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Bernie Ecclestone sauer

"Diese Motoren zerstören die Formel 1"

Jean Todt & Bernie Ecclestone - GP Bahrain 2016 Foto: sutton-images.com 41 Bilder

Bernie Ecclestone hatte in Bahrain eine Gruppe von Journalisten eingeladen. Auch auto motor und sport war dabei. Der Formel 1-Boss sprach über die aktuelle Lage in der Königsklasse. Wir haben seine besten Sprüche zusammengetragen.

05.04.2016 Michael Schmidt

Zu Sebastian Vettels Spruch, die Formel plane an ihren Fans vorbei:

"Wissen wir, ob alle Schokoladen-Eis wollen? Wir haben es mit Vanille versucht. Wenn die Fans das nicht wollen, dann kriegen sie eben Schokolade."

Über seinen Favoriten beim Qualifikationsformat:

"Ich hätte am liebsten das alte Qualifikationsformat gehabt. Und dann den Fahrern abhängig von ihrem Startplatz Strafsekunden gegeben. Wir hatten 20 bis 30 neue Ideen seit wir das neue System eingeführt haben. Und jeder glaubt, seine eigene Idee ist gut."

Über den Grund, das Qualifikationsformat zu ändern:

"Warum machen wir das? Um das Rennen unberechenbar zu machen. Wir haben gehofft, dass ein paar von den Hotshoes das Q2 nicht überleben. Was war so gut an Melbourne? Dass Lewis nur auf Platz 6 weggekommen ist und sich nach vorne kämpfen musste."

Über die Gefahr, Teams bei den Regeln mit entscheiden zu lassen:

"Wenn ich ein Team hätte, das nichts zu verlieren hat, würde ich jeder neuen Regel zustimmen. Mercedes will am liebsten gar nichts ändern. Die beiden großen Teams kaufen sich Stimmen. Ihr Druckmittel sind die Motoren. Wenn nicht pünktlich bezahlt wird, gibt es keine Motoren. Außer man stimmt so ab, wie es der Hersteller will."

Über den Abstimmungsprozess:

"Wir zahlen der FIA 40 Millionen im Jahr, damit wir die Strategiegruppe einführen konnten. Die Idee davon war, dass diese Gruppe mit Ideen rüberkommen sollte. Die gehen dann zur Formel 1-Kommission. Die kann das entweder ablehnen oder akzeptieren. Und die Kommission ist leider so zusammengesetzt, dass schon 8 Stimmen ausreichen, und adios. Die Hersteller kriegen diese Stimmen zusammen. Die FIA und ich haben dort nur jeweils eine Stimme."

Über den Unterschied zum Fußball:

"Unser System kann nicht funktionieren. Stellen sie sich das beim Fußball vor. Der eine will ein großes Tor, der andere ein kleines. Vielleicht kommen dann noch ein paar Spieler mit ihren Wünschen daher. Im Fußball gibt es nur einen, der entscheidet."

Über Diktatur und Demokratie:

"Einstimmigkeit geht nur mit einer Diktatur. Demokratie funktioniert nicht. Es ist unmöglich Teilnehmer zu einer einstimmigen Entscheidung zu bringen. Sie machen, das was ihnen nutzt. Deshalb ist jedes Meeting mit mehr als zwei Leuten ein Problem. Der Ursprung dieses Systems liegt im ersten Concorde Abkommen. Es wurde aus der Taufe gehoben, um Frieden zwischen den Teams, der FIA und den Rechteinhabern zu schaffen. Seitdem halten wir daran fest. Die Welt um uns herum ändert sich, aber wir ändern uns nicht mit. Die FIA sollte die Regeln schreiben und sie den Teams präsentieren. Nach dem Motto: Das sind die Regeln, und wem sie nicht gefallen, bleibt zuhause. Wir sollten die Teams nicht nach ihrer Meinung fragen. Es gibt nur eine einzige Frage, die sie beantworten müssen: Wollt ihr teilnehmen oder nicht."

Über die Mercedes-Dominanz:

"Wir haben die Probleme, weil Mercedes 34 Rennen in den letzten zwei Jahren gewonnen hat, viele davon im Doppelpack. Gäbe es einen offenen Kampf zwischen Mercedes und Ferrari würde sich keiner beschweren. Man könnte sogar mit einem überlegenen Team leben, wenn sich die Fahrer bekriegen wie damals bei McLaren. Wenn wir nichts an den Regeln ändern, gewinnt Mercedes bis 2020. Das macht mir Sorgen."

Über seine Kritik am eigenen Produkt:

"Man hat mich geschlachtet dafür, dass ich gesagt habe, ich würde mir kein Formel 1-Ticket kaufen. Warum sollte ich das tun, wenn ich weiß, wer Erster und Zweiter wird? Tut mir leid, aber das ist im Augenblick meine Meinung. Und die Wahrheit tut manchmal weh. Komisch ist, dass man bei den Siegesserien von Ferrari und Red Bull nie das Gefühl hatte, sie würden die Formel 1 dominieren. Aber Mercedes ist so überlegen, dass sie aus der ersten Startreihe starten und in dieser Reihenfolge auch ins Ziel fahren. Ferrari ist nur einigermaßen dran, weil ihnen Mercedes geholfen hat. Aber nur so viel, wie es Mercedes gefallen hat. Es macht sich besser, Ferrari zu schlagen als Force India."

Über die Hybridtechnologie:

"Es war die Idee von Max (Mosley) diese Hybrid-Monster einzuführen in der Hoffnung, dass dann mehr Hersteller anbeißen. Ich habe zu ihm gesagt: Lass uns erst die Hersteller fragen, ob sie wirklich kommen würden. Der Fehler war, es umgekehrt zu tun. Erst die Motoren einführen, dann hoffen, dass Hersteller anbeißen. Honda wäre auch so gekommen. Dafür hatten wir diese Motoren nicht gebraucht. Es war von Anfang an abzusehen, dass diese Motoren zu teuer werden. Die Fans haben diese Motoren nie geliebt. Meiner Meinung nach zerstören diese Motoren die Formel 1. Ich will Max nicht die ganze Schuld geben. Als er sich das ausgedacht hatte, konnte er nicht ahnen, dass die Technik so komplex werden würde. Er hatte einfachere Motoren im Kopf."

Über Grand Prix in Bahrain, am Nürburgring in Monza und Las Vegas:

"Bahrain bleibt die nächsten 7 Jahre. Monza hat den Vertrag vorliegen. Ich habe ihnen sogar meinen Stift gegeben und ihnen gezeigt, wo sie unterschreiben sollen. Jetzt müssen wir abwarten. Eine Frist? Die ist schon längst abgelaufen. Den Stift haben sie mir schon zurückgegeben. Vegas hat auch einen Vertrag vorliegen. Nürburgring? Ich glaube, dass die neuen Besitzer kein Interesse an einem Grand Prix haben. Hätten sie mich die Strecke kaufen lassen, wäre der Grand Prix dort für immer gewesen."

Über die negative Berichterstattung:

"Ich habe in Melbourne nur schlechte Presse gelesen. Dabei war das Rennen super. Aber alle haben nur über die Qualifikation geredet, die schon längst vorbei war."

Über die Revolte der Fahrer:

"Was wollen die Fahrer? Sie haben nie einen Dollar in den Sport gesteckt. Wenn du mit ihnen zum Abendessen gehst, zahlen sie nicht mal die Rechnung. Sie sollten nicht mitreden dürfen. Sie sollen sich ins Auto setzen und fahren."

Seine Vision für die Formel 1:

"Wir müssen etwas mit diesen Motoren machen. Sonst gehen wir kaputt. Sollte jemand zu Mercedes aufschließen, werden sie viel Geld investieren, um wieder wegzuziehen. Das treibt die Kosten weiter nach oben. Wann war die Formel 1 gut? Als die Großteil der Teams Cosworth-Motoren gefahren sind. Was uns killt, ist die Chance, dass einer einen uneinholbaren Vorsprung haben kann. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, das zu stoppen: Wir versuchen die Power zu beschränken, so dass die anderen aufschließen können. Oder wir unterscheiden zwischen Herstellern und Teams. Die sollen mit ihren Hybrid-Dingern fahren, der Rest mit Motoren, die man für 7,5 Millionen Dollar kaufen kann. Wir stellen dann sicher, dass diese Motoren konkurrenzfähig sind. Dann hätten alle Teams ungefähr die gleiche Power."

Über den Vorwurf, die Rechteinhaber denken nur an ihr eigenes Geld:

"Wir zahlen am Ende des Jahres an alle Teams fast eine Milliarde Dollar aus. Wenn ich ein Promoter wäre, würde ich mir von den Teilnehmern eine bessere Performance dafür wünschen. Stellen Sie sich vor, sie laden für viel Geld die Rolling Stones ein, und Mick Jagger würde nicht singen. Das würden ihnen nicht gefallen."

Über FIA-Präsident Jean Todt:

"Jean ist ein guter Präsident. Er will, dass jeder happy ist. Das Problem ist, dass dies sehr schwierig ist."

Über einen möglichen Nachfolger für ihn selbst:

"Ich plane nicht, in den nächsten 30 oder 40 Jahren abzutreten. Das Problem ist, dass jeder, den ich heute als meinen Nachfolger aussuche, zu alt sein wird an dem Tag, an dem ich abtrete."

Über die vielen Regeländerungen in der Formel 1:

"Wenn wir in den letzten Jahren nicht so oft die Regeln geändert hätten, hätten wir heute nicht die Probleme, die wir haben."

Über die Beschwerde bei der EU-Kommission:

"Die EU-Kommission beginnt sich etwas mehr für die Formel 1 zu interessieren und ob die Wettbewerbsgesetze eingehalten werden. Wenn sie wirklich daran zweifelt, wäre das ein Weg den Vertrag vor 2020 zu zerreissen. Wir sind mit ihnen in Diskussionen."

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