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Besuch bei Haas Racing

Im September steht die F1-Fabrik

Haas Racing - Windshear Windkanal Foto: Haas 12 Bilder

In den USA laufen die Vorbereitungen für das Formel 1-Projekt von Gene Haas auf Hochtouren. Die Zeit drängt. Die 200-Mann-Truppe befindet sich im Aufbau. Im September soll die Fabrik in Mooresville fertig sein. auto motor und sport hat das Haas-Team in North Carolina besucht.

19.05.2014 Michael Schmidt

In Europa wird über das neue Formel 1-Team aus den USA noch wenig gesprochen. Es gehört zu der Arroganz in diesem Geschäft, dass man im Fahrerlager bestenfalls zu hören bekommt: Wieder so ein Spinner, der auf den Mount Everest ohne Sauerstoffgerät will.
 
In den USA bekommt das Projekt von Gene Haas dagegen langsam eine Eigendynamik. Obwohl die Amerikaner mit der Formel 1 wenig zu tun haben. Schon gar nicht in dem Teil des Landes, in dem die neue Formel 1-Fabrik entsteht. Mooresville in North Carolina ist tiefstes Nascar-Land.

Der künftige Teamchef Guenther Steiner macht trotzdem ein wachsendes Interesse der Yankees an einem Sport aus, den sie nur vom Hörensagen kennen. "Der Amerikaner ist eben so. Solange keiner aus dem eigenen Land etwas macht, interessiert es ihn auch nicht. Kaum engagiert sich einer, fiebern alle mit."

60 Nascar-Autos für vier Fahrer

Noch sieht man am Kannapolis Parkway in Mooresville im Norden von Charlotte nur eine riesige Baustelle. Gleich neben der Fabrik für das Stewart-Haas Nascar Team. Dort bauen 280 Angestellte 60 Nascar-Autos für Danica Patrick, Tony Stewart, Kurt Busch und Kevin Harvick auf. Der Umschlag an Autos ist so groß, weil die Serie jedes Wochenende rennt. Und dazwischen auch noch Testfahrten stattfindet.
 
Stewart-Haas hat in Amerikas wichtigster Rennserie schnell erkannt, worauf es ankommt. Konzentriere dich auf das Wesentliche. "Die Motoren und das Chassis kaufen wir bei Hendrick Motorsports ein. Da werden wir bestens bedient. Wir haben uns auf die Aerodynamik spezialisiert. Die ist in der Nascar-Serie zwar streng reglementiert, aber es gibt immer noch ein paar Spielräume, die man uns lässt. Zum Beispiel die Strömung unter dem Auto. Wir haben allein zehn Aerodynamiker, die das optimieren", erzählt Rennleiter Joe Custer.

200 Leute sollen bei Haas Racing für die Formel 1 arbeiten

Die Nascar-Werkshalle erinnert an die Fabriken der besten Formel 1-Teams. Von der Größe, der Funktionalität, der Ausstattung und der Sauberkeit. Man könnte vom Boden essen, obwohl die Rennbasis im Zentrum der Fabrik vollgestopft ist mit Rennautos, die entweder zerlegt oder wieder aufgebaut werden. Gleich daneben entsteht eine Kopie. Die gleiche Fassade, die gleiche Größe, ein ähnlicher Aufbau. Hier soll einmal die Formel 1 wohnen. Jedenfalls der Teil, der das Auto konzipiert und über den Winter aufbaut.

Für die Vorbereitung der Autos während der Saison sucht Haas Racing noch ein Basislager in England. Es wäre zu zeitraubend und teuer, die Autos immer über den großen Teich zu schicken. 200 Angestellte sollen für den Anfang bei dem neuen Formel 1-Rennstall arbeiten.
 
Haas will so viel outsourcen, wie es das Reglement erlaubt. Der Partner soll nicht nur Motoren und Getriebe liefern, sondern auch alle Komponenten, die man nicht selbst konstruieren und bauen muss. Das Reglement soll diesbezüglich in Zukunft noch mehr Freiräume liefern.
 
Wer sich mit Haas verbündet, soll am Ende dieses Monats feststehen. Viel spricht dafür, dass es Ferrari ist. Maranello wollte schon immer ein Kundenteam, am liebsten in seinem Kernmarkt USA. Und Mercedes hat bereits angedeutet, dass man keinen Komplett-Service anbieten könne. "Bei uns geht nur Motor und Getriebe", bedauert Niki Lauda.

Windshear-Windkanal wird umgebaut

Nur für das Chassis muss sich Haas eine Sonderlösung einfallen lassen. Es wird nach Zeichnungen des Haas-Konstruktionsbüros bei Dallara gebaut. Dallara wird auch am Anfang mit dem Windkanal aushelfen müssen. Und das, obwohl Gene Haas, der König der CNC-Maschinen, mit Windshear den besten Windkanal der Welt besitzt. Zehn Autominuten von der Rennfabrik entfernt.
 
Er ist der einzige, der Tests mit einem Auto in Originalgröße bei Windgeschwindigkeiten von 290 km/h auf einem rollenden Band erlaubt. Mit dem ganzen Programm, das man so braucht. Eingeschlagene Räder, unterschiedliche Bodenfreiheiten, Schräganstellung.

Der Kanal ist fast immer ausgebucht. Jede Sekunde kostet einen Dollar. Minimum ist eine Zehnstunden-Schicht. Der Windkanal ist so gebaut, dass vier Kunden gleichzeitig ihre Autos in separaten Boxen für den Test vorbereiten können. Über eine Schleuse geht es in die Mess-Sektion. Die Kunden wissen nichts voneinander. Alles bleibt geheim. Auch Formel 1-Teams sind darunter.
 
Das F1-Reglement gestattet aber nur drei Tests mit dem Auto im 1:1-Format im Jahr. Deshalb kann Haas zunächst von seinem Schmuckstück kaum profitieren. Derzeit beschäftigen sich Architekten damit, wie sie in die Mess-Sektion eine spezielle Vorrichtung einschieben kann, die Tests mit 60-Prozent-Modellen erlaubt. Dieses Projekt, für das 14 Monate veranschlagt werden, kostet rund fünf Millionen Dollar.

Haas ist ein amerikanischer Mateschitz

Gene Haas ist ein im positiven Sinne Verrückter. Ein amerikanischer Dietrich Mateschitz, wenn auch nicht ganz so reich. Ein Motorsportfan durch und durch. Er will mit seinen CNC-Maschinen den internationalen Markt erobern und kämpft dabei vor allem gegen die asiatische Konkurrenz, die billigere aber dafür auch weniger ausgefeilte Produkte verkauft.
 
Guenther Steiner hat ihm dieses Projekt schmackhaft gemacht, als in Formel 1-Kreisen die ersten Bestrebungen ruchbar wurden, Kundenautos einsetzen zu dürfen. Haas hat angebissen. Und der Selfmademan aus Kalifornien ist immer noch Feuer und Flamme, obwohl das Reglement immer noch keine Kundenautos zulässt. Mit dem typisch amerikanischen Optimismus wischt der 61-jährige Motorsport-Freak sämtliche Bedenken weg, man könnte an der Größe der Aufgabe scheitern.

Plan A ist ein Formel 1-Start schon 2015

Steiner kennt die Formel 1. Er war früher Teammanager bei Jaguar und Red Bull. Er hat seinen Auftraggeber darauf aufmerksam gemacht, dass die ersten Jahre hart werden. "Gene Haas weiß, dass er die Formel 1 nicht einfach so erobern kann wie die Nascar. Er nimmt das in Kauf. Ihn fasziniert die Aufgabe."
 
Wenn der Motorenvertrag unter Dach und Fach ist, kommt auf Steiner die härteste Aufgabe zu. Er muss das Team aufbauen, und zwar schnell. Wenn man 2015 einsteigen will, zählt jeder Tag. Der mögliche Aufschub auf 2016 ist nur Plan B.
 
Die Zeit ist momentan gut, um Ingenieure von der Konkurrenz abzuwerben. Die letzten Monate haben gezeigt, wie flexibel dieser Markt ist. Wer einflussreiche Positionen und neue Herausforderungen anbieten kann, findet auch Personal. Zumal man bei dem US-Team nicht die Angst haben muss, nicht bezahlt zu werden. "Es gibt viele Interessenten, doch wir können erst Leute anstellen, wenn wir unseren Motorenpartner kennen." Den ersten Sieg konnte Haas am 12. April feiern. Da erteilte ihm die FIA die Formel 1-Lizenz.

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