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BayernLB fordert 400 Millionen Dollar von Ecclestone

Ecclestone: "Wieso fällt ihnen das jetzt ein?"

Bernie Ecclestone  - Formel 1 - GP Indien - 25. Oktober 2012 Foto: xpb 41 Bilder

Die Bayerische Landesbank fordert von Bernie Ecclestone 400 Millionen Dollar Nachzahlung. Um diese Summe sieht sie sich geprellt, als Bernie Ecclestone 2005 die Formel 1-Beteiligung für 837 Millionen Dollar an CVC verscherbelte. Angeblich, weil sich BayernLB Vorstand Gerhard Gribkowsky bestechen ließ. Die Bank will einen Prozess gegen Ecclestone nicht mehr abwarten. Ist die Beweislage so dünn?

26.10.2012 Michael Schmidt

Der Fall Gribkowsky gegen Ecclestone wird immer absurder. Wir erinnern uns. Die Formel 1-Beteiligung der Bayerischen Landesbank wurde 2005 für 837 Millionen Dollar brutto an die Investmentgesellschaft CVC Capitals mit Sitz in Luxemburg verkauft. Bernie Ecclestone bekam für die Geschäftsanbahnung eine Provision von 66 Millionen Dollar. 44 Millionen davon flossen auf ein Konto auf den Cayman Islands, dessen Bezugsberechtigter das ehemalige BayernLB-Vorstandsmitglied Gerhard Gribkowsky war.

Gribkowsky platziert heimliches Beweisstück

Gribkowsky hatte vor dem Münchener Landgericht ausgesagt, bei der Zahlung habe es sich um Schmiergeld gehandelt, dafür dass der Verkauf möglichst geräuschlos und zu Ecclestones Konditionen über die Bühne gegangen sei. Ecclestone bestreitet dies. Seiner Version nach handelt es sich eher um Schweigegeld, weil Gribkowsky ihm damit gedroht habe, dass er Beweise in der Hand halte, der Formel 1-Chef habe verbotenerweise Kontrolle über die Schweizer Formel 1-Treuhand Bambino Trust gehabt, der die Formel 1-Beteiligung im Dezember 1987 überschrieben wurde. Ecclestone hätte demnach in England eine Milliardensumme an Steuern nachzahlen müssen.

Ein angebliches Beweisstück hatte Gribkowsky auf Ecclestones Schreibtisch heimlich deponiert. So jedenfalls steht es in Tom Bowers Ecclestone-Bigraphie "No Angel". Wer sich die Passage durchliest, gewinnt den starken Verdacht, dass sie nur Gribkowsky dem Autor erzählt haben kann, weil Ecclestone über einige Details der erzählten Anekdote gar nichts gewusst haben kann. Sie spielten sich nämlich in der Limousine ab, die Gribkowsky vom Princes Gate zum Londoner Flughafen Heathrow chauffierte. Schon hier stellt sich die Frage: War es nun Bestechung oder doch eine versteckte Erpressung? Und haben die Münchener Staatsanwälte Gribkowsky jemals über die in dem Buch erzählte Geschichte befragt? Und wenn ja, mit welchem Ergebnis?

So weit die Fakten. Nachdem das Münchener Landgericht Gribkowsky wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt hat, versucht sie auch Ecclestone als aktiven Part dieses strafrechtlich relevanten Teils an die Angel zu kriegen. Eifrig unterstützt von Gerhard Gribkowsky, der sich durch seine Kooperation mit dem Gericht offenbar eine Reduzierung seiner Haftstrafe verspricht. Die Auskunftfreudigkeit des Ex-Bankers nahm jedenfalls merklich zu, je näher der Prozess rückte. Und sie ist offenbar unter dem Eindruck der Haft weiter sprunghaft gestiegen.

Interessen der Landesbank entscheidend

Doch hier geht es schon lange nicht mehr nur um Ecclestone und Gribkowsky. Es geht vor allem auch um die Interessen der vermeintlich geprellten Landesbank und in der Nachfolge auch den Kirch-Erben, die durch den Kirch-Vertrauten Dieter Hahn vertreten werden. Sie könnten bei einer strafrechtlichen Verurteilung Ecclestones zivilrechtlich gegen den Paten der Formel 1 vorgehen. Wenn juristisch bewiesen ist, dass es sich um eine Bestechung gehandelt hat, dann haben die Geschädigten gute Erfolgsaussichten einen Nachschlag einzufordern.

In Gribkowskys Geschichte gibt es viele Ungereimtheiten, denen die Münchener Juristen offenbar wenig Beachtung schenken. Die beginnen damit, dass 44 Millionen Dollar viel Schmiergeld sind für einen Vorgang, der ohnehin passiert wäre. Die Bank musste verkaufen, und die 837 Millionen Dollar Kaufpreis waren zum damaligen Zeitpunkt ein gutes Geschäft, da die Automobilhersteller weiterhin drohten, eine Konkurrenzserie ins Leben rufen zu wollen.

"Die Bank hatte mir seinerzeit fünf mögliche Interessenten angeschleppt, aber keiner von ihnen wollte wirklich kaufen. Warum haben sie mir nicht von vornherein nicht gesagt, wieviel Geld sie für die Beteiligung mindestens haben wollen?", schüttelt Ecclestone sein ergrautes Haupt angesichts der jüngsten Entwicklungen. Man habe ihm damals beinahe auf Knien gedankt, dass er mit CVC einen seriösen Käufer aufgetan habe.

BayernLB wollte schnellen Abschluss

Bayerns Landesregierung hatte nämlich auf einen schnellen Abschluss gedrängt, weil sie sich vier Jahre zuvor mit der Zustimmung zu einem 1,08 Milliarden Euro-Kredit an die bereits schwächelnde Kirch-Gruppe eine Grube gegraben hatte, die schleunigst zugeschüttet werden musste. Der Verwaltungsrat der Bank, zu der damals auch einflussreiche Politiker wie Edmund Stoiber und Kurt Faltlhauser gehörten, hatte gegen die Bedenken der inneren Revision und der Bafin für die Kreditvergabe an Kirch gestimmt. Mit diesem Geld wurden unter anderem die Formel 1-Aktien gekauft. Beim Untergang des Kirch-Imperiums konnte man die Schlagzeilen schon ahnen: Regierung verschleudert Steuergelder für die Formel 1. Da musste eher gestern als heute gehandelt werden. Und da war den hohen Herren der Politik auch jede Kaufsumme recht, sonst hätte sich vor sieben Jahren schon jemand gemeldet.

Auch der damalige FIA-Präsident Max Mosley erinnert sich: "Es war das beste Angebot auf dem Tisch, und die Bank war happy. Bernie hat lange gesucht, bis er überhaupt einen gefunden hat." Einmal abgesehen davon, dass der Weltverband bei jedem Interessenten sein Vetorecht hätte geltend machen können, macht es aus Ecclestones Sicht wenig Sinn, für eine schlechtere Offerte Schmiergeld gezahlt zu haben. Sein Interesse war, dass der Preis so hoch wie möglich ausfiel, weil auch der Bambino Trust Anteile besitzt. Ein höherer Kaufpreis hätte den Wert dieser Aktien vergrößert. Es macht nach Ecclestones Aussage wenig Sinn, einen Mann für etwas bestechen zu wollen, was einerseits sowieso passiert wäre, was eigenen Interessen geschadet hätte, und was er im schlimmsten Fall im Zusammenspiel mit seinem Kompagnon Max Mosley über die sogenannte "Don-King-Klausel" jederzeit hätte verhindern können. Die FIA hatte das Recht, beliebig oft jeden Interessenten abzulehnen, wenn sie nachweisen hätte können, dass er dem Sport schadet.

Kirch-Erben auf der Lauer

Nicht nur die Bank verspricht sich von dem Fall einen späten Reibach. Auch die Kirch-Erben liegen auf der Lauer. Der Kirch-Konzern ließ sich bei seiner berühmten Klage gegen die Deutsche Bank von der Kanzlei des CSU-Politikers Peter Gauweiler vertreten. Gauweiler gehörte von 1990 bis 2002 dem Bayerischen Landtag an, also zu exakt der Zeit, als der von CSU-Pilotikern durchsetzte Verwaltungsrat den unseligen Kredit an Kirch genehmigte. In der Süddeutschen Zeitung wird das Bayerische Finanzministerium im Fall der Forderung der BayernLB an Ecclestone mit den Worten zitiert: "Die Landesbank handelt nur konsequent." Man sollte jetzt nicht eins und eins zusammenzählen. Oder doch? Politik, Bank, Anwaltskanzlei. Alles die gleichen Interessen? Ein Schuft, der Böses dabei denkt.

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