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Barcelona Testanalyse

Red Bull hängt Mercedes ab

Sebastian Vettel Foto: Red Bull 72 Bilder

Formel 1-Experten haben es schwer. Auf die Frage wer schnell ist und wer nicht, wussten sie lange keine Antwort. Der zweite Testtag von Barcelona brachte eine erste Erkenntnis. Red Bull hängt Mercedes deutlich ab.

27.02.2011 Michael Schmidt

Rundenzeiten bei Testfahrten sind Schall und Rauch. In diesem Jahr mehr als je zuvor. Von zehn bis 150 Kilogramm Benzin im Tank ist alles möglich. "Und in diesem Jahr kommt dazu, dass es himmelweite Unterschiede zwischen den Reifenmischungen gibt", sagt Jenson Button. "Zwischen Soft und hart liegen 1,5 Sekunden. Und der Supersoft ist nochmal annähernd eine Sekunde schneller."

Ähnlich groß sind die Zeitdifferenzen zwischen einem frischen und einem gebrauchten Satz. Ziemlich viele Unbekannte für die Analytiker der Szene. Seit dem zweiten Testtag in Barcelona gibt es ein bisschen mehr Klarheit. Red Bull und Mercedes haben ihre ersten echten Rennsimulationen abgeschlossen. Michael Schumacher spulte schon am Freitag eine Renndistanz ab. Sebastian Vettel und Nico Rosberg folgten am Samstag. Das ergab einen ersten Indikator für das Kräfteverhältnis, wie es sich im Moment präsentiert.

Vettel im Schnitt 1,5 Sekunden schneller

Als das imaginäre Rennen begann, musste der Tank voll sein. Und er hat sich bis zum Ende der Grand Prix-Simulation gleichermaßen geleert. Vettel entzog sich einem kompletten Vergleich dadurch, dass sein Rennen zuerst durch eine rote Flagge und dann durch einen Riss im Auspuff unterbrochen wurde.

Trotzdem war bis dahin genug zu erkennen. Die Rundenzeiten des Weltmeisters lagen im Schnitt 1,5 Sekunden unter denen von Michael Schumacher. Rosberg war noch eine Spur langsamer. Was auch daran lag, dass Rosberg im Gegensatz zu Schumacher auf KERS verzichten musste. Deshalb bringt der Vergleich zwischen Vettel und Schumacher bessere Anhaltspunkte.

Red Bull und Mercedes mit drei Reifenwechseln

Beide starteten das Rennen auf einem gebrauchten Reifen der Marke "soft". Beide fassten dann drei Mal einen harten Reifensatz auf. Mit je drei Reifenwechseln widerlegten die beiden die Befürchtung, dass es unter der Saison einmal zu der Farce kommen könnte, ohne Reifen dazustehen. Barcelona ist eine der härtesten Rennstrecken für den Reifen. Es wird wohl je nach Strecke zwei oder drei Stopps geben.

Vettel legte gleich in der ersten fliegenden Runde los wie die Feuerwehr. 1.30,102 Minuten ist eine respektable Rundenzeit für ein vollgetanktes Auto. Der Champion maulte dennoch. "Mit 1.30er-Zeiten kommst du dir richtig langsam vor. Da bist du nicht mehr weit weg von der GP2." Michael Schumacher war bei seinem GP-Auftakt mit 1.30,456 Minuten nur drei Zehntel langsamer als der Red Bull-Pilot.

Probleme beim Boxenstopp von Red Bull

Vettel blieb zwölf Runden auf der Strecke, dann steuerte er zum ersten Mal seine Box an. Schumacher genehmigte sich zwei Runden mehr und bezahlte dafür. Während Vettels elfte Runde bei 1.32,564 Minuten lag, standen bei Schumachers 13. Runde 1.34,814 Minuten auf der Uhr. Was ganz klar zeigt, wie viel Zeit man verlieren kann, wenn man den Punkt überschreitet, an dem der Reifen einbricht.

Der erste Boxenstopp bei Vettel darf ihm im richtigen Rennen nicht passieren. Er dauerte 1.20,5 Minuten. Es gab ein Problem im Heck und irgendwann starb auch der Motor ab. Teamchef Christian Horner nimmt an, dass bei dieser Aktion der Auspuff vorgeschädigt wurde.

Rote Flaggen stoppen Vettel

Kaum hatte Vettel seinen ersten Satz harter Reifen drauf, stürmte er mit einer 1.29,816 Minuten-Runde los. Schumachers erster Umlauf im zweiten Turn dauerte mit 1.31,214 Minuten deutlich länger. Während der Mercedes-Pilot erneut 14 Runden am Stück abspulte, blieb Vettel in seinem zweiten Turn zwei Runden länger auf der Piste. Seine Reifen bauten dementsprechend stärker ab. Den Vergleich der letzten fliegenden Runde vor dem zweiten Boxenstopp gewann Vettel mit 1.32,145 Minuten gegen 1.33,076 Minuten. Das Delta zwischen dem Red Bull und dem Mercedes schrumpfte von 1,4 auf 0,9 Sekunden.

In der ersten Runde des dritten Turns brannte Vettel eine Zeit von 1.28,403 Minuten auf die Bahn. Schumacher begann mit 1.29,095 Minuten und stürzte innerhalb von 16 Runden auf 1.31,870 Minuten ab. Vettels dritter Rennabschnitt endete gewaltsam nach zehn Runden. Er hatte gerade eine 1.29,235 Minuten-Runde gefahren, da wurden die roten Flaggen geschwenkt.

Mercedes noch nicht unter den Top Ten

Als die Strecke wieder frei gegeben wurde stand er nach zwei Runden schon wieder vor seiner Box. Diesmal lag das Problem bei Red Bull. Der Auspuff hatte einen Riss. Vettels Grand Prix war nach 41 Runden zu Ende. Eine halbe Stunde später spulte Vettel die Restdistanz ab. Da die Rundenzeiten aber nur zwischen 1.28,122 und 1.30,492 Minuten lagen, muss man davon ausgehen, dass Red Bull wieder mehr Benzin in den Tank gefüllt hatte, um Nebel zu werfen. Schumachers Schlussturn lag zwischen 1.27,569 und 1.30,232 Minuten.

Mercedes-Rennleiter Norbert Haug relativierte den Vergleich: "Wir wissen, dass unser Auto im Moment noch nicht reif für die Top Ten ist. Aber wir waren auch dadurch gehandikapt, dass wir wegen Temperaturproblemen Löcher in die Verkleidung schneiden mussten. Und Nico fuhr ohne KERS. Da muss man dann schon einige Zehntel abziehen. Unser Plan ist so, dass wir mit unserem großen Aerodynamikpaket einen Großteil der Lücke schließen und das Auto gut genug für Podestplätze machen.

Ferrari nicht zu unterschätzen

"Fernando Alonso war zur gleichen Zeit wie Vettel und Rosberg 38 Runden lang auf der Strecke. In drei Portionen. Seine Zeiten lagen unter Vettels Werten. Was Red Bull-Teamchef Christian Horner leicht nervös machte: "Ich glaube, Fernando hat seine Turns jeweils auf frischen Reifen begonnen. Wir waren nur mit angefahrenen Reifen unterwegs. Das macht einen großen Unterschied aus." Williams-Technikchef Sam Michael dagegen glaubt: "Red Bull würde einen Fehler machen, Ferrari zu unterschätzen. Das Auto sieht verdammt schnell bei den Longruns aus."

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