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Bernie Ecclestone feiert 80. Geburtstag

80 Jahre und kein bisschen müde

Bernie Ecclestone Foto: xpb 41 Bilder

Bernie Ecclestone feierte am Donnerstag (28.10.) Geburtstag. Nicht irgendeinen, sondern einen Runden. 80 Jahre wurde der kleine Mann aus London, der so wenig von sich preisgibt. auto-motor-und-sport.de stellt Ihnen den unumstrittenen "Mister Formel 1" genauer vor.

27.10.2010 Michael Schmidt

Was wissen wir von Charles Bernard Ecclestone? Dass er am 28. Oktober 1930 in Ipswich geboren wurde, wie es in Wikipedia nachzulesen ist? Nicht einmal das ist hundertprozentig sicher. Der Geburtstag stimmt wohl, aber das Alter? Bernie hat lange auf die Frage nach seinem Alter nur mit einem Augenzwickern geantwortet: "Ich bin acht Jahre älter als meine Schwester." Offiziell jedenfalls feiert er am Donnerstag einen runden Geburtstag. Zeit auf ein Leben zurückzublicken, in dem es viele Lücken gibt.

Bernie Ecclestone hat wohl schon immer gekauft und verkauft. Erst Kartoffeln, die er in Kriegszeiten auf dem Acker ausgegraben hat, dann Schulmaterial, später Motorräder, Autos und Immobilien. Wie viele Häuser und Grundstücke ihm gehören, ist nicht bekannt. Manche scherzen, der halbe Immobilienbestand Londons sei irgendwann einmal durch seine Hände gegangen.

Bernie Ecclestone sammelt Häuser, Autos und Formel 1-Rennen

Bernie Ecclestone kauft Häuser wie andere Briefmarken. Als das Hotel Olden in Gstaad auf dem Markt war, war das eine Sekundenentscheidung. Einfach so, weil er in Gstaad auch ein Chalet für den Winter hat und er es gut fand, am gleichen Ort ein Hotel zu besitzen. In Spa ärgerte er sich einmal über ein Restaurant am Streckenrand. Die Besucher konnten dort gratis dem Renngeschehen zuschauen. Der Besitzer hatte finanzielle Probleme. Für Ecclestone das Kommando zuzuschlagen.

Bernie Ecclestone besaß auch lange eine der größten Autosammlungen der Welt. Die Straßenautos ließ er versteigern. An den Rennautos hängt noch sein Herz. Zu Gesicht bekamen das exklusive Automuseum bislang nur ganz wenige. Selbst den meisten Angestellten auf seinem Flugplatz Biggin Hill im Süden von London ist der Zutritt in die heiligen Hallen verwehrt.
 
Wie viele Grand Prix Bernie Ecclestone gesehen hat, weiß er nicht. "Ich habe sie nie gezählt. Beim ersten, 1950 in Silverstone, war ich auf jeden Fall dabei. Ich fuhr in einem der Rahmenrennen mit. Wir schliefen im Auto. Hotels gab es keine." Feinsinniger Nachsatz: "Fast so wie heute." Als Rennfahrer war der mächtigste Mann im Motorsport nur Mitläufer. Auffällig wurde er nur durch einen spektakulären Unfall in Brands Hatch. "Ich fand schnell heraus, dass ich ein besserer Geschäftsmann als Rennfahrer bin."

Bernie Ecclestone gehört seit Anbeginn zur Formel 1-Szene

Zu Beginn der 50er Jahren gehört Bernie Ecclestone zum weiteren Umfeld der Formel 1. "Ich mochte einfach Motorsport. Die Szene gefiel mir." 1957 gibt es dann den ersten direkten Bezug. Ecclestone kauft den maroden Connaught-Rennstall, damit sein Freund Stuart Lewis-Evans etwas zum Fahren hatte. Und auch er selbst. Während Ecclestone an der Qualifikation zum GP Monaco scheitert, kommt Lewis-Evans 1958 zu dem Top-Team Vanwall. "Er war ein kommender Weltmeister", ist Ecclestone überzeugt. Beim GP Marokko 1958 stirbt Lewis-Evans. Und mit dem Tod des Freundes erlischt auch das Feuer in Ecclestone.

In den 60er Jahren sieht man ihn hin und wieder an der Seite von Rennfahrern, zuerst Roy Salvadori, dann Jochen Rindt. Er berät und managt sie, allerdings nicht nach heutigen Maßstäben. "Es waren Freundschaften, kein Angestelltenverhältnis." Mit Rindt wird die Bindung zur Formel 1 wieder stärker. Als der Österreicher bei Lotus fährt, mischt sich Ecclestone auch in die Belange des Teams ein. "Wenn Jochen mal wieder die Autos zu unsicher schienen, schickte er Bernie vor, um bei Colin Chapman zu intervenieren", erinnert sich Herbie Blash, damals Mechaniker und heute Assistent des FIA-Rennleiters Charlie Whiting. "Bernie hat zu Colin auch immer wieder gesagt, dass er uns Mechaniker zu hart arbeiten lässt. Uns fehlte ständig Schlaf, und da war natürlich die Gefahr groß, das wir Fehler machen würden."

Ecclestone-Schützling Jochen Rindt stirbt in Monza

Mit dem tödlichen Unfall von Jochen Rindt hat Bernie Ecclestone ein Déjà Vue. Die Umstände erinnern ihn an die Geschichte von Stuart Lewis-Evans: "In beiden Fällen hat die Rettung völlig versagt. Beide könnten noch leben, wären sie professioneller versorgt worden." Diesmal zieht sich Ecclestone aber nicht vom Rennsport zurück. Er hatte mit Rindt den Aufbau eines Formel 2-Teams begonnen und Blut geleckt. Als Brabham Ende 1971 zum Verkauf steht, nimmt Bernie die lächerliche Summe von 100.000 Pfund in die Hand und wird über Nacht zum Teamchef.

Unter seiner Führung gewinnt der Rennstall 1981 und 1983 die Weltmeisterschaft. Schon damals lässt sich erkennen, wie Bernie Ecclestone tickt. Lange bevor Ron Dennis für seinen Perfektionismus bekannt wurde, führte der Teamchef von Brabham neue Standards in Bezug auf die Optik ein. In keiner Box sah es so aufgeräumt aus. Kein Lastwagen stand so sauber im Fahrerlager wie der Brabham-Truck. Kein anderes Rennauto dieser Zeit war so proper vorbereitet. Auch der Chef passte sich diesem Bild an. Ecclestones Dienstuniform war von Beginn an dunkelgraue Hose und weißes Hemd.

Teamchefs überlassen Bernie Ecclestone das Verhandeln

1988 verkauft er das Team an Alfa Romeo. Mit Gewinn, davon kann man ausgehen. Mittlerweile ist Bernie Ecclestone längst zum großen Zampano der Formel 1 aufgestiegen. Nicht, dass er sich darum gedrängt hätte. Die anderen Teamchefs merken, dass Bernie beim Verhandeln der Startgelder mit den Veranstaltern und den Rechten mit den TV-Anstalten mehr Geschick hat als sie selbst. Und weil es für sie lukrativ ist, lassen sie ihn gewähren.

Am Anfang kostete das Formel 1-Feld knapp 200.000 Dollar. Heute sind es bis zu 45 Millionen. Ecclestone resümiert: "Wir haben einen Clubsport auf Weltniveau gebracht." Beim Dealen bewies er stets seine Schlitzohrigkeit, auf der Rennstrecke Diplomatie. Er wusste, dass er seine Sonderstellung riskieren würde, hätte er sie zu seinem Vorteil genutzt. Als Brabham 1978 die Konkurrenz mit seinem Staubsauger überraschte, bei dem sein Technikchef Gordon Murray das Reglement ein wenig großzügig ausgelegt hatte, da hagelte es von allen Seiten Proteste. Niki Lauda gewann den GP Schweden. Danach zog Bernie Ecclestone das Auto zurück.

Ecclestone muss sich an neue Zeiten anpassen

Es war die Zeit der Gentleman-Entscheidungen. "Leute wie Colin Chapman, Enzo Ferrari oder Ken Tyrrell gibt es heute nicht mehr", bedauert die graue Eminenz. "Heute hat jeder nur seinen eigenen Vorteil im Kopf. Keiner blickt über den Tellerrand hinaus. Deshalb ist es so schwer zu Entscheidungen zu kommen. Es wird oft stundenlang debattiert, ohne zu einem Ergebnis zu kommen." Als Ecclestone nur noch Formel 1-Chef war, konnte er seine Taktik ändern. Da musste er auf Einzelschicksale nicht mehr Rücksicht nehmen.

Zusammen mit seinem Kumpel Max Mosley führte er die Formel 1 fast nach Gutsherrenart. Er stellte es aber immer so schlau an, dass die Teamchefs nichts davon merkten. Eine altbewährte Taktik, selbst Starrköpfe auf Linie zu bekommen: Drohe ihnen mit dem Schlimmsten, so dass sie das Zweitschlimmste schon wieder als angenehm empfinden.

Bernie Ecclestone gewinnt wichtige Auseinandersetzungen

Es kam in der inoffiziellen Amtszeit von Bernie Ecclestone und Max Mosley zu vielen Scharmützeln und drei großen Kriegen. Einmal legten sich die beiden mit dem Weltverband an, dann mit den Herstellern und zuletzt mit den Teams. Zwischen 1980 und 1982 drohte der Formel 1 eine Aufspaltung in zwei Serien. Eine, die der FIA und den Herstellern nahestanden, die mit ihren Turbomotoren die Kosten auf eine neue Ebene trieben. Die andere mit den Garagisten, die sich gegen die Invasion der Autofirmen mit ihrem Erfahrungsvorsprung beim Chassisbau schützen wollten.

Der ganze Streit entzündete sich an den beweglichen Schürzen, mit denen die Flügelautos zur Straße hin seitlich abgedichtet wurden. Die FIA wollte sie verbieten, die Garagisten wollten sie behalten. Am Ende kam es zu einem Kompromiss, der im ersten Concorde Abkommen mündete. Darin steht genau, wie das Zusammenleben zwischen FIA, Teams und Rechteinhabern zu funktionieren hat.

Position Ecclestones stärker denn je

Der zweite Krieg schwelte zwischen 2001 und 2006. Die Hersteller träumten von einer eigenen Serie, weil Bernie Ecclestone den Teams von seinen Einnahmen zu wenig übrigließ, und weil die FIA mit ihrem Präsidenten Mosley scheinbar nach Gutdünken alle paar Monate das Reglement änderte. Ohnmächtig sahen die Hersteller zu, wie ihnen zwei ältere Herren über etwas Vorschriften machten, das sie fälschlicherweise als ihr Eigentum betrachteten. Max und Bernie gingen als Sieger aus dieser Schlacht hervor.

2009 gingen die Teams auf die Barrikaden. Im Prinzip aus dem gleichen Grund. Aufhänger waren Max Mosleys Sparpläne und Ecclestones Weigerung, den Teams mehr vom Kuchen abzugeben. Mosley stolperte über den Krach, Ecclestone ist immer noch da, und zwar stärker denn je. Auch wenn sie hinter vorgehaltener Hand über ihn schimpfen, ihn für die 20 Rennen im Jahr und die Auswahl der neue Schauplätze verfluchen, so nehmen sie doch gerne das Geld, das er auch in der Finanzkrise noch aufgetrieben hat. Insgeheim wissen sie, dass es keiner von ihnen auch nur annähernd so gut könnte.

Neue Länder auf der Formel 1-Landkarte

Das große Geld kommt heute nicht mehr aus Zandvoort, vom A1-Ring oder aus Magny-Cours. Die neuen Destinationen heißen Shanghai, Abu Dhabi und Korea. Und demnächst kommen Delhi, Austin und Sotschi dazu. Alles keine Rennsport-Eldorados, aber grimmig entschlossen, für die Formel 1-Roadshow jenseits von 35 Millionen Dollar auszugeben.

Genau genommen ist Bernie Ecclestone gar nicht mehr der Chef des Grand Prix-Zirkus. 1999 hat er damit begonnen, das Geschäft zu verkaufen. Es ging durch viele Hände, von Morgan Grenfell bis Kirch, bevor es 2006 bei CVC Capital Partners landete. Für Bernie ein Milliardengeschäft. Aber auch der Zwang immer neue GP-Schauplätze mit immer zahlungskräftigeren Veranstaltern finden zu müssen.

So schnell wie möglich so viel Geld wie möglich

CVC hat die Formel 1 auf Pump gekauft und das Geschäft obendrein auch noch über angeblich 2,4 Milliarden Dollar beliehen. Die Rückzahlung der Kredite einerseits, der Wunsch der Teams bei der 2012 anstehenden Ratifizierung des Concorde Abkommens 75 statt 50 Prozent der Einnahmen zu kassieren andererseits, verpflichtet Chefmakler Ecclestone, so schnell wie möglich so viel Geld wie möglich zu generieren. Oder einen neuen Interessenten zu finden, der CVC das Geschäft samt deren Schuldentitel abkauft. Angeblich ist Goldgräber Bernie wieder mal fündig geworden. Man erzählt sich, die nächsten Besitzer der Formel 1 könnten in Abu Dhabi sitzen.

80 Jahre machen den Mann mit der mittlerweile weiß gewordenen Pilzkopffrisur kein bisschen müde. Bernie Ecclestone spielt auf mehreren Spieltischen gleichzeitig, und der Erfolg gibt ihm Recht. Trotz der großen Nummern, die er abzieht erinnert er sich gerne an die alte Zeit, als das Leben im Fahrerlager noch entspannter war. Konflikte wurden damals spontan gelöst. Ecclestone hatte einmal mit McLaren-Teamchef Teddy Mayer einen Disput über die Legalität des McLaren-Frontflügels. "Weil er auf den Flügel nicht verzichten wollte, bin ich einfach draufgesprungen, bis er kaputt war."

Ecclestone bei Senna-Beerdigung unerwünscht

Als Michele Alboreto ihm in Dallas 1984 vorwarf, er würde Rennfahrerleben auf dem Gewissen haben, wenn er einen Grand Prix auf einer Strecke mit aufbrechendem Asphalt zuließe, da antwortete Bernie ganz ruhig: "Es ist besser, du fährst nicht mit. Ich will nicht dein Mörder sein." Alboreto ist natürlich gefahren. Als Ayrton Senna 1994 in Imola starb, und Ecclestone das Begräbnis in Sao Paulo besuchen wollte, da verbot ihm die Senna-Familie zu kommen. Bernie schaute sich das Ereignis verbittert im Fernseher an: "Ich war ein echter Freund von Ayrton. Einige von den Herrschaften, die da am Grab standen, waren es auf keinen Fall."

Seinen Geburtstag will er im kleinen Kreis verbringen, weil ihm große Feiern oder gar große Ansprachen ein Gräuel sind. "Ich werde mit meinen Töchtern feiern, das reicht mir." Sebastian Vettel hat ihm zum Spaß eine Gehhilfe geschenkt. Humor kommt bei dem Engländer an. Einmal sah er in Spa auf dem Weg zum Hotel eine Gruppe holländische Fans an einem riesigen Plakat hantieren, auf dem stand: "Weg mit Ecclestone." Als der damit Angesprochene seinen Fahrer halten ließ und ausstieg, rollte die Gruppe die Leinwand hastig zusammen - um dann mit Verwunderung zu hören: "Sagt mir, wo ihr das Ding aufhängt, damit es morgen auch im Fernsehen kommt."

Einzige Niederlage: Trennung von Slavica

Inzwischen kann er auch über die Scheidung mit seiner Ex-Frau Slavica lachen, obwohl ihn die Trennung eine ganze Stange Geld gekostet hat. Mittlerweile begleitet ihn Fabiana, eine Brasilianerin und rund 50 Jahre jünger als er. Irgendjemand hat ihn mal gefragt, was er einst auf seinem Grabstein lesen möchte. Ecclestones Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: "Schreibt einfach drauf: Er hat einen guten Job gemacht."

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