Webber GP Malaysia 2013 18 Bilder Zoom

Benzinmangel bei Webber: Spritprobleme auch bei Red Bull

Die Stallregie von Red Bull in Malaysia gibt weiter Rätsel auf. Sebastian Vettel und Mark Webber machten bei TV-Interviews nach dem Rennen mysteriöse Andeutungen, dass mehr hinter dem Nichtangriffspakt steckte. Wir haben erfahren, dass zumindest Mark Webber mit dem Benzinverbrauch Probleme hatte.

Die Wahrheit kommt in der Formel 1 meistens nur scheibchenweise ans Licht. Die Beteiligten beklagen sich, dass sie zu Unrecht kritisiert werden, wollen aber selbst zur Aufklärung nichts beitragen. Auch bei der Stallregie von Red Bull gab und gibt es immer noch Ungereimtheiten. Ganz offenbar steckt mehr dahinter als das, was uns Red Bull am Abend nach dem GP Malaysia sagen wollten.

Webber und Vettel machen Andeutungen

Oder wie soll man sonst einige Aussagen beim englischen TV-Sender Sky deuten? Mark Webber hatte damals zum Beispiel etwas kryptisch erklärt: "Viele glauben, alle Umstände zu kennen. Aber man kann nicht alles verstehen. Diese Geschichte wird einige Leute gehörig unter Druck setzen. Jetzt kann man die Uhr aber nicht mehr zurückdrehen. Das ganze Szenario ist dadurch für einige Personen etwas anspruchsvoller geworden."

Oder Sebastian Vettel, der direkt nach dem Rennen seine Sicht der Dinge folgendermaßen schilderte: "Ich möchte bei der Wahrheit bleiben: Ich war mir der Situation nicht bewusst, sonst wäre ich nicht so ein großes Risiko eingegangen. Sonst hätte ich nicht versucht, jemanden zu überholen, den ich in diesem Moment nicht hätte überholen sollen. Kurz vor dem Podium hat es ein kurzes Gespräch gegeben. Das war ein kleiner Schock für mich. Das ist nicht leicht für mich zuzugeben. Aber das ist die Wahrheit."

Horner hatte stets erklärt, dass Vettel im Auto über alle Umstände informiert wurde. Webber seinerseits wurde zwei Mal rückversichert, er werde vom Teamkollegen in der Schlussphase nicht angegriffen. Aus Sicht von Red Bull war die Stallregie auch nachvollziehbar. Webber und Vettel haben das Rennen kontrolliert. Die beiden Mercedes lagen zehn Sekunden zurück. Warum also beide Piloten aufeinanderhetzen? Teamchef Christian Horner und Technikdirektor Adrian Newey wollten dem Team 43 Punkte sichern.

Sie konnten mit einem Sieger Webber leben. Das ist ihr gutes Recht. Hätten sie Vettel und Webber aufeinander losgelassen, drohte das Risiko eines Unfalls. Was dann ja auch passiert ist, weil sich Vettel aus der Stallregie ausgeklinkt hat. Dass ein so umsichtiger Fahrer wie Vettel die mehrfache Aufforderung überhört oder falsch verstanden hat, ist auszuschließen. Es muss also noch andere Gründe geben, warum er sich dem Befehl widersetzt und die Dinge in seine Hand genommen hat.

Webber verbraucht mehr Sprit als Vettel

Der eine Grund ist sicher die Verärgerung darüber, dass er im Schlussduell gegen Webber mit den Reifen besser gerüstet war, diese aber nicht hätte nutzen dürfen. Der Medium-Reifen lieferte bei den überraschend gesunkenen Temperaturen mehr Grip und er hielt auch noch länger als die harte Option, auf der Webber unterwegs war. Vettel hatte sich extra einen Satz dieser Medium-Reifen im Training aufgespart.

Wie auto motor und sport erfuhr, entschied sich der Kommandostand aber nicht nur aus Angst vor einer Kollision für den Befehl, Webber gewinnen zu lassen. Offenbar hatte Webber in den ersten 42 Runden deutlich mehr Sprit verbraucht als Vettel und lag bereits im Minus. Also ein ähnliches Problem wie bei Mercedes. Dazu muss man wissen, dass Vettel im Verlauf des Rennens zwölf Runden lang im Windschatten fahren und zu einem Teil auch DRS benutzen konnte. Webber dagegen musste fast ständig an der Spitze Tempo machen.

Vettel holt Zeit in zwei Sektoren auf

Hätte Red Bull das Rennen freigegeben, hätte der Australier also noch mit einem zweiten Handikap gegen Vettel gekämpft. In der Hitze des Gefechts hätte nicht nur ein Unfall gedroht, sondern auch das Problem, dass Webber der Sprit ausgegangen wäre. Deshalb wurde er auch gebeten alle Systeme auf Schongang herunterzufahren und die Motordrehzahl zurückzuschrauben.

Webber ging aufgrund des Befehls "Multi 21" - Auto Nummer 2 vor Auto Nummer 1 - natürlich davon aus, dass die gleichen Befehle für seinen Teamkollegen gelten. Der aber scherte sich um nichts und holte in zwei Runden einen Rückstand von 4,2 Sekunden auf. Einen Teil des Rückstands machte er in seiner Runde in die Box gut. Exakt 0,915 Sekunden.

Den großen Rest holte sich Vettel in seiner ersten Runde mit den frischen Reifen nach dem Boxenstopp. Die sind gut versteckt und in der so genannten Renn-Historie erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Der erste Sektor ist durch die Standzeit in der Box maskiert. Doch im zweiten und dritten Streckensektor flog Vettel und holte sich über zwei Sekunden zurück - obwohl ihn der Befehl zum Langsamfahren laut Red Bull angeblich schon erreicht hatte.

Michael Schmidt
Von am 5. April 2013
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