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Bianchi mit Kopie des Brundle-Crashs

"Noch heute ein schlechtes Gefühl"

Martin Brundle - GP Japan 2014 Foto: xpb 16 Bilder

Die Kollision von Jules Bianchi mit einem Bergefahrzeug in Suzuka war fast eine Kopie eines Unfalls, der sich vor 20 Jahren abspielte. Die Beteiligten damals waren Martin Brundle und Gianni Morbidelli. Brundle erinnert sich an das Suzuka-Rennen von 1994.

10.10.2014 Michael Schmidt

Es ist eine grausame Fügung des Schicksals, dass sich selbst bizarre Unfälle wiederholen können. Der Unfall von Adrian Sutil in der Dunlop-Kurve von Suzuka mit anschließender Bergung und dem Zusammenstoß von Jules Bianchi mit einem Streckenfahrzeug hat sich vor 20 Jahren schon einmal abgespielt. Mit einem fast identischen Ablauf, aber etwas geringeren Folgen. Der Sutil von heute hieß damals Gianni Morbidelli. Und Martin Brundle spielte den Bianchi-Part.

Auch damals war der Tatort die Dunlop-Kurve. Auch damals regnete es. Nur stärker. Auch damals stand das Rennen kurz vor dem Abbruch. In der 14. Runde rutschte Gianni Morbidelli in dem langen Linksbogen am Ende des Geschlängels aus. Der Arrows wurde von der Leitplanke zurückgeworfen und lag auf halbem Weg zwischen Absperrung und Streckenrand in der Wiese. Rund um die Unfallstelle wurden gelbe Flaggen geschwenkt. Ein Raupenfahrzeug und ein Streckenposten machten sich auf den Weg, das Wrack aus der Schusslinie zu ziehen.

Brundle hätte Crash mit Bergefahrzeug nicht überlebt

Trotz starkem Regen und schlechter Sicht nahmen die Piloten an der Unfallstelle kaum Tempo raus. "Die Bedingungen waren wirklich schlimm", erinnert sich Martin Brundle, der 1994 einen McLaren fuhr. "Johnny Herbert hatte sich auf der Zielgeraden gedreht. Ich sah nur einen hellblauen Farbfetzen in der Gischt. Dann schaute mir Johnny ins Gesicht. Ich schrie in den Funk, dass sie das Rennen abbrechen sollte. Die ganzen S-Kurven habe ich lang habe ich meinen Renningenieur Steve Hallam angefunkt."

Brundle lag hinter dem Sauber von Heinz-Harald Frentzen, als es passierte. "Plötzlich ging mir das Heck weg. Ich habe mich drei Mal gedreht und gesehen, dass ich auf den Caterpillar zuflog. Er war zwar nicht so schwer wie der Bergekran bei Bianchi, aber mir war klar, dass ich einen Zusammenstoß nicht überlebt hätte. Er hätte mein Auto zweigeteilt. Ich bin auf die Bremse und hatte das Glück, dass das Auto die Richtung geändert hat. Doch plötzlich stand dieser Streckenposten da, starr vor Schreck mit dem Rücken zur Leitplanke gelehnt. Den Anblick werde ich nie vergessen. Ich habe ihn mit dem Hinterrad getroffen und sehe ihn heute noch vor meinen Augen durch die Luft fliegen."

Streckenposten brach sich ein Bein

Brundles McLaren rutschte auf dem nassen Gras noch 200 Meter weit, bis er zum Stehen kam. "Ich bin so schnell ich konnte zurückgerannt, um nach dem Streckenposten zu sehen. Er hatte sich ein Bein gebrochen. Ziemlich übel sogar. Der Knochen schaute aus seinem Overall. Zum Glück hat er überlebt. Ich habe mich ein Jahr später mit ihm getroffen."

Brundle bekam von der FIA eine Verwarnung dafür, dass er unter Gelb zu schnell gefahren war. "Ich habe noch heute ein schlechtes Gefühl, weil ich sauer auf mich selbst war", gibt Brundle zu. Immer, wenn es regnet und ein Streckenfahrzeug ausrückt, dann kommen bei den heutigen Sky-Reporter die alten Erinnerungen hoch. "Diese Kurve ist wirklich mörderisch. Im Regen kämpfst du vom Eingang bis Ausgang, um auf der Strecke zu bleiben. Da siehst du nicht jede gelbe Flagge."

Im aktuellen Fall trifft das nicht zu. Alle befragten Fahrer gaben an, die Flagge gesehen zu haben. Weil der Posten eingangs Kurve 10 besonders wild damit wedelte und weil dort eine Leuchtanzeige installiert war. "Da hat die Dunkelheit sogar geholfen", erklärt Valtteri Bottas. "Dadurch kam dir das Blinklicht besonders grell vor."

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