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Formel 1: Rennanalyse Grand Prix Malaysia 2010

Red Bull fährt der Konkurrenz um die Ohren

GP Malaysia 2010 Foto: xpb 63 Bilder

In Malaysia spielte Red Bull kurz mit den Muskeln und fuhr die Konkurrenz in Grund und Boden. Sebastian Vettel und Mark Webber waren einfach nicht zu schlagen. In unserer Rennanalyse blicken wir noch einmal auf die entscheidenden Momente und beantworten offene Fragen.

04.04.2010 Michael Schmidt

Wie überlegen war Red Bull wirklich?

Red Bull bestimmte das Rennen von A bis Z. Doch im Ziel sah der Vorsprung gar nicht so dramatisch aus. Nico Rosberg fehlten nur 13,5 Sekunden auf Sieger Sebastian Vettel. Und Mercedes GP ist zur Zeit bestimmt nicht der stärkste Gegner von Red Bull. Was direkt zu der Frage führt: Wie hätte Red Bull gegen Ferrari und McLaren-Mercedes ausgesehen, wären die von weiter vorne gestartet?

Der Vorsprung der Red Bull-Boys täuscht. Da wäre mehr drin gewesen. In den letzten 15 Runden fuhren Vettel und Webber mit stark reduzierter Drehzahl. Seit Webbers Motorschaden im Training geht bei Renault die Angst um, dass man am Ende der Saison in ähnliche Engpässe gerät wie im Vorjahr. Trotzdem zauberte Webber die schnellste Runde auf die Bahn. "Wir haben Tempo und Gegner kontrolliert", antwortete Red Bull-Berater Helmut Marko all jenen, die glaubten, dass der Vorsprung tatsächlich nur 13,5 Sekunden beträgt.

Eigentlich ist Sepang für die Red Bull wie geschaffen. Die schnellen Kurven liegen den dunkelblauen Autos. Doch der Vorteil ist in diesem Jahr geschrumpft. Vettel führte ins Feld, dass viele der schnellen Kurven, die im letzten Jahr nur fast voll gefahren wurden, dieses Jahr mit Leichtigkeit bewältigt werden konnten. Und zwar für alle.

Ferrari hätte Red Bull bestimmt mehr eingeheizt, wäre Alonso von vorne gestartet und hätte der Spanier ein intaktes Auto gehabt. Wenn Alonso mit einem defekten Getriebe die zweitschnellste Rennrunde fahren kann, dann wäre er für Vettel und Webber ein Gegner auf Augenhöhe gewesen. Auch Lewis Hamilton machte einen starken Eindruck. Doch wer von Platz 17 startet, der hat eben nach einer Runde automatisch schon 7,8 Sekunden Rückstand.

Warum fuhr McLaren zwei Strategien?

McLaren wollte nach der Trainingspanne auf Nummer sicher gehen. Bloß kein zweiter Fehler, haben sich die Teamstrategen gesagt. Jenson Button startete auf weichen Reifen, die er früh loswerden sollte, um dann den Rest des Rennens auf der harten Mischung zu überleben. "Das war die Taktik für ein komplett trockenes Rennen", erklärte Teamchef Martin Whitmarsh. Von Button weiß man: Der Weltmeister kann einen Reifensatz über 47 Runden nach Hause bringen. Lewis Hamilton fuhr die Regenstrategie. Harte Reifen zu Beginn, und dann solange ausharren, bis es zu regnen beginnt.

So hätte man sich gegenüber den 19 Fahrern, die auch auf weichen Sohlen ins Rennen gingen, einen Reifenwechsel gespart. Der Regen war für 17 Uhr angekündigt, aber er kam nie. "Jeden Tag hat es geregnet", ärgerte sich Whitmarsh, "und ausgerechnet heute bleibt es trocken." Das Radar verriet: Beim Start hatte sich 70 Kilometer von Sepang entfernt eine große Regenwolke gebildet, doch statt Richtung Kuala Lumpur zu wandern, blieb sie in ihrer Position nahezu stabil.

War Ferraris Reifentaktik richtig?

Die beiden Ferrari starteten auf hart und beendeten das Rennen auf weich. Felipe Massa war sich nach dem Rennen nicht mehr so sicher, ob das die richtige Reihenfolge war. "Auf den harten Reifen fühlte ich mich überhaupt nicht wohl. Mit den weichen ging die Post ab." Nach langem Hin- und Herrechnen glaubt Massa trotzdem, dass es besser war, zuerst die harten Reifen zu verwenden. "Wenn wir auf der Geraden den Top-Speed der McLaren hätten, dann hätten weiche Reifen Sinn gemacht. Aber wir mussten damit rechnen, dass wir irgendwann festhängen. Da brauchten wir Reifen, die ewig halten."

Genauso kam es. Der Ferrari-Express versauerte 18 Runden lang hinter den Toro Rosso. Die Erfahrung von Sepang hat bei Ferrari die Alarmglocken läuten lassen. "Wenn man gesehen hat, wie leicht Hamilton überholen konnte, und wie sich Button auf der Geraden gegen unsere Fahrer verteidigt hat, dann müssen wir jetzt ernsthaft über den Heckflügel-Trick der McLaren nachdenken", räumte Ferrari-Rennleiter Stefano Domenicali ein.

Wer ist das schnellste Auto hinter den Top 4?

Renault hat im Mittelfeld die Vorherrschaft übernommen. Die 30 WM-Punkte von Robert Kubica sagen alles. "Wir sind ein bisschen langsamer als die Mercedes", analysiert Robert Kubica. "Aber es ist nicht unmöglich, diesen Rückstand aufzuholen." Auch Renault plant für Barcelona ein größeres Aero-Paket. "Bis jetzt kam bei jedem Rennen etwas neues, das einen Vorteil brachte", erklärt der Pole. "Generell fehlt uns einfach Abtrieb. Je kühler es ist, umso mehr trifft uns das Problem, weil sich dann mangels Anpressdruck die Reifen nicht richtig aufheizen." In Sepang waren die Reifentemperaturen kein Problem. Auf weichen Reifen konnte Kubica mit Rosberg mithalten, auf harten verlor er an Boden.

Die Stärke der Renault sind die Starts. Keiner sprintet so schnell Richtung erste Kurve wie die gelbschwarzen Autos. Konkurrent Adrian Sutil gibt zu: "Die kommen verdammt schnell von der Linie weg. Da müssen wir uns auch verbessern." Auch der Top-Speed stimmt. Force India liegt knapp dahinter. Die Autos, die im letzten Jahr nur auf schnellen Strecken konkurrenzfähig waren, sind jetzt überall bei der Musik. Bis Barcelona soll das McLaren-System installiert sein, das die Strömung am Heckflügel abreißen lässt. Uns fehlen noch zwei Zehntel", rechnet Sutil vor. "Wir geben den Kampf um Platz fünf nicht auf", bestätigt Teamchef Otmar Szafnauer.

Warum stoppte Buemi zwei Mal?

Nur zwei Fahrer wechselten zwei Mal die Reifen: Rubens Barrichello und Sebastien Buemi. Nachdem Barrichello beim Start wegen eines Kupplungsproblems nicht vom Fleck kam, und nach einer starken ersten Runde mit fünf Überholmanövern im Verkehr fest hing, setzte Williams auf die Karte Risiko und pokerte mit zwei Reifenwechseln. Die Rechnung ging nicht auf. "Unser Auto war einfach zu langsam", fluchte Barrichello.

Sebastien Buemi war nach dem Rennen kaum ansprechbar. Der Schweizer war in der ersten Runde mit Kamui Kobayashi aneinandergeraten. Dabei wurden die Frontflügelendscheibe und die Nase beschädigt. "Weil Buemi schnell über Untersteuern klagte, haben wir ihn früher als geplant hereingeholt. Weil ein Nasenwechsel ihn zu viele Plätze gekostet hätte, blieb die Nase dran. Die haben wir erst beim zweiten Stopp getauscht", erklärte Teamchef Franz Tost die ungewöhnliche Taktik.

Erst danach kam Buemi richtig auf Speed. Immerhin markierte der Schweizer am Ende die drittschnellste Rundenzeit des Rennens. Ein Trost war das nicht. Teamkollege Jaime Alguersuari holte als Neunter Punkte, und der Teamkollege ist in der Formel 1 immer dein größter Feind.

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