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Was macht eigentlich Nelson Piquet?

"Das beste Geschäft meines Lebens"

Nelson Piquet - F1 - Besuch in Brasilien Foto: ams 40 Bilder

Ende 1991 verabschiedete sich Nelson Piquet nach drei WM-Titeln, 23 GP-Siegen und 204 Starts aus der Formel 1. Ein Jahr später beendete ein schwerer Unfall in Indianapolis seine Karriere. Wir haben den Brasilianer besucht. Er verdient heute mehr Geld als in seiner aktiven Zeit.

27.12.2015 Michael Schmidt

Nelson Piquet hat seinen Platz in der Hall of Fame der Formel 1. Als dreifacher Weltmeister steht er in einer Reihe mit Jack Brabham, Jackie Stewart, Niki Lauda, Ayrton Senna und Lewis Hamilton. Der Brasilianer trat bei 204 Grand Prix an, hat 485,5 Punkte, 24 Pole Positions, 23 schnellste Rennrunden, 60 Podiumsplätze und 23 Siege gesammelt. "Pardon 24 Siege", korrigiert Piquet. "Ich zähle den Sieg 1982 in Brasilien mit dazu. Den hat man mir zu Unrecht aberkannt."

Indianapolis-Unfall zerrt noch immer an Piquet

Beim GP Australien 1991 ging die Formel 1-Karriere des Nelson Sautomajor alias Piquet mit einem vierten Platz im Benetton-Ford zu Ende. Beim GP Deutschland 1978 hatte sie in einem Ensign begonnen. Ein Jahr nach seiner letzten Formel 1-Saison verunglückte Piquet im Training zu den 500 Meilen von Indianapolis schwer. Der Brasilianer zog sich komplizierte Bein- und Fußbrüche zu, unter denen er heute noch leidet. "Nach längeren Strecken tun mir die Füße weh. Wenn ich Sport treiben will, muss ich Fahrrad fahren."

1993 trat er noch einmal für das Menard-Team beim Indy 500 an, um sich die versprochene Million Dollar Preisgeld abzuholen, die ihm Teamchef John Menard nach dem Unfall verweigert hatte. Dann war endgültig Schluss mit ernsthaftem Motorsport. Als Erinnerung an diese Zeit steht der Helm von seinem Teamkollegen Gary Bettenhausen auf einem Ehrenplatz. Gleich neben seinen eigenen Helmen, auch dem allerersten als sein Name noch "Piket" geschrieben wurde. "Gary und ich haben uns damals angefreundet und hatten bis zu seinem Tod regelmäßig Kontakt", erzählt Piquet über den Indy-Haudegen, der 2014 verstarb.

Ron Dennis und die verklebten Autoschlösser

Nelson Piquet hat in seiner Karriere immer gut verdient. Der Lebemann schaute seinem Lehrmeister Niki Lauda ab, wie man sich bestmöglich verkauft. Und wie man mit möglichst geringem Aufwand das Maximum erreicht. Piquet war keiner wie Ayrton Senna, der immer und überall Vollgas gab. Und keiner wie Nigel Mansell, der auch noch für einen zehnten Platz Kopf und Kragen riskierte. Ihm reichte 23 Siege für drei Titel. Mansell gewann 31 Mal und wurde nur ein Mal Weltmeister.

Apropos Mansell. Über seinen Williams-Teamkollegen kann Piquet heute noch herzhaft lachen. Vor ein paar Jahren haben die beiden einen Werbespot für Ford gedreht. Piquet wollte eigentlich nicht, ließ sich dann aber teuer dafür bezahlen. Nachdem er rausgefunden hatte, was Mansell dafür bekam. "Wenn Nigel wüsste, was sie mir dafür gegeben haben", grinst Piquet und freut sich noch heute diebisch darüber, dass er auch da den Engländer ausgebremst hat.

Der mittlerweile 63-jährige Brasilianer hat immer noch den Schalk im Nacken sitzen. Am liebsten erinnert er sich an die gute alte Zeit, als man sich im Formel 1-Zirkus noch mit derben Späßen unterhielt. Ron Dennis hatte ihm wegen eines Sponsorkonflikts nach drei Einsätzen in einem privaten McLaren 1978 gedroht, dass er nie mehr einen McLaren in seinem Leben fahren werde. Als Piquet im Jahr darauf bei Brabham unterkam, machte er sich einen Jux daraus, sich bei Dennis für den Spruch zu revanchieren. Damals kam gerade ein Sekundenkleber auf den Markt. Piquet klebte seinem Widersacher auf dem Teamparkplatz regelmäßig die Autoschlösser zu. Der fand nie heraus, wer ihm da so übel mitspielte.

100 Millionen Dollar Umsatz mit 320 Angestellten

Heute setzt sich der dreifache Champion nur noch selten in ein Rennauto. Wenn er dabei seine geliebten Brabham-BMW fahren kann, lässt sich Piquet nicht zwei Mal bitten. Dann jettet er mit seiner Citation über den Atlantik, lädt seine alten Kumpel von BMW in München ein und fliegt mit ihnen an die Rennstrecke. In diesem Jahr an den Red Bull-Ring.

Piquet hat zwar eine Pilotenlizenz, doch mittlerweile sitzt er kaum noch im Cockpit. Er lässt fliegen. "So komme ich ausgeruht an." Der Ex-Rennfahrer ist heute ein erfolgreicher Geschäftsmann. Sein Unternehmen Autotrac liefert seit 1983 ein Satelliten- und GPS-Informationssystem für Lastwagen, Schiffe und neuerdings auch Privatautos.

Der Kunde ist ständig mit der Zentrale verbunden. Die sieht, wo sich das Fahrzeug befindet, kann die Ladung disponieren, mit dem Fahrer kommunizieren und den technischen Zustand des Fahrzeugs beobachten. "So können sie sehen, ob ein Fahrer viel oder wenig Sprit verbraucht und wie materialschonend er fährt oder ob eine Reparatur ansteht." Der Fahrer hat eine Konsole an Bord, mit der er seinerseits unabhängig von einem Internet-Zugang auch im tiefsten Urwald Meldungen an das Basislager abschicken kann.

Autotrac stellt den kompletten Service, Hardware wie Software. Für drei Dollar am Tag. In ganz Südamerika gibt es über 125.000 Kunden. Das Privatwagen-Geschäft ist gerade erst angelaufen. 320 Angestellte erwirtschaften pro Jahr rund 100 Millionen Dollar. Für Piquet bleibt ein fetter Gewinn: "Ich verdiene heute mehr, als ich es in meiner Rennkarriere je geschafft habe."

Eine Idee namens Autotrac

Piquet hat für die Idee nach seiner Rennkarriere praktisch sein ganzes Vermögen aufs Spiel gesetzt. Rund 18 Millionen Dollar. "Nach fünf Jahren haben wir erstmals schwarze Zahlen geschrieben. Es war höchste Eisenbahn. Ich hatte nur noch einen Notgroschen auf der Bank. Dafür brummt heute das Geschäft", freut sich Piquet. Jeden Tag sitzt er in seinem Büro, das er sich mit dem Geschäftsführer der Firma teilt. "Wir müssen wachsam sein. Auf dem Gebiet der Telekommunikation kommen ständig neue Geräte hinzu. Wenn wir nicht aufpassen, ist unsere Technik schnell veraltet."

Piquets Hauptrolle ist die Kundenbindung. Dafür fliegt er in ganz Südamerika umher. "Ich mache Schulungen für unseren Vertrieb, suche neue Kunden und betreue alte." Der Name hilft. Piquet kennt in Brasilien jedes Kind. In der Woche vor dem Grand Prix fliegen wir von Brasilia nach Sao Paulo. Piquet und seine Manager zu einer Messe, ich zum Rennen.

Erstmals erzählt der Formel 1-Rentner, wie er auf die Idee mit der Telemetrie für Transportunternehmen gekommen ist. "Ich habe schon in meiner aktiven Zeit schrecklich unter Jetlag gelitten. Deshalb bin ich manchmal eine Woche vor dem Rennen losgeflogen. Beim letzten Grand Prix in Detroit hänge ich aus Langeweile im Fahrerlager rum und sehe wie die Container mit der Formel 1-Fracht abgeladen werden. Der Typ, der alles koordiniert hat, hing an einem Computer und wusste genau, wo welcher Container gerade war. Ich dachte mir, das wäre das ideale Werkzeug für Speditionen in einem großen Land wie Brasilien."

Piquet setzte sich mit Qualcom in Verbindung, die für die Verladefirma das System entwickelt hatte. "Die Amerikaner haben mir erzählt, dass ihr System in Südamerika nicht funktionieren würde, weil dort auf einer anderen Frequenz gesendet würde." Der Mann aus Brasilia ließ nicht locker. "Zuhause habe ich mich mit einem Informatik-Professor in Verbindung gesetzt. Der meinte, dass man das Problem mit wenig Programmierarbeit lösen könnte. Ich habe den Professor in meinen Jet gepackt und bin zurück nach Detroit. Dort haben wir mit Qualcom einen Vertrag gemacht. Wir arbeiten heute noch mit ihnen zusammen."

Piquet gibt sein Geld auch gerne aus

Piquet verdient viel Geld und gibt es auch gerne aus. Seine Hazienda am Stadtrand von Brasilia umfasst 100 Hektar Land. Darauf steht seine Villa, seine private Garage mit 50 Oldtimern (zur Story) und eine eigene Landebahn für die Flugzeuge und Helikopter. Der 900 Meter lange Asphaltstreifen mitten im Wald führt steil bergab. "Gelandet wird bergauf, gestartet bergab. Egal wie der Wind steht." Dort gibt er auch schon mal den 950 PS des Ford GT40 die Sporen. Im dichten Verkehr von Brasiliens Hauptstadt muss auch ein Ex-Weltmeister gesetzeskonform fahren. Überall lauern stationäre Radarkontrollen.

Fluggeräte sind die zweite Leidenschaft von Nelson und seinem acht Jahre älteren Bruder Geraldo. Einen Tag fliegen wir per Helikopter ins 150 Kilometer entfernte Anápolis. Dort entsteht auf einer Flugzeugwerft gerade ein Wasserflugzeug, für das sich Geraldo interessiert. "Lass ihn. Das ist sein Spleen", winkt Nelson lachend ab. Er selbst steuert den Raven 2 Hubschrauber im Tiefflug über die atemberaubende Natur im Herzen Brasiliens. "Nelson fliegt gerne näher am Boden. Ich mag es höher", erzählt Geraldo, der den Kontakt zur Flugsicherung hält und nach Hochspannungsleitungen und Funkmasten Aussicht hält.

Pedro Piquet fährt Formel 3

In der Hazienda Piquet herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Frau Viviane, ein Großteil der sieben Kinder, deren Freunde, Bruder, Schwester und ein Heer von Angestellten wuseln durch das Haus. Es fällt manchmal schwer, den Überblick zu behalten. Viele seiner langjährigen Angestellten leben in kleinen Häusern auf dem Anwesen. Auch nach ihrer Pensionierung. "Sie sind mir ans Herz gewachsen." Wie zum Beweis kommt eine 95-jährige Dame mit Piquets Schwester vorbei. Ich kenne sie noch, als Nelson nach dem Indianapolis-Crash in der Reha lag. Piquet ließ die damalige Haushälterin in die USA fliegen, damit sie ihm seine brasilianische Leibspeisen kocht.

Pedro Piquet ist auch auf Heimaturlaub. Der 17-jährige wird im kommenden Jahr an der Formel 3-Europameisterschaft teilnehmen. In Max Verstappens Ex-Team van Amersfoort. Teamkollege ist der Sohn von Red Bull-Stardesigner Adrian Newey.

Pedro erzählt, dass Newey senior bis jetzt bei allen Testfahrten anwesend war und sich intensiv um das Setup der Autos gekümmert hat. Den Winter über wird er in Brasilien verbringen. Im neuen Jahr bezieht er dann ein Appartement in Amsterdam, um nah bei seinem Team zu sein. Auch Laszlo ist da, einer der besten Motocrossfahrer Brasiliens. Er ist der Computerfreak im Haus. Und er erklärt uns bei der Übertragung des Moto GP-Finales in Valencia, was wir über Rossi, Lorenzo und Co alles wissen müssen.

Nelson Piquet senior wird 2016 wieder öfter nach Europa fliegen, um Pedros Karriere zu verfolgen. Der jüngste Spross ist ein anderer Typ als sein älterer Bruder Nelsinho, der 2015 der erste Formel E-Meister wurde und 2008 und 2009 insgesamt 28 Grand Prix bestritten hat. "Für Pedro gibt es nur den Rennsport. Er will alles wissen, studiert alle Daten, ist topfit und beißt sich rein wie früher Michael Schumacher. So extrem war ich nie", gibt der stolze Vater zu.

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