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Auspuff, Nase & Piloten

Das Geheimnis des McLaren-Erfolgs

Jenson Button - McLaren - GP Australien - Melbourne - 17. März 2012 Foto: xpb 27 Bilder

Die Konkurrenz sollte gewarnt sein. In den letzten drei Jahren legte McLaren einen Fehlstart hin und kam erst später in der Saison in Fahrt. Zu spät. Das letzte Mal als McLaren das erste Saisonrennen gewonnen hat, wurde ein McLaren-Fahrer auch Weltmeister. Das war 2008.

21.03.2012 Michael Schmidt

McLaren ist auf lange Sicht das beste Team in der Formel 1. Seit 1981 gab es nur vier Jahre, in denen der Rennstall aus Woking sieglos blieb. Das waren 1994, 1995, 1996 und 2006. Sonst mischte McLaren immer im Spitzenfeld mit. Auch in den Jahren, die mit einem Fehlstart in die Saison begannen. 2009 hatte McLaren die große Regelreform falsch interpretiert. Der Frontflügel folgte einem falschen Konzept, und der Doppeldiffusor fehlte. Er war mangels Platz auch schwer nachrüstbar. Doch das Imperium schlug zurück. Pünktlich zu Halbzeit der Saison war der erste Sieg perfekt. Es reichte in der Endabrechnung noch zu WM-Platz drei.

Aus der Krise zurück zum Erfolg

2010 hatten die Ingenieure aus Woking mit dem F-Schacht zwar einen Joker ausgegraben, doch der MP4-25 war nur auf bestimmten Strecken ein Siegerauto. Lewis Hamilton blieb trotzdem bis zum letzten Grand Prix im Titelrennen und wurde am Ende Vierter der Gesamtwertung. McLaren gewann fünf Grand Prix und beendete das Jahr auf Platz zwei im Konstrukteurspokal.
 
2011 standen die Vorzeichen auf Sturm. Das Auto drohte ein Flop zu werden. Es war bei den Wintertestfahrten langsam und unzuverlässig. Dann schafften das Konstruktionsbüro unter Paddy Lowe in einem Kraftakt die Wende. Das revolutionäre Auspuffkonzept, das wegen seiner aufgefächerten Endrohre den Spitznamen Oktopus erhielt, wurde entsorgt und innerhalb von drei Wochen durch eine Kopie der Red Bull-Lösung ersetzt. Sie funktionierte auf Anhieb. "Wir hatten schon beim ersten Versuch die optimale Position gefunden, wo der Auspuffstrahl hinzielen sollte", erinnert sich Teamchef Martin Whitmarsh.
 
Genau das zeichnet McLaren aus. Dieses Team findet aus jeder Krise im Handumdrehen zurück zum Erfolg. Der frühere Technikchef von Williams Sam Michael, der seit Beginn des Jahres als Sportdirektor bei McLaren arbeitet, weiß warum: "Hier ist alles auf eine wissenschaftliche Basis gestellt. Es wird nichts dem Zufall überlassen. Die Struktur ist so gut, dass jeder ersetzbar ist." Tatsächlich hat McLaren bis jetzt noch jeden Abgang verkraftet. Im letzten Jahr gingen Aerodynamikdirektor John Iley und Testchef Steve Clarke von Bord. Trotzdem ist der McLaren MP4-27 das zur Zeit beste Auto im Feld.

McLaren steht zur tiefen Nase

Dabei hatten selbst die Fahrer und der Teamchef am Anfang ihre Zweifel, ob das Konzept der tiefen Nase aufgehen würde. "Als ich bei der Konkurrenz die Krokodilnasen gesehen habe, habe ich unsere Techniker gefragt, ob sie sicher sind, dass wir das Richtige getan haben, und sie haben mir geantwortet, dass sie sich keine Sorgen machen müsse", blickt Whitmarsh auf die Frühphase der Wintertests zurück.
 
Aerodynamik scheint doch nicht das Allheilmittel zu sein. Unstrittig strömt unter der Nase von McLaren weniger Luft durch als unter einem Red Bull, Ferrari oder Mercedes. Doch dafür bringt die McLaren-Nase auch Vorteile. Whitmarsh: "Wir haben einen tieferen Schwerpunkt, mehr Freiheiten bei der Aufhängungsgeometrie, und eine angenehmere Sitzposition für den Fahrer mit einer besseren Sicht."
 
Der Auspuff ist beim McLaren am besten gelöst. Er bläst im Prinzip an die gleiche Stelle wie im Vorjahr. Die Idee mit dem Schacht rund um das Endrohr bündelt den Auspuffstrahl derart gut, dass McLaren mittlerweile auf Trimmer am Unterboden verzichten kann.
 
Eine längliche silberglänzende Platte auf dem Boden verrät, wo die Auspuffgase auftreffen. Ziemlich nah an der Kante des Bodens innerhalb der Hinterräder. Die Warnungen einiger Ingenieure, die Reifen könnten sich aufheizen, bestätigten sich im Fall von McLaren bis jetzt nicht.
 
Eigentlich war McLaren den Regelhütern in Melbourne schon fast wieder zu stark. Die beiden Autos wurden nach der Qualifikation von der FIA zwei Stunden lang auseinander genommen. "Sie haben ein F-Schacht-System in unserem Auto gesucht, aber wir haben noch keinen", lachte Martin Whitmarsh.

Das entsprach nicht ganz der Wahrheit. Die FIA hatte den Verdacht, dass der Frontflügel zu nah über der Straße liegt. Zu einer exakten Messung musste die Referenzplatte unter dem Auto abgenommen werden. Ergebnis: Der Flügel ist von der Höhe her absolut am Limit.

Zwei starke Piloten bei McLaren

Auch die Fahrerpaarung ist bei McLaren top. Lewis Hamilton und Jenson Button gehen in ihr drittes Jahr. Und es sind zwei Dinge eingetreten, die so keiner erwartet hat. Die beiden Engländer vertragen sich. Weil Button klug genug ist, Hamilton keine Angriffsfläche zu bieten.
 
Button gibt seinem Teamkollegen auf der Strecke mehr Gegenwehr, als es alle Experten und Hamilton selbst erwartet hatten. Der Saisonauftakt sah den besten Button, den es je gab. Hamilton war nach dem Rennen sprachlos. Er wusste, dass er nach allen Regeln der Kunst entzaubert worden war. Schlimmer noch: Er fand weder Antworten auf seine Fragen, noch gab es irgendeine Entschuldigung.
 
Man muss diesen Button spätestens jetzt zum engsten Kreis der Titelanwärter zählen. "Das Team ist schon lange nicht mehr so gut in die Weltmeisterschaft gestartet. Wir sind jetzt bereits da, wo wir in den letzten zwei Jahren erst später in der Saison hingekommen sind. Ich sehe uns in einer exzellenten Ausgangsposition." Button wird an 2008 gedacht haben. Da gewann Lewis Hamilton das Auftaktrennen und auch die Weltmeisterschaft.

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