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Bernie Ecclestone vor Gericht

Warum die Formel 1-Aktie mehr wert war

Bernie Ecclestone GP Singapur 2013 Foto: xpb 41 Bilder

Für Bernie Ecclestone hat die erste Runde eines Gerichtsmarathons begonnen. Seit der ersten November-Woche steht der Formel 1-Chef in London im Anklagestand. Grund: Er soll die Formel 1 zu billig an CVC verkauft haben. Die Argumentation der vermeintlich geprellten Constantin Medien ist jedoch äußerst fragwürdig.

13.11.2013 Michael Schmidt

Eine Woche nach seinem 83. Geburtstag begann für Bernie Ecclestone die schwierigste Schlacht seiner Karriere. Der Formel 1-Chef steht in London vor Gericht. Und das ist vielleicht nur die Vorstufe zu einer möglichen Klage des Münchener Landgerichts wegen mutmaßlicher Bestechung.

Prinzipiell hängen beide Fälle zusammen. In London geht es aber nur am Rande um die unterstellte Bestechung des früheren Landesbank-Vorstands Gerhard Gribkowsky, sondern einfach um den Vorwurf, Ecclestone habe 2006 die Formel 1-Anteile absichtlich zu billig an CVC Capitals verkauft. Der Kaufpreis betrug damals je nach Sichtweise zwischen 814 und 831 Millionen Dollar.

Politiker befürworteten Formel 1-Kredit

Constantin Medien gehörte seinerzeit zur Kirch-Gruppe und verwaltete deren Anteil am Formel 1-Geschäft. Der betrug 2003 stolze 75 Prozent. Die letzte Put-Option über 25 Prozent musste der damals schon recht klamme Kirch-Konzern über Kredite finanzieren lassen, darunter 1,08 Milliarden Dollar von der Bayerischen Landesbank (BLB).
 
Besagter Kredit war trotz Widerstand der internen Revision und der Bafin gewährt worden, weil der Verwaltungsrat der Bank, in dem auch Mitglieder der CSU geführten Bayerischen Landesregierung saßen, ihn ausdrücklich befürwortet hatten.

10 Prozent bei Kaufpreis über 1,1 Milliarden

Nachdem die Kirch-Gruppe in immer größere Nöte geriet, nahm sich die Landesbank die Formel 1-Beteiligung als Sicherheit. Die Leitung der Bank gab Gribkowsky den Auftrag, die Anteile so schnell wie möglich zu versilbern.
 
Constantin Medien hatte sich jedoch eine Klausel zusichern lassen. Sollte der Kaufpreis über 1,1 Millarden Dollar liegen, also in etwa der Höhe des erhaltenen Kredits, würde sie 10 Prozent davon bekommen. Deshalb betreibt das deutsche Medienunternehmen in London eine Klage gegen Ecclestone über 171 Millionen Dollar Schadensersatz. Sie fühlt sich von dem Formel 1-Zaren übers Ohr gehauen.

Bestechung oder Schweigegeld?

Im Dezember 2005 meldete CVC den Kauf der Anteile. Der endgültige Vertrag wurde am 31. März 2006 unterschrieben. Constantin Medien behauptet nun, Ecclestone habe die Anteile wissentlich zu billig abgetreten, möglicherweise im Zusammenspiel mit dem Banker Gribkowsky, der nach Meinung der Münchener Staatsanwaltschaft dafür die Provision von 44 Millionen Dollar erhalten haben soll.
 
Ecclestone wiederum behauptet, bei der gezahlten Summe handele es sich um "Schweigegeld". Gribkowsky wollte ihn seinerzeit damit erpressen, Kontrolle über den Schweizer Bambino Trust zu haben, in den 1999 die Formel 1-Anteile steuerfrei übertragen wurden. Hätte Gribkowsky Beweise dafür vorlegen können, wäre Ecclestone in England steuerpflichtig geworden. Es ging dabei um rund eine Milliarde Dollar.

Wertzuwachs der Formel 1-Aktie in einem halben Jahr

Echte Beweise, dass der Kaufpreis zu niedrig war, gibt es noch nicht. Nur eine Indizienkette, die allerdings äußerst schwach erscheint. Constantin Medien behauptet, dass CVC sich im November 2006 einen Kredit bei der Royal Bank of Scotland und Lehman Brothers über 2,9 Milliarden Dollar besorgt habe, und zwar mit dem Formel 1-Geschäft als Sicherheit. Dabei sei der Wert deutlich höher taxiert worden als beim Kauf der Aktien ein halbes Jahr zuvor.
 
Deshalb müsse man daraus schließen, man habe beim Kauf den Wert der Anteile absichtlich klein gerechnet. Der Finanzinvestor Bluewaters Communications behauptet zwar, er hätte seinerzeit ein Angebot gemacht, dass 10 Prozent über jeden Konkurrenzgebot gelegen hätte, doch Ecclestone hatte gegenüber auto motor und sport Anfang diesen Jahres erklärt: "Das Angebot von Bluewaters lag unter dem von CVC."

Im Mai 2006 ging Hersteller-Serie baden

Die Argumentation von Constantin Medien hat einen entscheidenden Haken. Im März 2006 stand immer noch eine Hersteller-Serie als Damoklesschwert über der Königsklasse. Erst als Renault als zweiter Hersteller nach Ferrari Anfang Mai 2006 aus der Front der Automobilkonzerne ausscherte, wurde eine Serie der Hersteller offiziell zu Grabe getragen. Das war Ende Mai. Also nach dem Kauf.
 
Mit dem Wegfall der Bedrohung einer Konkurrenzserie stieg logischerweise auch der Wert der Formel 1-Aktie rasant an. Besagte Wertfeststellung für den 2,9 Milliarden-Kredit von CVC fand erst im November des gleichen Jahres statt.

Warum schauen Gerichte weg?

Es ist schon komisch, wie wenig die Gerichte, egal ob in London oder München, den Ablauf der damaligen Ereignisse und das Umfeld der Formel 1 berücksichtigen. So wurde nie richtig die Tatsache erörtert, dass der Weltverband jeden Interessenten, den ihnen Ecclestone angeschleppt hätte, ablehnen konnte. Hätte es damals einen unseriösen Investor gegeben, der zwei Milliarden geboten hätte, wäre der sowieso nie zum Zug gekommen.
 
Und es taucht auch nirgendwo in dem Münchener Prozess gegen Gribkowsky auf, dass die Bayerische Landsbank unter gehörigem Druck stand, die Anteile zu verkaufen. Ein Druck, der von jenen Politikern ausgeübt wurde, die seinerzeit den fragwürdigen Kredit an die Kirch-Gruppe genehmigt hatten. Die hätten sich sonst nämlich fragen lassen müssen, wie eine Landesbank mit Steuermitteln einem angeschlagenen Unternehmen Geld zum Kauf von Formel 1-Aktien zur Verfügung stellen konnte.
 
Diese Grube, in die Herren wie Edmund Stoiber oder Kurt Faltlhauser hätten fallen können, musste so schnell wie möglich zugeschüttet werden. Deshalb waren viele der beteiligten Herren gottfroh, dass die Beteiligung 2006 zum Preis von 831 Millionen Dollar verkauft wurde. Er hat sie vor einem handfesten Skandal bewahrt.

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