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Ausfall-Drama in der Formel 1

Wann blieben die meisten Autos liegen?

Sebastian Vettel GP England 2013 Foto: xpb 30 Bilder

Die neue Formel 1-Saison wirft ihre Schatten voraus. Experten erwarten wegen der komplexen Technik bei den ersten Rennen eine Ausfallorgie. Und das nach der Saison mit den wenigsten Ausfällen in der GP-Geschichte. Wir blicken zurück in die F1-Geschichtsbücher.

17.01.2014 Michael Schmidt

Was erwartet uns in der Formel 1-Saison 2014? Selten waren die Experten so ratlos. Viele Fragen warten auf eine Antwort. Wer hat die beste Lösung für das neue Reglement? Um wie viel langsamer werden die 2014er Formel 1-Autos? Werden die Rennen zur Schleichfahrt, weil jeder Sprit sparen muss? Wie viele Autos kommen überhaupt ins Ziel? Zumindest zur letzten Frage gibt es vage Antworten. Red Bull-Technikchef Adrian Newey glaubt: "Die Zuverlässigkeit wird zumindest in der ersten Saisonhälfte eine entscheidende Rolle spielen."

Ausfälle entscheiden Formel 1-Titel

Früher war der Spruch "you have to finish first to finish first" ein geflügeltes Wort. Der größte Feind der Fahrer war der Defektteufel. Es wurden schon Weltmeister gekürt, die zwar nicht das schnellste, aber das zuverlässigste Paket hatten. Mike Hawthorn 1958 zum Beispiel, Denis Hulme 1967 oder Keke Rosberg 1982.

In den letzten zehn Jahren spielte die Standfestigkeit eine immer weniger entscheidende Rolle. 2013 lag die Ausfallquote bei nur noch 15,8 Prozent. Darunter ist das Verhältnis aller GP-Starts zu allen Ausfällen über alle Rennen des Jahres gemeint. Pro Rennen fielen 3,5 Autos aus, davon 2,1 wegen eines Defekts. Das sind die niedrigsten Werte in 64 Jahren Formel 1.

Seit 2000 sank die Ausfallquote dramatisch

In einer Rangliste gehören elf der 14 Saisons seit 2000 zu den Jahren mit den wenigsten Ausfällen. 2013 wird gefolgt von 2011 mit einer Ausfallquote von 17,9 Prozent, von 2012 mit 19,1 Prozent, von 2009 mit 20,7 Prozent und von 2008 mit 23,6 Prozent.

Das ist kein Zufall: Mit dem Einzug der Automobilhersteller Ende der 90er Jahre kamen industrielle Arbeitsprozesse, computergestützte Analysen, bessere Qualitätskontrollen und ein wissenschaftlich gestütztes Design in Mode. Fehler wurden nicht nur sofort entdeckt, sondern oft schon im Designprozess umgangen.

Meiste Ausfälle in den 80er Jahren

Interessanterweise sind die 80er Jahre die Ära mit den wenigsten Zielankünften. Und nicht die erste Dekade nach der Geburt der Formel 1-WM 1950. Das hat vermutlich zwei Gründe. Die Turbo-Motoren erreichten nie den Grad an Zuverlässigkeit wie die Sauger. Das lässt für 2014 tief blicken. Und die Teams haben in diesem Jahrzehnt viel experimentiert.

Die Mannschaften und Budgets waren noch relativ klein, die Datenflut überschaubar, die Arbeitsmethodik funktionierte nach dem Prinzip "trial and error". 1984 fielen die meisten Autos aus. Die Quote betrug 63,4 Prozent. 16,3 Autos pro Rennen sahen nicht die Zielflagge, 11,0 davon wegen eines technischen Problems. 1986 war mit 57,7 Prozent das zweitschlechteste Jahr, gefolgt von 1987 mit 57,6 Prozent (siehe Tabelle).

Regelreformen sorgen nicht für hohe Ausfallquote

Der Verdacht liegt nahe, dass die großen Regelreformen die Ausfallquote nach oben getrieben haben. Doch das lässt sich nicht erhärten. Auch wenn das Jahr 1989, in dem die Formel 1 von den Turbos zu 3,5 Liter Saugmotoren zurückkehrte, mit 55,9 Prozent Ausfallquote im Spitzenfeld liegt. Damals fielen 9,3 Autos pro Grand Prix aus.

1994 rangiert mit einer Ausfallquote von 52,3 Prozent ebenfalls in den Top Ten. Dafür aber war die Saison 2009 mit seiner großen Aerodynamik-Abrüstung und der Einführung von KERS mit einer Ausfallquote von 20,7 Prozent die viertbeste seit Bestehen der Formel 1.

Monte Carlo 1966 der ausfallreichste Saisonauftakt

Das erste Rennen des Jahres ist der Logik nach das kritischste. Weil noch alles ganz neu und unausgereift ist. Im Schnitt ist es vermutlich auch der Grand Prix mit den meisten Ausfällen im Jahr. Aber auch das hatte zuletzt seine Gültigkeit verloren. 2013 kamen 18 der 21 Starter ins Ziel. 2012 waren es 16 von 22. Den letzten wirklich ausfallreichen Saisonauftakt gab es 2008 in Melbourne mit nur acht Zielankünften bei 22 Teilnehmern. Da warf eine Startkollision aber fünf Autos auf einen Schlag aus dem Rennen.

Aber was ist das schon gegen den Saisonstart 1966 in Monte Carlo? Nur vier der 16 Starter schafften die 100-Runden-Distanz. Was aber nicht unbedingt an den neu eingeführten Dreiliter-Motoren lag. Die meisten Teilnehmer hatten noch gar kein Triebwerk der neuen Bauart. Obwohl die FIA das neue Reglement schon Jahre vorher angekündigt hatte, waren nur Ferrari, Repco und Maserati fertig.

In unserer Bildergalerie blicken wir noch einmal zurück auf die größten Technikflops der F1-Geschichte.

JahrAusfallquote (DNF)Ausfälle pro GPDefekte pro GP
1. 201315,8%3,52,1
2. 201117,9%4,33,0
3. 201219,1%4,62,5
4. 200920,7%4,12,2*
5. 200823,6%4,82,4
.. 10. 200632,3%7,14,5*
... 15. 196141,7%9,88,0*
... 18. 195242,4%10,89,9*
... 22. 199844,4%9,65,7*
... 42. 195449,3%11,29,4*
43. 195049,4%11,19,1*
... 50. 196650,9%9,67,8*
... 53. 198351,2%13,19,3*
... 56. 199452,3%13,47,3*
... 59. 198955,9%14,59,3*
60. 196856,0%10,58,3
61. 198556,4%14,010,7
62. 198757,6%14,712,1
63. 198657,7%14,611,9
64. 198463,4%16,311,0
* große Regelreformen
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