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Barcelona-Streckenbegehung mit Hülkenberg

Circuit de Catalunya im Regen

Nico Hülkenberg Strecke Barcelona 2013 Foto: ams 140 Bilder

Nico Hülkenberg hat einen Tag frei. Sein Kollege Esteban Gutierrez sitzt im Sauber. Da bleibt Zeit für eine Streckenvisite mit auto motor und sport. Leider spielt das Wetter nicht mit. Hülkenberg gibt trotzdem interessante Eindrücke in das Rennfahren bei Regen.

28.02.2013 Michael Schmidt

Wir haben uns den falschen Tag und die falsche Zeit ausgesucht. Nico Hülkenberg, sein Renningenieur Marco Schüpbach und der auto motor und sport-Redakteur. Als wir uns zu einem Streckenbesuch aufmachen, ist es noch trocken. Dafür windig und kalt. Kaum sind wir an unseren ersten Standort oberhalb von Kurve 2 angekommen, beginnt es auch schon zu nieseln.

Der Regen wird während unserer Fahrt um die Strecke noch stärker werden. "So ein Sauwetter", flucht Hülkenberg. "Das erinnert mich an den Winterpokal in Kerpen." Go-Kart Kenner wissen, was gemeint ist. Bei diesem Rennen haben Michael Schumacher, Sebastian Vettel und Nico Hülkenberg schon in jungen Jahren ihr Können gezeigt.

Zehn Runden für die Ideallinie

Als wir auf unserem Beobachtungsposten oberhalb von Kurve 2 stehen, will Hülkenberg wissen: "Sieht das eigentlich für euch Nicht-Rennfahrer schnell aus, wenn da unten die Autos vorbeifahren?" Nicht wirklich, müssen wir zugeben. Die Distanz zur Strecke und die erhöhte Position killen den Speed.

Zum Studium der Autos taugen die rutschigen Verhältnisse auch nicht. "Da kannst du wenig sagen. Ich achte deshalb auf andere Dinge. Welche Linie fahren meine Kollegen, wie schalten sie, wo gehen sie aufs Gas? Wie gut die Traktion ist, kannst du hören." Es dauert, bis man im Regen die Ideallinie gefunden hat. "So zehn Runden brauchst du schon, bis du an jeder Stelle der Strecke den Teil der Straße gefunden hast, der den meisten Grip bietet", verrät Hülkenberg.

Auspuff provoziert Untersteuern

Er erklärt es gleich an einem Beispiel. In der schnellen Kurve 3 fährt Hülkenbergs Ex-Kollege Paul di Resta die Regenlinie. Also außen. Lewis Hamilton, Felipe Massa und Mark Webber ziehen durch den 200 km/h Rechtsbogen, als wäre es trocken. "Klar schneller", urteilt Hülkenberg.

Weiter fällt ihm auf: "Der Paul di Resta hält als einziger Fahrer den Kopf immer weit nach vorne. Er legt ihn gar nicht richtig in die Kurve, und er lehnt sich auch nicht an die Nackenstütze." Als Romain Grosjean im Lotus vorbeizieht, meint Hülkenberg: "Bei dem Lotus habe ich immer das Gefüühl, dass sich das Cockpit weiter vorne befindet als bei anderen Autos."

Einige Fahrer kommen in der Passage in Schwierigkeiten. Felipe Massa muss am Lenkrad zaubern, Paul di Resta dreht sich halb von der Strecke, kriegt aber gerade noch die Kurve. Hülkenberg meint zu Renningenieur Schüpbach: "Beim Beschleunigen wird das Anblasen des Diffusors zum echten Nachteil. Wenn der Auspuff bläst, kriegst du hinten extra Abtrieb und das Untersteuern, das du im Regen eh schon hast, wird noch schlimmer."

Webber und der Hubbel auf der Straße

Weiter geht es zu der Kurvenkombination 6 und 7. Ein enger Linksknick mit anschließender Bergauf-Rechtskurve. In beiden Fällen hängt die Strecke nach außen. Das erschwert die Traktion. "Lewis fährt immer noch die Trocken-Linie. Die bringt hier aber nichts", urteilt der Sauber-Pilot. Mark Webber und Valtteri Bottas hinterlassen den besten Eindruck. Ihre Autos beschleunigen ohne großen Schlupf sauber den Berg hinauf.

Beim ToroRosso von Jean-Eric Vergne drehen in jedem Gang die Räder durch. "Vergne fährt zu spitz auf den Scheitelpunkt zu", erkennt Hülkenberg. "Dadurch kommt er zwar gerade aus der Kurve raus, aber genau an der Stelle, wo die Straße nach außen kippt. Webber und Bottas fahren einen weiteren Bogen. Da ist mehr Grip. Webber macht das toll. Er bezieht einen kleinen Hubbel in der Mitte der Straße mit in seine Linie ein. Der zieht den Red Bull in die Kurve mit rein."

Du darfst nicht zu gierig reinfahren

Letzter Beobachtungsposten. Das Geschlängel vom Ende der Gegengeraden bis in die Zielkurve. Wir finden Unterschlupf in einem Streckenpostenhäuschen. Die beiden Helfer, die hier normalerweise Dienst tun, haben sich in ihr Auto verzogen um sich aufzuwärmen. "Eine technische Passage", erzählt Hülkenberg.

"Auch wenn die Scheitelpunkte weit auseinander liegen, musst du eine große Kurve daraus machen, speziell ab Kurve 12. In der Schikane kannst du dir eine Superrunde mit einem Fehler kaputtmachen. Wenn du zu gierig reinfährst, bleibt das linke Vorderrad stehen, und schon segelst du weg." Mark Webber biegt gerade in die Webber-Schikane ein. "Sieht alles sehr soft aus, was der Mark da macht", lobt Hülkenberg.

Hülkenbergs Fazit: Nur auf sich fokussieren

Wir haben genug gesehen. Im Fahrerlager frage ich Hülkenberg, wie sehr ihm das Wetter auf die Nerven geht. Er wird am Freitag auch noch einmal unter den Bedingungen testen müssen. Damit verstreicht wieder ein Tag, an dem man nichts über sein Auto oder die der Gegner lernt.

"Klar schaue ich auf die Rundenzeiten der anderen", antwortet Hülkenberg, "aber einen Kopf mache ich mir nicht. Es bringt auch nichts. Du musst dich auf dich konzentrieren, deine Stärken ausbauen, an den Schwächen arbeiten und darfst dich nicht verrückt machen lassen. So wie die Testerei in diesem Jahr läuft, werden wir erst im zweiten Freitagstraining in Melbourne wissen, wohin der Hase läuft. Im Moment weiß keiner genau Bescheid. Trotzdem wäre es wichtig, dass wenigstens die letzten beiden Tage trocken sind. Wir brauchen Kilometer um Daten zu sammeln. Und die Ingenieure brauchen Erkenntnisse für die Weiterentwicklung des Autos."

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