Wir müssen herausfinden, warum das so war."

Rückwirkend hätte Ferrari besser Alonso auf die Massa-Taktik gesetzt. Es war auch die Red Bull-Strategie. Der Kommandostand von Red Bell erkannte früh die potenzielle Schwachstelle von Alonso. Der weiche Gummi war der schlechtere Rennreifen. Man selbst hatte ihn schnell abgelegt. Also musste man Alonso dazu zwingen, so früh wie möglich auf weich zu gehen.

Wie das geht? Man biegt einfach früher als geplant zum Reifenwechsel ab und hofft, dass der Gegner möglichst bald kontert. Beim ersten Boxenstopp ging der Plan voll auf. Obwohl Alonso ein Polster von fünf Sekunden hatte, kam er nur eine Runde nach Webber an die Box. Wäre er länger draußen geblieben, hätte er auch den zweiten Reifenwechsel länger hinauszögern können. Das hätte die Zeit auf den weichen Reifen im dritten Turn verkürzt. "Für mich war das Ferraris entscheidender Fehler", urteilte Red Bull-Teamchef Christian Horner.

Warum ist McLaren beim Heimspiel gescheitert?

Im Training sah McLaren noch wie ein möglicher Sieger aus. Die chromglänzenden Autos waren schnell auf Slicks und auf Regenreifen. Nur die Intermediates brachten sie nicht auf Temperatur. Demzufolge hätte es im Rennen bessere Platzierungen als die Ränge acht und zehn geben müssen. Doch McLaren wurde zum großen Verlierer des Tages.

Der erste Turn von Lewis Hamilton gab noch Anlass zur Hoffnung. Auf den weichen Reifen im Mittelabschnitt machte der Kanada-Sieger aber nicht die Zeit gut, die man sich im Vergleich zur härteren Mischung erhoffte. In acht Runden verlor Hamilton drei Sekunden auf Alonso. Dann kehrte er zurück zu den harten Sohlen. Schon nach zwei Runden kam der Funkspruch aus dem Cockpit mit der Startnummer vier, dass er keinen Grip spüre.

"Alle Daten und Einstellungen waren gleich wie beim ersten Satz, nur die Rundenzeiten waren deutlich langsamer", jammerte Teamchef Martin Whitmarsh. Die McLaren-Ingenieure drehen sich beim Thema Reifen im Kreis. Bei Jenson Button lief es umgekehrt. Zu Beginn des Rennens zeigte der Sieger von Melbourne nur Mittelmaß. Mit dem letzten Satz drehte er auf. Whitmarsh versuchte die englischen Medien zu beruhigen: "In Hockenheim kommt das nächste Upgrade." Besser wäre es, das Reifenproblem in den Griff zu bekommen. Das Auto ist schnell. Ingenieure und Fahrer holen nur zu selten alles aus ihm heraus.

Warum war Schumacher schnell im Training und langsam im Rennen?

Nach dem Training sah die Welt für Michael Schumacher noch in Ordnung aus. Der Dritte des Trainings hoffte auch auf ein starkes Rennen. Als sich ein Trockenrennen abzeichnete, ahnten Schumacher und seine Ingenieure bereits, dass der GP England für sie auf eine Verteidigungsschlacht hinauslaufen würde. Nach zwölf Runden war Schumacher seinen dritten Platz los. Das Problem waren diesmal nicht die Reifen. Sie hielten ordentlich durch. Die Schwachstelle war das Auto selbst.

Der Mercedes verliert in schnellen Kurven zu viel Zeit. Konstruktionsbedingt und auch als Resultat der Fahrzeugabstimmung. Um die Reifen zu schonen reduziert Mercedes die Rollsteifigkeit. Das bestraft die Fahrer in schnellen Ecken. "Die Streckencharakteristik passte bei trockenen Bedingungen nicht zu unserem Auto", bestätigte Schumacher. Teamchef Ross Brawn drückte es anders aus: "Regen hätte uns besser gepasst. Wir haben zu viel Zeit auf den weichen Reifen verloren. Mit den harten konnten wir bis zum Ende des Turns schnelle Rundenzeiten fahren."

Wie verlor Hülkenberg seine WM-Punkte?

Nico Hülkenberg fuhr mit der Alonso-Taktik. Bis zur 50. von 52 Runden lief alles nach Plan. Doch Hülkenberg kämpfte mit dem Rücken zur Wand. Er war wie Alonso auf den weichen Reifen unterwegs, die links vorne körnten. Seine Verfolger hatten mit den harten Sohlen die bessere Option. Als sich der Force India-Pilot in Kurve 3 verbremste, mogelte sich Bruno Senna mit dem DRS-Vorteil auf der folgenden Geraden vorbei.

Beim Konter sechs Kurven später rutschte er in Copse Corner zu weit nach außen. So rutschten auch noch Jenson Button und Kamui Kobayashi durch. Aus Platz neun wurde Rang 12. Ein einziger Fehler in 17 Runden reichte aus. "Davor hat Nico sein Auto an den kritischen Stellen immer so geschickt platziert, dass Bruno nichts machen konnte", applaudierte Williams-Teammanager Dickie Stanford seinem ehemaligen Fahrer.

Waren die Strafen gerecht?

Pastor Maldonado hat langsam ein Abonnement auf einen Besuch in der Rennleitung. In Valencia verdiente sich der Venezolaner eine 20-Sekunden-Strafe für seine Kollision mit Lewis Hamilton. In Silverstone gab es gleich die nächste Buße. 10.000 Euro und eine Verwarnung, weil er Sergio Perez von der Strecke geboxt hatte. Williams zeigte der Rennleitung Daten, dass Maldonado zuvor das Auto ausgebrochen ist. Also ein normaler Rennunfall. Die Sportkommissare sprachen von einer vermeidbaren Kollision im Wiederholungsfall. Genau das brach Maldonado das Genick. Nimmt man den Vorfall isoliert, wäre eine Strafe genug gewesen. Doch der Spanien-Sieger ist ein Wiederholungstäter. Da tut eine Abreibung zur rechten Zeit not.

Kamui Kobayashi wird mit 25.000 Euro zur Kasse gebeten, weil er bei seinem missglückten Boxenstopp drei Sauber-Mechaniker über den Haufen fuhr. Da gibt es nicht viel zu diskutieren. Nach den Statuten müssen Boxenstopp-Vergehen bestraft werden. Die hohe Strafe wurde von den Sportkommissaren Nigel Mansell, Paul Gutjahr, Paolo Longoni und Richard Norbury wie folgt begründet: "Ein sehr gefährliches Manöver mit potentiell ernsten Folgen." Kobayashi muss seine Privatschatulle öffnen. "Fahrfehler bezahlen bei uns auch die Fahrer", sagt Peter Sauber.

In unserer Bildergalerie zeigen wir Ihnen noch einmal die entscheidenden Szenen des Rennens von Silverstone.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden