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Erster Todesfall nach 21 Jahren

Bianchi der 33. Tote der F1-Geschichte

Jules Bianchi - Marussia - Formel 1 - GP Spanien - Barcelona - 9. Mai 2014 Foto: xpb 32 Bilder

Die Formel 1 hatte den Tod fast schon verdrängt. Beim GP Japan 2014 schlug er wieder zu. 9 Monate nach seinem Unfall in Suzuka erlag Jules Bianchi seinen schweren Kopfverletzungen. Es war der erste tödliche Unfall in der Königsklasse seit 21 Jahren. Wir blicken zurück auf die Toten der Formel 1.

18.07.2015 Michael Schmidt

Absolute Sicherheit gibt es nicht. Trotz Unfallforschung, trotz immer stabileren Autos, immer größeren Auslaufzonen, immer besseren Helmen, trotz HANS, Nackenschutz und Knautschzone vorne, hinten und an der Seite. Ein Crash eines Rennautos mit einem Traktor stand nicht im Skript.

Nach vielen schweren Unfällen in den letzten 20 Jahren, in denen die Fahrer praktisch unverletzt ausstiegen, war klar, dass nur noch eine Verkettung höchst unglücklicher Umstände zum Tod eines Piloten führen können. Und gegen die kann man sich nicht absichern.

Jules Bianchis Unfall in Suzuka war am Ende einfach nicht überlebbar. Der 25-jährige Franzose war mit 126 km/h in einem Winkel von 55 Grad unter das hintere Ende eines Bergekrans geprallt. Die Wucht des Aufprall war so groß, dass die gesamte linke Seite des Marussias abgerissen wurde. 4Meter nach dem Einschlag kam das Auto zum Stillstand. Der Nackenschutz, der den Kopf bei Unfällen weich auffangen soll, wurde bis in den Motorraum gedrückt.

Die Sensoren im Ohr des Piloten maßen zunächst 92 g. Tatsächlich lag die Verzögerung am Kopf um ein Vielfaches höher. Bianchi wurde mit schwersten Kopfverletzungen geborgen. In mehreren Operationen versuchten die Ärzte die Blutungen zu stillen, doch es war schnell klar, dass es ein aussichtsloser Kampf sein würde. Neun Monate nach seinem Unfall wurden die schlimmsten Beführchtungen zur grausamen Wahrheit - Jules Bianchi ist am 17. Juli 2015 im Krankenhaus in Nizza verstorben.

33 Todesfälle in der Formel 1

Jules Bianchi ist der 33. Formel 1-Fahrer seit 1950, der in einem Formel 1-Auto sein Leben verliert. Bei Testfahrten, im Training oder im Rennen. Piloten, die in anderen Kategorien verunglückten oder im Straßenverkehr ums Leben kamen, sind in der schwarzen Liste nicht aufgeführt. Zum Beispiel Jim Clark, der 1968 bei einem Formel 2-Rennen in Hockenheim starb. Oder Alberto Ascari, der 1955 bei privaten Testfahrten in einem Sportwagen in Monza einen Baum traf. Oder Pedro Rodriguez, der 1971 in einem Ferrari 512 am Norisring in einen Feuerunfall verwickelt wurde.

Die traurige Serie begann 1954 am Nürburgring. Onofre Marimon verunglückte im Streckenabschnitt Wehrseifen. Seine argentinischen Landsleute Juan-Manuel Fangio und Froilan Gonzalez fuhren am Tag darauf mit Trauerflor. Eugenio Castellotti starb 1957 bei einem kurzfristig anberaumten Test auf dem Autodrom von Modena. Der Italiener hatte an diesem Tag eigentlich andere Pläne. Enzo Ferrari bat ihn, den neuen 801 zu testen. Castellotti krachte in der dritten Runde gegen eine Tribüne.

1958 war ein besonders schwarzes Jahr. Mit Luigi Musso, Peter Collins und Stuart Lewis-Evans starben gleich drei Piloten. Jedes Mal im Rennen. Ein Grund dafür waren die ständig steigenden Geschwindigkeiten. Fangio hatte die Gefahr erkannt. Es war für den großen Argentinier einer der Gründe, warum er zurücktrat. Sein letztes Rennen in Reims fiel mit dem Tod von Musso zusammen.

Bristow und Stacey sterben beim GP Belgien 1960

Harry Schell kam 1960 bei einem nicht zur WM zählenden Rennen in Silverstone ums Leben. Der GP Belgien im gleichen Jahr war ein Unglücks-Wochenende, nur vergleichbar mit Imola 1994. Chris Bristow und Alan Stacey bezahlten in Spa bei voneinander unabhängigen Unfällen den höchsten Preis. Stirling Moss und Michael Taylor überlebten zwei weitere Unfälle im Training schwer verletzt.

Die verrückteste Unfallgeschichte lieferte Giulio Cabianca. Der Italiener testete einen Cooper-Castellotti im Autodrom von Modena. Als das Getriebe im vierten Gang steckenblieb, nahm Cabianca den Notausgang, der ihn durch ein offenes Tor auf eine viel befahrene Straße außerhalb der Anlage führte. Dort tötete der Cooper ein Minivan-Fahrer, einen Radfahrer und einen Biker. Ein Zuschauer wurde schwer verletzt. Cabianca starb 21 Stunden später an seinen schweren Verletzungen.

Wolfgang Graf Berghe von Trips wollte 1961 in Monza Weltmeister werden. Er startete von der Pole Position. Die Katstrophe nahm in der zweiten Runde seinen Lauf. Trips kollidierte auf der Anfahrt zur Parabolica mit Jim Clark. Der Ferrari bog scharf nach links ab, überschlug sich und wurde auf die Strecke zurückgeworfen. Trips fiel aus dem Auto und brach sich das Genick. Sein Ferrari riss 14 Zuschauer mit in den Tod. Ferrari-Teamkollege Phil Hill gewann und wurde Weltmeister.

Ricardo Rodgriguez stürzte beim Probegalopp zum GP Mexiko 1962 im Training in der Peraltada-Kurve. Quasi vor seiner Haustür. Rodriguez konnte trotz schneller Versorgung an der Rennstrecke nicht mehr gerettet werden. Sein Bruder Pedro starb neun Jahre später in einem Sportwagen. Der holländische Privatfahrer Carel Godin de Beaufort zog sich bei einem Trainingsunfall 1964 am Nürburgring schwere Wirbelverletzungen zu, denen er zwei Tage später erlag. John Taylor kollidierte in der Startrunde zum GP Deutschland 1966 mit dem Matra von Jacky Ickx im Streckenabschnitt Quiddelbacher Höhe. Der Engländer erlag seinen Brandverletzungen 30 Tage später in einem Krankenhaus in Koblenz. Er befand sich schon auf dem Weg der Besserung, als sich eine Infektion einstellte.

Bob Anderson starb in Silverstone einen Tod in der Anonymität von Testfahrten. Weder Zuschauer noch Kameras waren zugegen. Der Feuertod von Lorenzo Bandini 1967 in Monte Carlo flimmerte dagegen prominent über die Fernsehschirme. Er brachte ein Umdenken in den Sicherheitsdiskussionen. Die Fahrer begannen sich zu organisieren, um für mehr Sicherheit zu kämpfen.

Jo Schlesser hat es nicht geholfen. Der Franzose verbrannte bei seinem GP-Debüt 1968 in Rouen. Feuer war damals das größte Schreckgespenst der Fahrer. Manche schnallten sich nicht einmal an, aus Angst sie könnten eingeklemmt werden. Aus dem Cockpit zu fliegen erschien ihnen als eine bessere Option. Auch Piers Courage kam in den Flammen um, nachdem sein De Tomaso beim GP Holland 1970 in einen Erdwall gerast war. Sein Freund Jochen Rindt nahm mit bitterer Miene den Siegerpokal entgegen.

Drei Monate später war auch Rindt tot. Sein Lotus krachte nach einem Bremsdefekt mit 290 km/h in der Parabolica in die Leitschienen. Rindt tauchte ins Cockpit ab. Das Lenkrad fügte ihm tödliche Verletzungen zu. Der Österreicher wurde trotzdem noch Weltmeister. Er ist bis heute der einzige Champion, der sich posthum zum Titelträger krönte.

70er Jahre waren die gefährlichste Ära

Die 70er Jahre wurden zur gefährlichsten Ära der Formel 1. Weil die Konstrukteure immer mehr experimentierten, und die Autos immer leichter, aber kaum sicherer wurden. Jo Siffert hatte 1971 gerade seine beste Formel 1-Saison abgeschlossen, als das Schicksal beim Race of Champions zuschlug. Nach einem Schaltfehler in der Hawthorn-Kurve von Brands Hatch traf der B.R.M. einen Erdwall, überschlug sich und brannte aus. Siffert erstickte in den Flammen.

Der Tod von Roger Williams 1973 in Zandvoort lieferte minutenlang unerträgliche Fernsehbilder. Der Engländer lag eingeklemmt unter seinem umgestürzten brennenden March. Nur sein Kollege David Purley eilte zu Hilfe. Streckenposten und Feuerwehrleute schauten tatenlos zu, wie Williamson in den Flammen umkam. Am Ende der Saison verunglückte Francois Cevert in Watkins-Glen. Der Franzose, der Jackie Stewart bei Tyrrell beerben sollte, hatte in der heiklen S-Kurve zu viel riskiert.

Ein Jahr später erwischte es Peter Revson bei Testfahrten in Kyalami. Schuld war ein gebrochener Bolzen in der Vorderradaufhängung. Er wurde wie Cevert von schlecht montierten Leitplanken getötet. Die spielten auch beim nächsten tragischen Unfall eine unrühmliche Rolle. Helmuth Koinigg rutschte in Watkins Glen nach einem Defekt mit knapp 100 km/h unter einer doppelstöckigen Leitplanke durch. Der untere Teil rutschte weg, der obere wurde für den Österreicher zum Schafott.

Mark Donohue platzte auf der Anfahrt zur ersten Kurve am Österreichring bei 300 km/h der linke Vorderreifen. Der Amerikaner segelte in eine Werbetafel. Zwei Streckenposten wurden durch herumfliegende Trümmer getötet. Donohue war zunächst bewusstlos, kam aber schnell wieder auf die Beine. Im Fahrerlager ging er selbst zur Ambulanz, klagte lediglich über starke Kopfschmerzen. Wenig später verlor er erneut das Bewusstsein.

Auch eine Notoperation konnte den Amerikaner, den sie "Captain Nice" nannten, nicht mehr retten. Zwei Tage nach dem Unfall starb Donohue an irreparablen Schädigungen des Gehirnstammes. Seine Frau hat Jahre später erfolgreich Reifenausrüster Goodyear verklagt. Sie bekam 9,6 Millionen Dollar Schadenersatz.

Tom Pryce vom Feuerlöscher erschlagen

Der Unfall von Tom Pryce 1977 in Südafrika hatte eine ähnliche Qualität wie der von Bianchi in Suzuka. Ein Zusammentreffen unglücklicher Umstände. Der Waliser traf mit seinem Shadow einen Streckenposten, der über die Rennstrecke rannte, um das in Brand geratene Auto von Renzo Zorzi zu löschen. Pryce wurde vom Feuerlöscher erschlagen, den der Helfer bei sich trug.

Ronnie Peterson wurde nach einer Startkollision 1978 in Monza mit schweren Beinverletzungen aus seinem Lotus gezogen. Am nächsten Morgen war der Schwede tot. Er starb an einer Fettembolie.

Patrick Depailler kam bei Testfahrten in Hockenheim ums Leben. Augenzeugen zufolge klemmte an dem Alfa Romeo auf der Anfahrt zur Ostkurve eine der seitlichen Schürzen. Das verringerte schlagartig den Abtrieb. Depailler hatte bei dem Einschlag mit weit über 200 km/h keine Chance.

Nach zwei Jahren Pause schlug das Schicksal wieder zu. Ein Missverständnis führte zu einer Kollision zwischen Gilles Villeneuve und Jochen Mass in der Qualifikation zum GP Belgien in Zolder. Villeneuve fuhr auf den March des Deutschen auf, als er ihn rechts überholen wollte. Genau die Seite, auf die Mass gerade ausgewichen war. Bei dem Überschlag wurde Villeneuve aus dem Auto geschleudert und getötet.

Auch Riccardo Paletti starb bei einem Auffahrunfall. Der aus der letzten Reihe gestartete Osella-Pilot prallte auf den Ferrari von Didier Pironi, der beim Start zum GP Kanada stehengeblieben war. Andere Autos verdeckten Paletti die Sicht auf das Hindernis.

Mit Senna starb der Beste seiner Zunft

Elio de Angelis wurde ein Heckflügelbruch bei Testfahrten in Paul Ricard zum Verhängnis. Der Brabham-Pilot flog mehrere hundert Meter weit, bis er zum Stillstand kam. Dann fing das Auto Feuer. Die Löscharbeiten dauerten ewig. De Angelis hatte bereits zu lange heiße Gase eingeatmet.

Inzwischen wurden bereits alle Formel 1-Fahrzeuge aus Kohlefaser gebaut. Der Sicherheitsstandard hatte sich deutlich erhöht. Acht Jahre lang ging alles gut. Bis zum unheilvollen GP San Marino 1994 in Imola. Im Training flog Roland Ratzenberger nach einem Frontflügelbruch in dem schnellen Rechtsknick vor der Tosa-Kurve mit 257 km/h in die Mauer. Die Rettung brachte den Österreicher noch in ein Krankenhaus. Eine Stunde später wurde sein Tod bekanntgegeben.

Nur einen Tag später passierte das Unfassbare. Ayrton Senna, der Beste seiner Zunft, prallte in der Tamburello-Kurve in die Mauer. Ob eine gebrochene Lenksäule oder eine Bodenwelle den viel zu tief liegenden Williams aus der Bahn warf, ist bis heute nicht geklärt. Beim Aufprall mit 214 km/h in die Mauer wurde Senna vom rechten Vorderrad erschlagen. Brasilien trug ihn wie einen König zu Grabe.

Die FIA zog ihre Lehren aus der Katastrophe von Imola. Präsident Max Mosley startete eine beispiellose Sicherheitskampagne. Sein Nachfolger Jean Todt setzte sie fort. Es hat sich gelohnt. 21 Jahre lang hatte der Tod in der Formel 1 keine Chance. Bis zum GP Japan 2014.

In unserer Bildergalerie zeigen wir die schreckliche Seite der Formel 1 und stellen Ihnen einige Piloten vor, die in der Königsklasse ihr Leben ließen.

JahrFahrerTeamStreckeEvent
1954Onofre MarimonMaseratiNürburgringTraining
1957Eugenio CastellottiFerrariModena AutodromTestfahrten
1958Luigi MussoFerrariReimsRennen
1958Peter CollinsFerrariNürburgringRennen
1958Stuart Lewis-EvansVanwallAin DiabRennen
1960Harry SchellCooperSilverstoneRennen
1960Chris BristowCooperSpa-FrancorchampsRennen
1960Alan StaceyLotusSpa-FrancorchampsRennen
1961Giulio CabiancaCooperModenaTestfahrten
1961Wolfgang Graf Berghe von TripsFerrariMonzaRennen
1962Ricardo RodriguezLotusMagdalena-MixhucaTraining
1964Carel Godin de BeaufortPorscheNürburgringTraining
1966John TaylorBrabhamNürburgringRennen
1967Lorenzo BandiniFerrariMonte CarloRennen
1967Bob AndersonBrabhamSilverstoneTestfahrten
1968Jo SchlesserHondaRouenRennen
1970Piers Couragede TomasoZandvoortRennen
1970Jochen RindtLotusMonzaTraining
1971Jo SiffertB.R.M.Brands HatchRennen
1973Roger WilliamsonMarchZandvoortRennen
1973Francois CevertTyrellWatkins GlenTraining
1974Peter RevsonShadowKyalamiTestfahrten
1974Helmuth KoiniggSurteesWatkins GlenRennen
1975Mark DonohuePenskeÖsterreichringWarm-up
1977Tom PryceShadowKyalamiRennen
1978Ronnie PetersonLotusMonzaRennen
1980Patrick DepaillerAlfa RomeoHockenheimringTestfahrten
1982Gilles VilleneuveFerrariZolderTraining
1982Riccardo PalettiOsellaMontrealRennen
1986Elio de AngelisBrabhamPaul RicardTestfahrten
1994Roland RatzenbergerSimtekImolaTraining
1994Ayrton SennaWilliamsImolaRennen
2014Jules BianchiMarussiaSuzukaRennen
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