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Bahrain teurer als Barcelona

Wüsten-Test kostet halbe Million mehr

Impressionen - Formel 1 - Bahrain - Test - 2. März 2014 Foto: xpb 32 Bilder

Pirelli und Bernie Ecclestone hatten die Formel 1-Teams zu Testfahrten nach Bahrain gelockt. Mit dem Versprechen besserer Bedingungen bei gleichen Kosten. Das mit den Bedingungen stimmte. Mit den Kosten nicht.

03.03.2014 Michael Schmidt

Pirelli hatte die Winter-Testfahrten in Barcelona satt. Die Temperaturen kletterten kaum über 20 Grad, das Wetter war zu wechselhaft, die Strecke für den Saisonauftakt mit Stop-and-Go Kursen wie Melbourne, Sakhir und Shanghai nicht repräsentativ. Pirelli wollte seine Reifen bei stabilem Wetter, Temperaturen jenseits der 20 Grad-Marke und auf einem Streckenlayout testen, das den Hinterreifen fordert.

Bernie Ecclestone wollte mit den Testfahrten Geld machen. Bahrain war der ideale Ort. Dort lässt sich abkassieren, denn für das Königreich ist die Formel 1 das Tor zur Welt. Den Einwand der kleinen Teams, dass Testfahrten sechs Flugstunden von Europa entfernt zu teuer seien, konterten die Befürworter der Bahrain-Tests mit dem Versprechen: Acht Testtage in Bahrain werden nicht mehr kosten als acht Tage in Barcelona.

Bahrain deutlich teurer als Barcelona

Das Versprechen wurde nur zur Hälfte eingehalten. Die Testbedingungen waren tatsächlich besser. Jeden Tag schönes Wetter bei Temperaturen zwischen 20 und 28 Grad. Dazu eine Strecke, die Pirelli verwertbare Daten für ihre Reifenentwicklung lieferte. Bahrain war außerdem ein guter Gastgeber. Alle Wünsche wurden erfüllt. Die Organisation war abgesehen von einer anfangs langatmigen Bergung havarierter Autos vorbildlich.
 
Trotzdem bleibt ein Beigeschmack. Die Teams haben Bilanz gezogen. Acht Tage Testfahrten in Bahrain sind teurer als acht Tage in Barcelona. Für die kleinen Teams um eine halbe Million Euro, für die großen um eine Million oder sogar mehr. Bei Red Bull, Mercedes, Ferrari oder McLaren kam ständig Nachschub aus Europa an. Die Luftfracht ist teurer als Teile im LKW von England, Maranello oder Hinwil nach Barcelona zu karren.

Höhere Streckenmiete, höhere Frachtkosten

Das liegt daran, dass verschiedene Abmachungen offenbar nicht eingehalten wurden. Ein Testtag in Bahrain kostet 46.000 Euro Streckenmiete. Barcelona ruft zwar einen ähnlichen Preis auf, aber die Teams sind dort wie in Jerez zu 30 Prozent am Ticketverkauf beteiligt.
 
In Spanien sind die Tribünen stets gut gefüllt. Besonders an Tagen, wenn Fernando Alonso fährt. In Bahrain konnte man die Zuschauer zählen, und keiner weiß, ob sie je bezahlt haben. Auf der Haupttribüne verirrten sich zwischen 100 und 200 Zuschauer. Also gab es auch keine Rückerstattung für die Teams.
 
Bernie Ecclestone hatte den Teams versprochen, dass es für die Fracht, die in Bahrain stoppt und dann weiter nach Melbourne fliegt, keinen Aufschlag gibt. Tatsächlich bezahlten die Teams für den Zwischenstopp 9,90 Dollar pro Kilogramm extra. Dazu kommen die Flugtickets für die Testmannschaft und der 12-tägige Hotelaufenthalt in Bahrain.

Kritik an der Strategiegruppe

Die Testfahrten unterliegen neuerdings der Kontrolle der Rechteinhaber. Früher hielten die Teams selbst die Hand darauf. Im Mai letzten Jahres traten die Teams die Rechte an Ecclestone ab. So wurde es bei einer Sitzung der Strategiegruppe beschlossen. Ecclestone hat zwar inzwischen die Organisation wieder an die Teams zurückgegeben, bestimmt aber weiter, wo und zu welchen Bedingungen getestet wird.

Es blieb nicht die einzige fragwürdige Entscheidung der neu ins Leben gerufenen Strategiegruppe, die aus sechs Teams (Ferrari, Red Bull, Mercedes, McLaren, Williams, Lotus) und je sechs Vertretern der FIA und der Rechteinhaber besteht. Die kleinen Teams fühlen sich von den Großen übergangen. "Denen sind doch die Kosten egal", ärgert man sich bei Force India, Sauber, Toro Rosso, Caterham und Marussia.

Jüngstes Beispiel sind die Verhandlungen über eine Budgetobergrenze ab 2015. Streitpunkt ist die Einstiegshöhe. Bislang konnte man sich nur auf einen gemeinsamen Nenner von 225 Millionen Pfund (265 Millionen Euro) einigen. Was zeigt, wie wenig lernfähig der Sport selbst in der Krise ist.

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