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Bernie Ecclestone im Exklusiv-Interview

Piratenserie unmöglich zu organisieren

Bernie Ecclestone Foto: dpa 26 Bilder

Formel 1-Chef Bernie Ecclestone könnte der letzte Rettungsanker im Formel 1-Streit sein. Eine Spaltung würde den Wert der Aktie Formel 1 dramatisch schmälern. auto-motor-und-sport.de sprach exklusiv mit dem 78-jährigen Engländer über Piratenserien, Ferrari und die FIA.

15.06.2009 Michael Schmidt

Können Sie den gordischen Knoten im Formel 1-Streit lösen?
Ecclestone: Keine Ahnung. Ich versuche es.

Wo liegt das Problem?
Ecclestone: Flavio Briatore will eine neue Serie gründen und dort alles bestimmen. Luca di Montezemolo hat ein Problem mit dem Präsidenten der FIA. Bei John Howett (Anm.: Teamchef von Toyota) frage ich mich: Wo kommt er her, wo will er hin? Ich glaube, er weiß es selbst nicht genau. Alle anderen wünschten sich, dass der Spuk endlich aufhört, und dass sie sich wieder auf den Sport konzentrieren können.

Ist die FOTA eine Provokation für Max Mosley?
Ecclestone: Und wenn schon. Was sich hier abspielt, ist völlig unnötig. Wir machen etwas kaputt, was gut lief. Der Schaden ist riesig. Und das ist umso trauriger, weil es zu nichts führen wird.

Was wird bis zum nächsten Freitag passieren?
Ecclestone: Nicht viel, fürchte ich. Die Dinge nehmen ihren Lauf. Es wird weiter viel geredet werden und sich wenig bewegen. Ich hätte wirklich Aktien eines Mineralwasser-Herstellers kaufen sollen. Was in den letzten Monaten bei den ganzen Treffen an Wasser getrunken wurde, das muss ein riesiges Geschäft sein.

Beide Parteien wollen das gleiche, nämlich Kosten reduzieren. Warum kann man sich nicht einigen?
Ecclestone: Weil es nicht um die Sache, sondern um die Macht geht.

Kommt Ihnen das Szenario bekann vor?
Ecclestone: Ich erlebe es seit 35 Jahren. Mit anderen Leuten in anderer Verpackung.

Die FIA will ein Budgetlimit, die FOTA eine Beschränkung der Ressourcen. Wo stehen Sie?
Ecclestone: Max hat die Leute aufgeweckt. Das musste sein. Er hat ihnen klar gemacht, dass es nicht notwendig ist, soviel Geld auszugeben, wie sie in all den Jahren ausgegeben haben. Irgendwann werden sie es begreifen und merken, dass sich am Sport überhaupt nichts ändert. Es war ein Teufelskreis, aus dem wir ausbrechen müssen. Die Budgets haben sich gegenseitig hochgeschaukelt.

Ist der kommende Freitag die letzte Frist?
Ecclestone: Auf jeden Fall.

Und was passiert, wenn man sich nicht einigt?
Ecclestone: Die Teams, die sich einschreiben wollten, aber noch nicht akzeptiert wurden, werden vermutlich nachrücken. Und die anderen werden tun, was sie tun wollen.

Wie steht es mit Ferrari, Red Bull und Toro Rosso? Können die sich der Formel 1 verweigern?
Ecclestone: Es würde sie teuer zu stehen kommen, wenn sie es täten. Wir haben unsere Verträge immer erfüllt, und ich erwarte von Ihnen, dass sie das auch tun.

Ferrari behauptet, dass die FIA ihren Vertrag zuerst gebrochen hätte.
Ecclestone: Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Wir haben einen eigenen Vertrag mit Ferrari. Ihre Nennung wurde akzeptiert, und wir wollen, dass sie bei uns fahren.

Welche Chancen geben Sie einer Piratenserie?
Ecclestone: Ich würde mir nicht wünschen, sie auf die Beine stellen zu müssen.

Warum?
Ecclestone: Weil es unmöglich ist. Sie würden eine ziemlich lange Zeit kaum Geld generieren, da wir die Verträge mit den Strecken und den TV-Anstalten haben. Von dem was noch übrigbleibt, kriegen sie maximal 15 Prozent dessen, was sie jetzt bekommen. Und glauben Sie wirklich, dass die Vorstände der Autokonzerne da mitspielen? Stellen Sie sich vor, Sie gehen zu ihrem Vorstand und erzählen ihm: Ich brauche Geld, um meine Autos an den Start zu bringen. Und dann brauche ich noch einmal das gleiche, um eine neue Serie zum Laufen zu bringen? Die Vorstände haben gar nicht die Zeit, die Hintergründe dessen zu durchleuchten, was sich gerade abspielt. Sie erhalten Berichte von denen, die in ihrem eigenen Interesse handeln.

Wie groß ist der Wertverlust für die Formel 1, wenn die Teams mit den großen Namen nicht dabei sind?
Ecclestone: Im ersten Jahr wäre es sich ein Verlust. Aber das darf nicht überbewertet werden. Nehmen Sie das Beispiel Honda. Die heißen jetzt Brawn GP. Wer redet heute noch von Honda? Der Star der Szene ist Brawn GP. Über die wird im Augenblick mehr gesprochen als über Ferrari, und das soll jetzt keine Abwertung von Ferrari sein. Es ist einfach Fakt. Wir mögen Ferrari, und wir wollen sie nicht verlieren, wie wir genauso wenig die anderen Hersteller verlieren wollen.

Namen spielen aber eine Rolle.
Ecclestone: Die Formel 1 ist als Marke größer als jedes Team und jeder Fahrer. Auch wenn Max und ich gegangen sind, wird es die Formel 1 weiter geben.

Welche Probleme sehen Sie noch für eine Piratenserie?
Ecclestone: Was tun Sie, wenn es unterschiedliche Meinungen zu einem technischen Detail gibt? Entweder sie treffen die falsche Entscheidung oder eine, die einem Teil der Truppe nicht gefällt. Ich war der Erste, der KERS kritisiert hat. Alle bis auf BMW wollten auf KERS verzichten. Man hat sich dem einen zuliebe für KERS entschieden und viel Geld verbrannt. Oder denken Sie an den Diffusorstreit. Die anderen Teams wollten Brawn GP stoppen. Was machen sie, wenn sie das selbst entscheiden müssen? Wir leben leider nicht mehr in der Zeit vor 30 Jahren, als noch die Vernunft regierte. Ich möchte nur noch einmal an das Staubsauger-Auto meines Teams Brabham erinnern. Das Auto war dem Buchstaben des Gesetztes nach absolut legal. Die anderen Teams aber drängten mich, das Projekt einzustellen, weil sie sonst auch alle hätten ein Staubsauger-Auto bauen müssen. Das habe ich dann auch getan. Ich habe mir damit im Team selbst keine Freunde gemacht, aber es war wichtig für den Sport. Diese Technologie hätte die Formel 1 zur damaligen Zeit zerstören können. So haben wir die Formel 1 aufgebaut, zu dem gemacht, was sie heute ist. Heute sehe ich nur eine sinnlose Konfrontation.

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