Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Analyse: McLaren vs. Red Bull

McLaren drei Mal schneller als Red Bull

Vettel vs. Hamilton 2011 Foto: xpb 19 Bilder

Bei McLaren klaffen die Trainings- und Rennergebnisse weit auseinander. Während Lewis Hamilton und Jenson Button in der Qualifikation gegen Red Bull keine Chance haben, waren sie zuletzt im Renntrim drei Mal in Folge schneller.

21.06.2011 Michael Schmidt

Die Fragen aus dem Red Bull-Camp kommen immer häufiger. Was macht McLaren? Welches Setup fahren sie? Wie waren die Dauerläufe? Sebastian Vettel studierte im Parc Ferme den McLaren seines Bezwingers Jenson ganz genau. Besonders die Reifen. Was er sah, wird ihm nicht gefallen haben. Buttons Reifen waren besser im Schuss als seine eigenen. Dabei hatten sie zwei Runden mehr auf der Lauffläche.

McLaren-Chef Martin Whitmarsh stellte nach dem zweiten Saisonsieg eines seiner Autos zufrieden fest: "Wir hatten zum dritten Mal in Folge das schnellste Auto im Rennen." Im Siegestaumel war die Qualifikationsschwäche der chromlackierten Autos kein Thema mehr. In Montreal fehlten Lewis Hamilton auf Vettels Trainingsbestzeit 0,551 Sekunden. Buttons schnellste Rennrunde lag dafür um 0,261 Sekunden unter Vettels persönlichem Rekord. Beides gefahren in der 69. Runde. Beides unter identischen Bedingungen.

McLaren wird immer größere Gefahr für Red Bull

McLaren wurde ab dem GP Spanien für Red Bull im Rennen zur Gefahr. Das große Facelift in Spanien brachte McLaren hauptsächlich im Rennen einen Fortschritt. Weil das im Heck runderneuerte Auto pfleglicher mit den Hinterreifen umgeht als das Konkurrenzprodukt. Die schlankere Heckpartie verbesserte die Anströmung zum unteren Element des Heckflügels und vergrößerte die Fläche oberhalb des Diffusors. Das unterstützt die Absaugwirkung. Die neue Hinterradaufhängung ist verwindungssteifer und hilft beim Reifenschonen.

McLaren war der Eingriff so wichtig, dass man bei beiden Autos den Getriebejoker zog. Jeder Fahrer darf ein Mal pro Saison straffrei das Getriebe vor Ablauf der Laufzeit von fünf Rennen tauschen. Der Getriebewechsel wurde notwendig, weil McLaren einen der Querlenker der Hinterachse an der Crashstruktur befestigt, die zugleich der Deckel des Differenzials ist. Und der wurde versteift.

Red Bull muss KERS-Problem in den Griff bekommen

McLarens neue Trumpfkarte beim Reifenverschleiß war sowohl in Barcelona als auch in Monte Carlo und Montreal ein Faktor, der sie zur Gefahr für Red Bull werden ließ. Red Bull selbst dagegen war nicht kugelsicher. KERS wird immer mehr zu einer entscheidenden Baustelle bei den WM-Spitzenreitern. Es funktionierte bei Vettel weder in Barcelona noch in Montreal. Auch Mark Webber muss immer wieder mit Aussetzern kämpfen. Mit einem ebenbürtigen Gegner im Genick kann das ins Auge gehen. "Wir müssen die Probleme in den Griff kriegen, bevor wir KERS mal dringend brauchen", forderte Sebastian Vettel unlängst. Der Zeitpunkt ist längst eingetreten.

Es gibt laut Button aber auch noch andere Gründe für die gute Form der McLaren im Rennen. Der Mercedes-Motor erlaubt im Rennbetrieb über längere Strecken mehr Drehzahl und damit Leistung. Renault ist mit der Standfestigkeit näher am Limit. Der Heckflügel funktioniert bei Red Bull in Flachstellung besser, bei McLaren in Normalstellung. Da der Flügel im Training überall flach gestellt werden darf, im Rennen aber nur an einer oder zwei Stellen, verschieben sich die Vorteile von Samstag auf Sonntag von Red Bull zu McLaren.

Red Bull-Vorteil im Training könnte schmelzen

Und dann wäre da noch der Auspufftrick, dessen Verbot Red Bull härter treffen würde als McLaren. Whitmarsh ist überzeugt: "Im aggressiven Trainingsmodus hat Red Bull eine halbe Sekunde auf uns gutgemacht. Dieses Setup aber konnten sie im Rennen nicht fahren." Ab sofort ist nach dem Willen der FIA auch im Training damit Schluss.

Wenn McLaren jetzt auch im Training näher an seinen großen Rivalen heranrückt, werden sie im Rennen zu einem noch gefährlicheren Gegner. Hofft McLaren. "Wir sind jetzt in der Lage, die Red Bull-Fahrer in Fehler zu hetzen", stellte Button nach seinem Montreal-Sieg zufrieden fest.

Kann Red Bull den Trend drehen?

Nicht nur die. Während Red Bull bis Barcelona in einer atemberaubenden Präzision fast nur makellose Boxenstopps hingelegt hat, gab es in den letzten zwei Rennen jeweils kleine und große Pannen. In Monte Carlo gingen die jeweils ersten Reifenwechsel in die Hosen. In Montreal musste Webber wegen eines Lenkradwechsels bei seinem ersten Boxenstopp sechs Sekunden länger warten als geplant.

McLaren darf sich freilich nicht zu selbstsicher sein. Bei Adrian Newey weiß man nie, was er als nächstes aus dem Hut zaubert. 2009 hatte der Red Bull-Chefdesigner unter der Saison zwei Mal eine große Ausbaustufe gezündet. Und beide waren je für eine halbe Sekunde gut. Button macht sich deshalb keine großen Sorgen. "Wenn es ein Team gibt, das aggressiv entwickelt, dann sind das wir."

In unserer Fotogalerie zeigen wir Ihnen noch einmal im Bild, warum Sebastian Vettel in der Qualifikation schneller ist als im Rennen.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden