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Bernie Ecclestone

Streitfrage: Was ist ein Konstrukteur?

Timo Glock GP Italien Monza 2011 Foto: Virgin 63 Bilder

Bernie Ecclestone trommelte am Freitag (28.10.) vor dem GP Indien die Teamchefs zu einer Sitzung zusammen, die länger dauerte als erwartet. Es ging um die Frage: Was ist ein Konstrukteur und was nicht? Einige Teams prangerten an, dass Toro Rosso zu viel Hilfe von Red Bull und Force India und Virgin zu viel Unterstützung von McLaren bekämen.

30.10.2011 Michael Schmidt

Joint Ventures kommen in der Formel 1 in Mode. Die freiwillige Selbstbeschränkung der Ressourcen bringt den großen Teams Fremdaufträge. Sie wollen ihr Personal nicht abbauen und haben eine Infrastruktur, die für einen größeren Aufwand konzipiert wurde. Da die Windkanäle in der Formel 1 maximal 60 Stunden pro Woche genutzt werden dürfen, werden freie Kapazitäten oder Zweitanlagen vermietet.

Zusammenarbeit der Teams weitet sich aus

Hispania hat sich seit Juli bei Mercedes eingenistet und kauft das Getriebe von Williams. Lotus zieht schrittweise von Aerolab in Bologna zu Williams in Grove um. Das Getriebe kommt von Red Bull. Im nächsten Jahr auch das Kers. Im Sauber-Windkanal entstand die Aerodynamik des Le Mans-Siegerautos von Audi. Toyota kann sich vor Anfragen kaum retten. Selbst McLaren und Ferrari hatten in Köln Windkanalzeit gebucht.

Allianzen kleiner Teams mit großen machen Schule. Force India machte 2009 dank der Zusamenarbeit mit McLaren einen Sprung aus dem Tabellenkeller ins Mittelfeld. Virgin folgt jetzt diesem Beispiel und geht in den Bereichen Windkanal und Simulation eine Zusammenarbeit mit McLaren ein. Im Oktober ging es mit ersten Simulastorstunden los. Außerdem stellt McLaren zehn Ingenieure ab. Die Hilfe aus Woking kostet zehn Millionen Euro. Das Geld kommt vom russischen Teilhaber Marussia.

Profitiert Toro Rosso zu stark von Red Bull?

Zuletzt monierten Sauber und Force India hinter vorgehaltener Hand, dass Toro Rosso bei den jüngsten Entwicklungsstufen Bruderhilfe von Red Bull erhalten habe. Der Auspuff und Diffusor erinnere zu stark an eine ältere Version am Red Bull RB7. Toro Rosso machte damit eine Sekunde gut.

Der Fortschritt kann für Force India und Sauber gravierende finanzielle Folgen haben. Zwischen Platz sechs und acht liegen neun Millionen Dollar Differenz, die Bernie Ecclestone an die Teams in Abhängigkeit von ihrer Platzierung im Konstrukteurspokal ausschüttet. Hispania hat Angst, dass Virgin im nächsten Jahr mit dem McLaren-Support unschlagbar sein wird.

Bernie Ecclestone rief an seinem 81. Geburtstag eine Sitzung mit allen Teamchefs im Fahrerlager von Delhi ein. Thema: Was ist ein Konstrukteur, und was nicht? Und soll man dritte Autos zulassen, wie es sich Ferrari und auch Red Bull wünschen? McLaren und Mercedes sind strikt gegen die Lösung mit einem dritten Auto und auch gegen Kundenteams. "Wenn Red Bull, Ferrari, McLaren und Mercedes jeweils ein drittes Auto an den Start bringen, bleibt für den Rest nicht viel übrig", rechnet McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh vor.

Genau davor haben auch die Teams aus dem Mittel- und Hinterfeld Angst. Luca di Montezemolos Lieblingsidee ist einfach nicht gut durchdacht. Man stelle sich Ferrari in dieser Saison vor. Da wären bei drei Autos pro Team oft nur die Plätze sieben, acht und neun geblieben. Whitmarsh bellt: "Wir werden Kundenautos nie unsere Zustimmung geben. Das ist gegen den Geist der Formel 1."

"Geschäftsmodell im Rahmen der Regeln"

Den Vorwurf, die McLaren-Partner Force India und Virgin würden die Vorschriften eines Konstrukteurs nicht erfüllen, kann Whitmarsh nicht nachvollziehen. "Unser Abkommen mit Force India wurde von der FIA und der FOM abgesegnet. Es ist eine Zusammenarbeit in Teilbereichen, in denen Fremdleistungen erlaubt sind." Force India bezieht aus Woking das Getriebe und die Hydraulik.

Virgin nutzt hauptsächlich die Infrastruktur von McLaren. Die zehn Ingenieure, die McLaren abstellt, arbeiten exklusiv für den Partner. Es gibt keine Regel, die es einem untersagt, bestimmte Aufgaben an ein externes Konstruktionsbüro abzugeben. Es ist nur verboten, Fahrzeug-Komponenten von einem anderen Team zu übernehmen.

Die maximale Höhe von Fremdleistungen ist im Kostenreduzierungsplan festgelegt. Nach dem ursprünglichen Dokument wäre das für die Saison 2011 die Summe von 20 Millionen Euro. Whitmarsh verteidigt auch den Vertrag mit Virgin: "Für uns ist das ein Geschäftsmodell im Rahmen der Regeln."

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