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Angeblasener Diffusor verboten

F1-Technik-Chefs beenden Auspuff-Krieg

Toro Rosso STR6 Diffusor 2011 Foto: xpb 24 Bilder

Der Auspuff-Krieg ist beendet. Die Technikdirektoren haben sich in Abu Dhabi überraschend schnell geeinigt. Der angeblasene Diffusor ist 2012 verboten. Ein kleines Schlupfloch hat die FIA jedoch offen gelassen. Wer es trotz aller Restriktionen irgendwie schafft, die Auspuffgase für die Aerodynamik zu nutzen, kommt ungeschoren davon.

11.11.2011 Tobias Grüner

Es sollte eine Mammutsitzung in Abu Dhabi werden, doch dann ging am Donnerstagabend (10.11.) alles im Schnelldurchgang. Die Technikdirektoren nickten die von der FIA kürzlich eingebrachten Auspuffrestriktionen unter Paragraf 5.6 einstimmig ab. Damit ist die Position der beiden Endrohre in einem gedachten Rechteck vor der Hinterachse vorgeschrieben.

Schlupflöcher sind kaum möglich: Die letzten zehn Zentimeter der Endrohre müssen in einem Winkel zwischen zehn und 30 Grad ansteigen, was verhindern soll, dass sie in den Boden verlegt werden, um den Diffusor anzublasen. Weiterhin wurde bestätigt, dass kein Karrosserieteil die Auspuffmündung bedecken darf. Somit wird es nahezu unmöglich die Auspuffgase einzufangen und in eine andere Richtung zu dirigieren.

Teamchefs müssen noch zustimmen

Um die Vorschläge in das technische Reglement für 2012 einzubringen, müssen die Teamchefs noch per Fax-Votum zustimmen. Das ist erfahrungsgemäß nicht so einfach wie es klingt. Während die Ingenieure pragmatisch denken, haben ihre Chefs immer Hintergedanken. Motto: Was schadet mir, was nutzt mir?

Sie würden bei einer erneuten Ablehnung jedoch viel riskieren. Es käme dann zum offenen Krieg zwischen den Befürwortern der Auspuffrestriktionen und den Gegnern. Proteste wären programmiert. Und auf welcher Seite die FIA steht, ist bekannt. Sie will, dass der angeblasene Diffusor verschwindet.

Die Motorbeschränkungen werden nicht in das Reglement mit aufgenommen. Sie bleiben eine so genannte technische Direktive. Sollte im nächsten Jahr ein Motorhersteller mit einem Kennfeld fahren, das beim Gaswegnehmen künstlich Auspuffgase erzeugt, kann die FIA den Fall den Sportkommissaren melden, mit der Bitte, den entsprechenden Teilnehmer auszuschließen. Das wird kaum einer riskieren.

FIA steht genialen Ideen nicht im Weg

Ein kleines Geschenk musste FIA-Rennleiter Charlie Whiting den Technikdirektoren machen, sonst hätte er sie nicht so problemlos auf die Linie des Weltverbandes eingeschworen. Der ominöse Paragraf 5.6.5, der besagt, dass die Auspuffgase unter keinen Umständen Einfluss auf die Aerodynamik nehmen dürfen, wird nicht mit in das technische Reglement übernommen. Ferrari, Sauber und Hispania hätten für den Paragrafen gestimmt, wäre es zu keiner Einigung gekommen. Damit hätten sie der FIA die Möglichkeit gegeben, jede Form von Anblasen irgendwelcher Aerodynamikteile zu verbieten.

So bleibt den Tüftlern ein kleines Schlupfloch. Wenn sie es trickreich schaffen, die Auspuffgase so auszurichten, dass sie auf einen Flügel oder das Diffusordach zielen, dann kann die FIA dagegen nicht einschreiten. Es ist zum Beispiel theoretisch möglich, die Querlenker der Hinterradaufhängung so zu platzieren, dass der Auspuffstrahl daran abprallt und in eine andere Richtung gelenkt wird. Aufhängungskomponenten sind kein Karosserieteil.

Die Wirkung einer solchen Lösung wäre allerdings stark eingeschränkt, weil die Auspuffgase durch das Umlenken viel an Energie verlieren. Außerdem wird ihre Intensität von der Gaspedalstellung bestimmt. Dafür sorgen die neuen Motordirektiven. Geht der Fahrer vom Gas, kommt am Auspuff nichts raus.

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