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Beste Aerodynamik ein Fluch

Red Bull überholt besser als Mercedes

Lewis Hamilton - GP Bahrain 2016 Foto: sutton-images.com 33 Bilder

Das schnellste Auto im Feld ist nicht unbedingt das beste Auto zum Überholen. Für Mercedes wird die effizienteste Aerodynamik zum Fluch. Der Red Bull ist trotz Power-Defizit das gutmütigere Auto für Überholmanöver. Weil er in den Turbulenzen weniger Abtrieb verliert.

11.04.2016 Michael Schmidt

Über zu wenig Überholmanöver können sich die Formel 1-Fans bei den ersten beiden Grand Prix wirklich nicht beklagen. Nach der Statistik der Website "Clip the Apex" wurde beim GP Australien 37 Mal und in Bahrain 84 Mal überholt. Einer der eifrigsten Überholer im Feld ist Daniel Ricciardo. Der Red Bull-Pilot gewann in Melbourne 5 und in Bahrain 7 Positionen auf der Rennstrecke.

Lewis Hamilton hat normalerweise nicht so viele Chance, seine Qualitäten als Überholer zu zeigen. In der Regel fährt der zweifache Weltmeister an der Spitze des Feldes. Doch in diesem Jahr meinte es das Renngeschehen nicht so gut mit dem Mercedes-Piloten. In Melbourne war Hamilton nach der Startrunde Sechster, in Bahrain sogar nur Siebter. Genug Gelegenheiten, sich nach vorne zu kämpfen.

Ricciardo gewinnt 12:7 gegen Hamilton

Doch im Vergleich zu Ricciardo tat sich Hamilton schwer in seiner Spezialdisziplin. In Melbourne schaffte Hamilton nur 2 Überholmanöver. In Bahrain waren es immerhin 5. Dabei hat sein Mercedes-Motor deutlich mehr Power als Ricciardos Renault-Sechszylinder. Und in der Regel sind auch die Topspeeds der Mercedes besser als die von Red Bull. In Bahrain fuhren beide mit beschädigten Autos. Also auch hier kein Vorteil für Ricciardo.

Hamilton klagte schon in Melbourne, dass er Mühe hatte, dicht auf das vorausfahrende Auto aufzuschließen. Wenn er es doch probierte, setzte jener verhängnisvolle Domino-Effekt ein, der das Überholen so schwierig macht. Das nachfolgende Auto verliert Abtrieb, beginnt zu rutschen und die Reifen werden zu heiß. Da die Pirelli-Reifen empfindlich auf Hitze reagieren, hält der Hintermann lieber Abstand. Ansonsten schafft er es nicht bis zum nächsten Boxenstopp nach Plan.

Verhängnisvoller Domino-Effekt

Hamilton führte ein anschauliches Beispiel an, in welchem Dilemma der Fahrer steckt: "Es ist so als hätte ich 100 Pfund in der Tasche, die ich über eine Renndistanz ausgeben kann. Wenn ich in Australien mit aller Macht probiere, an den Toro Rosso vor mir vorbeizukommen, dann schaffe ich das vielleicht, aber nur zu dem Preis, dass ich in Bezug auf die Reifen schon 90 Pfund investiert habe. Also bleibe ich lieber im Budget."

Doch warum kann dann Ricciardo in einem Auto mit weniger PS unter der Motorabdeckung leichter überholen? Die Antwort liegt im aerodynamischen Konzept. Der Mercedes W07 generiert den meisten Abtrieb. Er ist für einen Plan gebaut: Start aus der ersten Reihe, und dann an der Spitze flüchten. Da muss man sich ums Überholen nicht kümmern. Red Bull verfolgte zwischen 2010 und 2013 die gleiche Philosophie. Und hatte im Verkehr die gleichen Probleme wie Mercedes heute.

Newey setzte auf aerodynamische Qualität

Die Aerodynamik des Mercedes gerät schnell aus dem Gleichgewicht, wenn die Luft, die auf das Auto trifft, verwirbelt ist. Man muss sich nur den extrem komplizierten Frontflügel und die aufwendig gefächerten Leitbleche anschauen, um zu ahnen was passiert, wenn dort die Luft nicht so ankommt wie im Windkanal.

Der Red Bull RB12 ist ein völlig anderes Auto. Simpel, schnörkellos, ohne aerodynamische Auswüchse. Eigentlich gar keine Newey-Konstruktion. Doch Adrian Newey wusste, dass er kein Auto haben würde, mit dem er das Rennen von der Spitze weg bestimmen kann. Er musste ein Fahrzeug bauen, das gut im Verkehr ist. Eines mit der größtmöglichen aerodynamischen Stabilität. Dafür schenkt der Red Bull beim Anpressdruck in der Spitze etwas her. Und es funktioniert. Die Red Bull-Piloten können im Windschatten dicht aufschließen, ohne dass der RB12 gleich aus der Bahn gerät.

Hamilton denkt, dass sich der Nachteil des Mercedes aufhebt. "Ich glaube sowieso nicht, dass wir im Verkehr viel schlechter sind als die Konkurrenz. Ein gutes Auto hat immer mehr zu verlieren als ein schlechtes. Aber durch unsere ausgefeilte Aerodynamik produzieren wir auch mehr Turbulenzen als andere. Und für die wird es dann schwerer hinter uns her zufahren."

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