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Aufstand an der Basis

Force India, Sauber und Lotus dachten an Boykott

Gerard Lopez Vijay Mallya Lotus  Force India Formel 1 2014 Foto: xpb 20 Bilder

Den Formel 1-Drahtziehern weht in Austin ein eisiger Wind um die Nase. Nach dem Verlust von Caterham und Marussia proben die Teams den Aufstand, die es als nächstes treffen könnte. Force India, Sauber und Lotus haben über einen Boykott des GP USA nachgedacht, um Bernie Ecclestone und die großen Teams zum Umdenken zu zwingen.

01.11.2014 Michael Schmidt

Der Ausstieg von Caterham und Marussia hinterließ ein mittleres Erdbeben in der Formel 1. Erstmals steigen die kleinen Teams auf die Barrikaden. Bislang haben sie die Politik der FIA und von Bernie Ecclestone und die Ignoranz der großen Rennställe nur hinter vorgehaltener Hand kritisiert. Doch seit ihnen das Wasser sichtbar bis zum Hals steht, nehmen Force India, Sauber und Lotus kein Blatt mehr vor den Mund. Sie könnten nämlich die nächsten sein.

Die drei Teams gingen sogar so weit, dass sie einen Boykott des GP USA in Betracht gezogen haben. Weil die Entscheidungsträger einfach nicht aufwachen wollen. Das Fundament der Formel 1 ist ungesund. Die 830 Millionen Dollar an TV- und Antrittsgeldern werden ungerecht verteilt. Die vier großen Teams Ferrari, Red Bull, Mercedes und McLaren streichen mit 495 Dollar den Löwenanteil ein. Dem Rest bleibt weniger als die Hälfte. Force India-Chef Vijay Mallya sagt es klipp und klar: "Die Großen verdienen zum Schaden der Kleinen zu viel. Dadurch geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auf. Auch wir haben ein Recht teilzunehmen."

Kosten in Formel 1 zu hoch

Dazu kommt, dass die Kosten viel zu hoch sind. Das Überleben kostet mittlerweile fast 100 Millionen Dollar. Lotus-Chef Gerard Lopez fordert, dass jedes Team diese Summe aus dem Topf von Bernie Ecclestone zur Verfügung gestellt werden müsste. Der Konter von Mercedes-Teamchef Toto Wolff, dass viele der kleinen Teams über ihre Verhältnisse leben und dann dafür die Quittung bekommen, kommt bei Lopez gar nicht gut an: "Wir geben mehr aus als wir einnehmen, weil wir dazu gezwungen werden. Ich möchte die Hersteller dabei nur daran erinnern, was die Motoren kosten. Marussia und Caterham hatten nicht mal das Geld zum Teilnehmen."

Auch der Einwand von Wolff, dass in der Formel 1 schon immer ein Kommen und Gehen herrschte, findet rasch Widerspruch. "Die Zeiten sind nicht mehr wie früher, als zu jeder Zeit Ersatz bereitstand", sagt Lopez. Viele potenzielle Neueinsteiger werden duch die hohen Basiskosten bereits abgeschreckt. Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn fordert seit Jahren eine Budgetobergrenze. Ohne Erfolg. "Wo soll die festgelgt werden?", fragt Wolff. "Wenn wir sie auf die Budgets von Marussia und Caterham drücken, verlieren bei den großen Teams Hunderte von Leuten ihren Job. Außerdem sind einige Teams nicht zu kontrollieren. Ferrari baut unter einem Dach Straßenautos, GT-Sportwagen und Formel 1-Fahrzeuge. Wer soll das auseinander dividieren?"

Die Formel 1 braucht Hersteller und Privatteams

Die Ausreden der großen Teams sind seit Jahren die gleichen. Sie wollen um keinen Preis ihre Privilegien aufgeben. Bernie Ecclestone hat die Nase von den Hungerleidern voll. Ihm schwebt eine Formel 1 mit acht Teams à drei Autos vor. Er verschließt dabei seine Augen, dass es nicht lange bei den acht Teams bleibt. Weil das Geschäftsmodell für die am Ende des Feldes immer weniger aufgeht, umso teurer das Verlieren wird.

FIA-Präsident Jean Todt mahnt zwar in einer Pressemitteilung an, dass sich alle Beteiligten auf eine Lösung verständigen sollten, die das Überleben der Königsklasse garantiert, doch ein Machtwort will der Franzose auch nicht sprechen. Die FIA ist längst in der Hand der Rechteinhaber. Dafür hat sich Todt eine jährliche Ausschüttung von 40 Millionen Dollar garantieren lassen.

Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis

Bis jetzt konnten die Drahtzieher den Aufstand der kleinen Teams jedes Mal abbügeln. Diesmal kämpfen die Teams ohne Lobby mit dem Mut der Verzweiflung. "Wir werden nicht mehr nachgeben. Die Struktur muss sich ändern. Ein GP2-Team gibt vier Millionen Dollar aus und ist sechs Sekunden langsamer als die Formel 1, die dafür 300 Millionen braucht. Da stehen Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis", droht Lopez.

Mallya und Kaltenborn vertreten die gleiche harte Linie. "Es kann nicht sein, dass der Sport nicht in der Lage ist, elf Teams zu unterhalten", prangert Kaltenborn das System an. Sie haben nichts mehr zu verlieren. Mallya spricht für alle: "Wir haben oft genug darüber diskutiert, und nie ist etwas passiert. Es ist an der Zeit, dass wir handeln. Die Formel 1 kann nicht von Herstellern allein leben. Sie braucht die Privatteams. Das ist seit Jahrzehnten in ihrer DNA."

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