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Bernie Ecclestone im Interview

"Ich wollte diese Motoren nicht"

Bernie Ecclestone 2013 Foto: xpb 41 Bilder

Bernie Ecclestone hat sich beim GP Malaysia erstmals den neuen Formel 1-Sound aus der Nähe angehört. Im Gespräch mit auto motor und sport erklärt der Formel 1-Boss, was ihm daran nicht gefällt und warum er sein eigenes Produkt schlecht redet.

28.03.2014 Michael Schmidt
Sie haben jetzt zum ersten Mal die neuen Formel 1-Motoren gehört. Wie finden Sie den Sound?

Ecclestone: Besser, als ich dachte. Es ist ein Lärm. Ich glaube aber nicht, dass es die Form von Lärm ist, den man mit der Formel 1 in Verbindung bringt. Er ist nicht aggressiv genug. Eher ein Sound, der mich an Sportwagen erinnert. Nur die Zeit wird zeigen, ob die Leute den Lärm akzeptieren oder sich daran gewöhnen werden.

Wäre es nicht ein Armutszeugnis für die Formel 1, wenn alles am Sound hängt?

Ecclestone: Natürlich wäre es das. Wir verkaufen ein Paket, nicht nur Lärm. Aber der Lärm ist ein bedeutender Bestandteil dieses Pakets. Warum schauen sich die Leute ein Formel 1-Rennen an? Weil sie die besondere Atmosphäre erleben wollen. Und der Lärm gehört da dazu.

Sie reden Ihr eigenes Produkt schlecht. Warum?

Ecclestone: Darf ich Sie daran erinnern, dass dies nicht mein Produkt ist. Ich wollte diese Motoren nicht. Deshalb kann man mich auch nicht dafür verantwortlich machen. Sollte diese Formel eines Tages funktionieren und alle happy sein, dann werde ich mir den Erfolg auch nicht am meine Fahnen heften.

Warum waren Sie gegen diese Motoren?

Ecclestone: Weil es für mich keinen Grund gab, die Motoren zu ändern. Seit drei Jahren reden wir über Kostenreduzierung. Was ist jetzt passiert? Diese Motoren kosten die Teams ein Vermögen. Und wo ist der positive Aspekt? Ich sehe keinen.

Können diese Motoren lauter gemacht werden?

Ecclestone: Ich zweifle daran, weiß es aber auch nicht genau. Die gleiche Frage habe ich Ferrari-Rennleiter Stefano Domenicali gestellt. Er wusste es auch nicht und will seine Ingenieure fragen. Doch die hätten sich diese Frage vor drei Jahren stellen sollen.

Haben Sie Angst, dass Ihnen Veranstalter abspringen, weil sie Zuschauereinbußen fürchten?

Ecclestone: Ich habe hier Herrn Ong Beng Seng, den Promoter des GP Singapur getroffen. Er hat mir gesagt, dass er das Rennen nicht mehr austragen kann, wenn ihm signifikant Zuschauer abspringen. Ron Walker in Australien hat die gleichen Befürchtungen. Und der Veranstalter in den USA ist auch nicht happy.

Der Besuch war in Australien nicht so schlecht?

Ecclestone: Weil die Tickets zum Großteil schon letztes Jahr verkauft wurden. Australien hat aber festgestellt, dass an der Tageskasse fast nichts ging. Kein Interesse. Hier in Malaysia macht uns ein anderer Fall zu schaffen. Das Land liegt wegen des verschwundenen Flugzeugs in einer Depression. Verständlich, dass weniger Leute Lust auf Autorennen haben.

Glauben Sie wirklich daran, dass die Formel 1 zu den V8-Motoren zurückkehren könnte?

Ecclestone: Technisch wäre es sicher kein Problem. Aber die Hersteller, die viel Geld investiert haben, müssten zugeben, einen Fehler gemacht zu haben. Und Honda könnte nicht fahren, weil sie keinen V8 haben.

Geben Sie Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz Recht, dass die Formel 1 nichts mit Benzinsparen und Lärmbeschränkung zu tun hat und einfach puren Motorsport bieten sollte?

Ecclestone: Ich finde, er hat Recht. Fragen Sie mal die Leute auf der Tribüne, ob sie wissen welche Motoren genau in den Autos stecken. Ich zweifle, dass da einer genau Bescheid weiß. Es interessiert sie nicht.

Emerson Fittipaldi sagt, dass die Formel 1 den Weg der Zeit gehen muss. Weniger Spritverbrauch, weniger Lärm.

Ecclestone: Emerson hat nicht den Überblick, das zu beurteilen. Wenn es nur ums Spritsparen geht, sollten nur noch die Hälfte aller Motorhomes an die Strecke kommen. Da wäre schon viel erreicht.

Sie sind ein Aktionär des Formel 1-Geschäfts. Haben Sie nicht Angst, dass Ihre Kritik den Wert der Aktien verringert?

Ecclestone: Ich bin nicht happy mit dem, was wir haben. Das sage ich auch so. Warum haben wir denn diese Regeln? Weil sie von Ingenieuren geschrieben wurden. Da kann nichts dabei rauskommen. Sie sollten Ihre Energie für virtuelle Rennen auf der Playstation austoben. Verstehen Sie mich nicht falsch. Diese Motoren sind ein wunderbares Stück Ingenieurskunst. Aber ich glaube nicht, dass es das ist, was der Sport braucht. Vielleicht liege ich falsch. Eigentlich hoffe ich, dass alle anderen Recht haben und ich nicht.

Wie stark ist die Meinung von Herrn Mateschitz dadurch beeinflusst, dass sein Team nicht gewinnt?

Ecclestone: Das hat damit nichts zu tun. Er ist ein Racer. Vergessen Sie nicht, dass er gleichzeitig auch der Veranstalter des GP Österreich ist und sich deshalb berechtigte Sorgen macht.

Trauen Sie ihm zu, dass er seine Drohung auszusteigen ernst macht?

Ecclestone: Ich würde nicht darauf wetten, dass er es nicht macht.

Seine Drohung erinnert an Enzo Ferrari, der vor 40 Jahren auch immer dann mit Ausstieg drohte, wenn ihm etwas nicht gepasst hat?

Ecclestone: Herr Mateschitz ist reich und mächtig und unabhängig genug, das zu entscheiden, was er will.

Ist es nicht einfacher das Formel 1-Geschäft zu verkaufen, wenn der Preis fällt, und könnte dann Herr Mateschitz daran interessiert sein, die Formel 1 zu kaufen?

Ecclestone: Keine Ahnung. Vielleicht will er vorher den Preis drücken um das zu tun.

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