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Angst vor Reifenschäden

Randsteine legen GP2-Quali lahm

FIA-Rennleiter Charlie Whiting - Formel 1 - GP Aserbaidschan - Baku - 17. Juni 2016 Foto: xpb 105 Bilder

Nach den ersten 90 Trainingsminuten auf dem Baku City Circuit waren die Fahrer begeistert. Bei Pirelli gab es jedoch besorgte Mienen. 90 Prozent der Hinterreifen wiesen Schnitte auf. Schuld sind die Randsteine aus Metallplatten. Die GP2-Qualifikation musste deshalb verschoben werden.

17.06.2016 Michael Schmidt 1 Kommentar

Mit diesem Problem hat keiner gerechnet. Die Fahrer hatten bei ihrer Vorab-Kritik am Baku City Circuit eher die geringen Auslaufzonen in den Kurven 3, 7 und 15 im Visier. Doch die viel größere Gefahr lauert in den Scheitelpunkten der 90 Grad-Kurven. Die Randsteine schlitzen die Reifen auf. Pirelli-Ingenieure berichteten mit sorgenvoller Miene, dass 90 Prozent aller Hinterreifen Schnitte aufwiesen. Bei Topspeeds von bis zu 351 km/h ein inakzeptables Risiko.

Besonders betroffen ist der linke Hinterreifen. Einige Fahrer mussten das Training vorzeitig abbrechen, weil ihnen die Reifen ausgingen. Felipe Nasr, Lewis Hamilton und Felipe Massa zählten dazu. „Ich habe mir den Reifenschaden in der Runde zugezogen, als Ricciardo seinen Unfall hatte. Als ich nach der Unterbrechung wieder auf die Strecke wollte, haben sie mir gesagt, dass der linke Hinterreifen beschädigt ist und wir keine Reifen mehr haben“, berichtete Sauber-Pilot Nasr.

Metallplatten sind mit dem Asphalt verschraubt

In der Mittagspause hätte eigentlich die Qualifikation für das GP2-Rennen stattfinden sollen. Es wurde nach einer Runde abgebrochen. Aus dem gleichen Grund. Nach den Warnungen von Pirelli begaben sich FIA-Rennleiter Charlie Whiting, sein Assistent Herbie Blash und Verantwortliche der Rennstrecke auf Ursachenforschung und inspizierten die Kerbs.

Die Randsteine sind auf dem Stadtkurs nur provisorisch. Es handelt sich wie auf dem Marina Bay Circuit in Singapur um Metallplatten, die im Asphalt verschraubt sind. In den engen Kurven ist es ein Kunststück, die Elemente passgenau zu verlegen. Die geringste Kante kann da zum Reifenkiller werden. Auch lockere Schrauben stehen in Verdacht, für die Gummischäden verantwortlich zu sein.

Die Probleme traten vor allem in Kurve 6 auf. In den Kurven 3, 8, 12 und 16 gab es Anzeichen, dass sich das gleiche Problem anbahnte. An diesen Stellen liegen die Randsteine nicht direkt auf einem Betonsockel, sondern auf dem Asphalt. Die großen Schrauben in der Mitte der Elemente hielten der Belastung stand. Die Schwachstellen waren die nach außen hin abfallenden Elemente am Anfang und Ende der Kerbs. Sie werden von jeweils vier kleineren Schrauben gehalten.

An dieser Stelle reichte die Länge der Schrauben nicht aus, die Metallplatte dauerhaft festzuhalten. Durch die Erschütterungen beim Überfahren der innen hohlen Metallplatten begannen sich die Schrauben zu lösen. Die Misere bahnte sich kurz vor der Unterbrechung wegen des Ricciardo-Unfalls an. Zu dem Reifendrama kam es aber erst nach dem Re-Start.

Einige Ingenieure zweifeln, ob das Problem überhaupt zu lösen ist. „Selbst, wenn man es fugenfrei hinkriegt, wie lange hält das vor? Da fährt alle paar Sekunden ein 700 Kilogramm schweres Auto mit 900 PS drüber.“ Es gibt auch Befürchtungen, dass die Asphalt- und Betonqualität nicht gut genug ist, die Schrauben auf Dauer zu fixieren

Strecken-Designer Hermann Tilke gab den schweren Baufahrzeugen die Schuld, die in den Tagen davor die Kerbs malträtiert haben. Die Lösung des Problems ist ziemlich brachial. Alle Fugen wurden verschweißt, so dass sich die Metallplatten nicht mehr gegeneinander verschieben konnten. Die Schrauben am ersten und letzten Element wurden komplett entfernt. Die Metallplatten werden durch das Verschweißen mit den Hauptelementen automatisch gehalten. Das zweite Training zeigte aber, dass die Kerbs in Kurven 6 an den Kanten flatterten, sobald ein Auto drübergefahren war. Die Fahrer wurden gebeten, dem Randstein fernzubleiben.

Pirelli beklagte auch, dass unheimlich viel Schmutz auf der Strecke liegt. Schuld ist der starke Wind, der Blätter und Äste von den überhängenden Bäumen auf die Fahrbahn weht. Damit wird man leben müssen.

Neuester Kommentar

Ich würde gerne eine Wette auf die Safety Car Einsatzzeit in dem GP abgeben. Ich würde auf 30 bis 40 % der Renndistanz tippen. Der Kurs giert gerade zu nach Carbon-Schrott und die Bergung dauert viel zu lange. Ich sehe im Rennen schon die verschiedenen Bergekrähne um den Kurs schleichen. Bei dem Ricciardo-Crash eben im freien Training hat es auch ewig gedauert bis das Fahrzeug geborgen worden ist und bis dahin war die gesamte Sitzung mit Red Flag unterbrochen. Die Boxenstoppstrategie kann man dann auch getrost an den Safety Car Phasen ausrichten. Die nächste kommt bestimmt.

PeterSchlosser 17. Juni 2016, 14:54 Uhr
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