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Ferrari in der Krise

Podium außer Reichweite in Melbourne

Fernando Alonso - Ferrari - Formel 1-Test Barcelona - 4. März 2012 Foto: Daniel Reinhard 30 Bilder

Ferrari hat erstmals zugegeben, dass man den Top-Teams aktuell nur hinterherfährt. Technikchef Pat Fry erklärte, dass ein Podiumsplatz in Australien wohl nicht realistisch sei. Die Fahrer durften nichts sagen. Sie haben Redeverbot. Doch Fernando Alonso hielt sich nicht daran.

04.03.2012 Michael Schmidt

Bis zum Freitag (2.3.) durfte die Ferrari-Fangemeinde noch hoffen. Technikchef Pat Fry bilanzierte nach dem zweiten von vier Testtagen in Barcelona: "Wir fahren mit einer vernünftigen Form nach Melbourne." Die Rundenzeiten schienen den Eindruck zu bestätigen. Es gab Licht und Schatten. So wie auch am heutigen Sonntag. Auf extraweichen Reifen ist Fernando Alonso eine Zeit von 1:22.250 Minuten gefahren.

Ferrari auf Longruns zu langsam

Dafür aber machte sich nach den beiden Rennsimulationen am Freitag und Samstag Ernüchterung breit. Die Rundenzeiten sind teilweise schon nach fünf Runden dramatisch eingebrochen. Sauber, Force India und Toro Rosso hinterließen einen besseren Eindruck. Was lernen wir daraus? Auf eine Runde können die Fahrer die Defizite des Autos überspielen. Im Dauerlauf geht das nicht mehr.

Nach dem Testabschluss am Sonntag musste Fry zugeben, dass ein Podiumsplatz in Melbourne aktuell wohl außerhalb der Reichweite liegt. "Aber ich bin da auch immer etwas pessimistisch", lächelte der Brite gequält. "Ich bin enttäuscht von unserem aktuellen Leistungsstand. Wir haben noch viel Arbeit vor uns." Wo Ferrari in der Rangfolge im Moment genau steht, wollte und konnte der Ingenieur nicht verraten.

Die Fahrer durften die Krise nicht kommentieren. Am Samstag gab die Ferrari-Presseabteilung die Weisung aus, dass die Piloten bis zum Ende der Testfahrten nicht mehr sprechen dürfen. Sie sollten sich auf ihren Job konzentrieren. Haben sie das vorher nicht gemacht?

Der Verdacht liegt nahe, dass man Fernando Alonso und Felipe Massa von der Öffentlichkeit fernhalten will, weil ihre Körpersprache mehr sagen würde als ihre Worte. Alonso ist kein guter Schauspieler. Man sieht ihm an, wenn er sauer ist. Und er tut sich schwer damit, den Eindruck zu erwecken, das Auto sei gut, wenn in Wirklichkeit das Gegenteil zutrifft.

Und so war es auch nicht verwunderlich, dass der zweifache Weltmeister doch ein paar kritische Sätze ausspuckte. Bei einem Fußballspiel des FC Barcelona verriet er dem TV-Sender des Vereins, dass die Ferrari-Fans in den ersten Rennen wohl leiden werden. Das neue Auto sei leider nicht so stark wie Messi oder Iniesta.

Wird der Saisonauftakt zum Spießrutenlauf?

Das Redeverbot der Teamleitung hat noch mehr Öl ins Feuer gegossen als ohnehin schon im Spiel ist. Da wusste auch der Dümmste, dass Ferrari ein Problem hat. Die italienischen Zeitungen haben prompt in Katastrophenstimmung gemacht. Ferrari zu langsam, so der Tenor. Ihre Schlussfolgerung: Der Druck ist so groß geworden, dass jetzt die Fahrer nicht mehr sprechen dürfen.

Das ist das schlechteste, was Ferrari passieren kann. In keinem anderen Team spielen Stimmungen eine so gewichtige Rolle. Der Druck ist ohnehin schon immens, weil die Ingenieure immer noch dabei sind, dieses Auto zu entschlüsseln. Wenn jetzt die Medien noch in der Wunde bohren, wird die Krisenbewältigung für Ferrari zum Spießrutenlauf.

Beispiele für Ferrari-Pleiten gibt es genug. 1962 stürzte die Scuderia nach dem WM-Titel im Jahr zuvor auf Platz vier ab. Sechs Ingenieure und der Teammanager hatten den Rennstall nach einem Streit mit Enzo Ferrari verlassen. Auch 1967 reichte es nur zu Rang vier. Ein Sieg - Fehlanzeige.

Ferrari in gleicher Situation wie im Jahr 1980?

1969 folgte ein weiterer Tiefpunkt. Nur sieben Punkte auf dem Konto, Platz fünf in der Endabrechnung. Vier Jahre später erinnerte die Situation ein bisschen an heute. Ferrari hatte mit dem 312B3 ein revolutionäres Auto gebaut, das sich als Flop erwies. Auch der Nachfolger in abgespeckter Form war nur Mittelklasse. Damals wie heute waren englische Konstrukteure für das Auto verantwortlich.

Die schlechteste Saison erlebte Ferrari 1980. Wieder nach einem Titelgewinn. Jody Scheckter und Gilles Villeneuve sammelten nur acht Punkte. Ferrari landete auf Rang zehn in der WM-Wertung. 1992 versuchten es Harvey Postlethwaite und Jean-Claude Migeot mit einem Doppeldecker-Konzept. Ein Schlag ins Wasser. Jean Alesi und Ivan Capelli fuhren hinterher.

Ein Jahr später brachte die aktive Aufhängung Ingenieure und Fahrer zum Wahnsinn. Ferrari beherrschte die Technik nicht. Präsident Luca di Montezemolo betrieb erfolgreich Lobbyarbeit bei der FIA. Ein Jahr später waren die elektronischen Helferlein verboten. Diesmal hilft der beste Draht zur FIA nichts. Ferrari muss einfach nur ein besseres Auto bauen.

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