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Auspufftrick

Wovor hat Red Bull in Silverstone Angst?

Red Bull GP Europa Auspuff 2011 Foto: Grüner 24 Bilder

Das Rätselraten geht weiter. Wenigstens bis zum Samstag. Erst nach der Qualifikation wird man wissen, wen die Abrüstung am Auspuff am meisten straft. Die Konkurrenz wundert sich, dass Red Bull-Technikchef Adrian Newey plötzlich so schwarz sieht.

07.07.2011 Michael Schmidt

Im Freien Training von Silverstone beginnt die Stunde der Wahrheit. Dann müssen alle Autos auf den Auspufftrick verzichten. Und dann dürfen beim Gaswegnehmen keine Auspuffgase mehr produziert werden. Das wird bei jedem zu Schwankungen im Anpressdruck führen. Die Frage ist nur: Wenn trifft es wie hart?

"Darauf kann keiner eine Antwort geben, bevor wir nicht auf der Strecke damit gefahren sind", antworten die McLaren-Piloten Lewis Hamilton und Jenson Button. Fernando Alonso gibt nicht zuviel auf das Freitagstraining: "Wir werden die Qualifikation abwarten müssen, um ein genaues Bild zu haben." Rubens Barrichello scherzt: "Wir hatten vorher null, und jetzt null. Für uns ändert sich praktisch nichts."

Der Simulator ist da nur eine kleine Hilfe. "Du spürst schon, dass etwas anders ist also vorher, kannst aber schwer abschätzen, wie viel", bestätigt Sebastian Vettel. Dann erklärt der WM-Spitzenreiter: "In der Simulatorarbeit vergleichst du dich immer mit dem letzten Schritt. Wenn du jetzt plötzlich auf Null zurückgehst, fehlt dir das Einschätzungsvermögen, wie groß der Unterschied ist."

Red Bull ändert Linie

Aus Red Bull wird man dieser Tage nicht schlau. Die erste Reaktion nach dem offziellen Verbot war: Das trifft alle gleich. In Valencia räumte Teamberater Helmut Marko ein: "Wir werden eine halbe Sekunde verlieren." Davon geht man auch bei Ferrari und McLaren aus. Doch dann legte Technikchef Adrian Newey nach. Das Superhirn kritisierte die Regeländerung mitten in der Saison. "Es ist offensichtlich, dass wir unser Auto um diese Technik herum konzipiert haben. Deshalb haben wir auch viel zu verlieren. Ich würde sagen, dass Renault, McLaren und wir am meisten betroffen sind. Ferrari könnte davon profitieren."

Inzwischen sickerte durch, dass Red Bull und Renault in den letzten Tagen bei der FIA noch einmal vorstellig geworden sind, um das Verbot abzumildern. Es ging um die Motoreinstellungen, die ab dem GP England erlaubt sind. Die FIA wollte für das Öffnen der Drosselklappen und Walzenschieber individuelle Limits setzen, je nachdem wie die Hersteller ihre Triebwerke in der Saison 2009 abgestimmt haben.

Red Bull und Renault kämpfen um offene Drosselklappen

"Das war die Zeit vor dem aktiven Anblasen des Diffusors", erklärt FIA-Rennleiter Charlie Whiting. "Wir können davon ausgehen, dass die Einstellungen damals ausschließlich dafür gewählt wurden, den Motor so standfest wie möglich zu machen." Die FIA-Techniker betrachten die 2009er Kennfelder allerdings nicht als maßgeblich. Sie sind für sie lediglich ein Anhaltspunkt, wie viel sie den Motorenbauern gestatten. Damit keiner mit aberwitzigen Ausreden daher kommt, warum er die Drosselklappen im verbotenen Bereich trotzdem um einen bestimmten Prozentsatz öffnen müsse.

Red Bull und Renault haben um jedes Prozent gekämpft. Ein bisschen Öffnung ist notwendig, um den Blow-by und damit den Druck im Kurbelhaus zu reduzieren. Doch mehr als zehn Prozent bei 12.000/min und darunter will der Verband keinem Hersteller gestatten. Das reicht, um den Motoren ein langes Leben zu garantieren. Und da ist der Einfluss auf die Aerodynamik gleich null.

Wie stark ist Renault betroffen?

Nick Heidfeld wundert es, dass Red Bull plötzlich so viel Wind um eine Sache macht, die man zunächst als unkritisch abgetan hat. "Vielleicht haben sie herausgefunden, dass sie doch mehr verlieren als zunächst vermutet." Für sein eigenes Auto ist Heidfeld optimistisch: "Wir werden weniger Balanceverschiebungen spüren als die anderen, weil unser Auspuff früher austritt."

Ross Brawn würde darauf nicht wetten. "Wir können anhand der Simulationen nicht eindeutig sagen, welche Auspuffposition mehr betroffen ist. Unsere alte oder die neue, die mit der von Red Bull vergleichbar ist." Jenson Button wagt nach seinen Erfahrungen im Simulator immerhin eine Prognose: "Es fühlt sich an wie in einem Auto mit weniger Abtrieb. Die Top-Teams werden alle verlieren. Sie haben ihre Autos für diese Technik optimiert. Wir hoffen jetzt mal, dass es unsere Gegner mehr trifft als uns."

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