Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Bilder vom Horror-Crash

Perez muss auf Rennstart verzichten

Sergio Perez Crash GP Monaco 2011 Foto: dpa 24 Bilder

Sergio Perez muss nach seinem Horrorunfall die Nacht im Krankenhaus verbringen. Obwohl der Pilot gerne im Rennen gestartet wäre, entschied das Team auf einen Einsatz am Sonntag zu verzichten. Perez kann dennoch froh sein, dass er nur mit einer Gehirnerschütterung davon kam. Der Stoff, der Perez das Leben rettete, heißt Tecpro.

28.05.2011 Michael Schmidt

Es war 14.57 Uhr als zum dritten Mal an diesem Tag in Monte Carlo die roten Flaggen geschwenkt wurden. Schon das dritte freie Training wurde von Unfällen überschattet. Am Morgen crashte Nico Rosberg in der Hafenschikane. Vitantonio Liuzzi verschrottete seinen Hispania in der Ste.Dévote-Kurve.

Das war nichts gegen das, was zweieinhalb Minuten vor Ende des Zeittrainings passierte. Sergio Perez kam mit rund 280 km/h aus dem Tunnel, als er seinen Sauber beim Anbremsen auf einer Bodenwelle verlor. Der Sauber hatte zuvor mehrmals auf der Straße aufgesetzt. Dass er relativ weit links fuhr, ist für Perez nichts Ungewöhnliches. "Er war schon das ganze Training auf dieser Linie gefahren", erzählte Teammanager Beat Zehnder.

Perez versuchte dort den schlimmsten Bodenwellen auszuweichen. Sein Auto stellte sich sofort quer, touchierte die innere Leitplanke und rutschte breitseits in den Leitplankenstumpf im Scheitelpunkt der Schikane. Aufschlaggeschwindigkeit: geschätzte 150 km/h. Genaue Daten werden erst die Auswertungen des Unfalldatenschreibers ergeben. Der Unfall spielte sich exakt dort ab, wo vor 17 Jahren Karl Wendlinger bei einem ähnlichen Unfall fast zu Tode gekommen wäre. Auch in einem Sauber. Der Österreicher lag damals 19 Tage im Koma.

Perez ging kurz K.O.

Sergio Perez kam mit einer Gehirnerschütterung und einem geprellten rechten Oberschenkel davon. Der 21-jährige Mexikaner ging beim Einschlag in den Schutzwall, der vor der Leitplanke angebracht ist, kurz K.O. "Er war dann aber bei der gesamten Bergungsaktion bei Bewusstsein", erzählte Beat Zehnder.

Der Teammanager bekam rund acht Minuten nach dem Unfall von der Rennleitung die beruhigende Nachricht, dass der Fahrer ansprechbar sei. Zehnder schnappte sich die Eltern und die Schwester von Perez und fuhr sofort in das Princesse Grace-Krankenhaus von Monte Carlo, wo der Unfallpilot hingebracht wurde, nachdem man ihn aus dem zerstörten Sauber herausgehoben hatte.

Perez muss FIA-Test bestehen

Als Perez im Krankenhaus ankam, hatte er den ersten Schreck schon wieder verdaut. Er klagte lediglich über Kopfschmerzen und Prellungen am Oberschenkel. Teamchef Peter Sauber erzählte, das Perez den Wunsch geäußert habe, am Sonntag das Rennen zu fahren. Der zehnte Startplatz war immerhin seine bislang beste Trainingsplatzierung.

Doch am Abend nahm ihm das Team die Entscheidung ab. Perez wird nicht am Rennen teilnehmen. Eine Starterlaubnis wäre sowieso unwahrscheinlich gewesen. Dafür hätten zuerst die FIA-Ärzte grünes Licht geben müssen. Der Rekonvaleszent wäre dabei in einem speziellen Test auf Reaktion und Koordination getestet worden. Das Ergebnis hätte man mit seinen Daten in gesundem Zustand verglichen. Da Perez einen kleinen Blackout hatte, standen die Chancen sowieso schlecht. Dazu gab es bereits einen Präzedenzfall. Jenson Buttons Unfall von 2003 war eine Kopie. Auch der Engländer wollte sofort wieder fahren. Die Ärzte erteilten ihm damals Startverbot.

Tecpro dämpft den Aufprall

Perez kann froh sein, dass er lebt. Ihn rettete eine Barriere, die von der FIA vor fünf Jahren entwickelt wurde. Sie heißt im Fachjargon Tecpro. Es handelt sich dabei um 120 Kilogramm schwere Blöcke aus Plastik. Die roten sind mit Luft gefüllt, die grauen mit Schaum. Sie werden nach einem bestimmten Muster wie ein Puzzle zusammengesetzt.

Den Stumpf in der Schikane sicherten 37 dieser mit massiven Seilen verbundenen Blöcke ab. Sie sind in einem inneren und äußeren Ring angeordnet mit Längsblöcken als Puffer dazwischen und sind auf Aufprallgeschwindigkeiten über 200 km/h ausgelegt. Die Energie des heranrasenden Sauber wurde auf einem Raum von nur fünf Metern so absorbiert, dass der Fahrer vergleichsweise glimpflich davongekommen ist. "Das System hat so gut funktioniert, dass nicht mal die Leitplanke berührt wurde. Es gibt keinen besseren Schutz als diesen", lobte FIA-Rennleiter Charlie Whiting.

Perez-Unfall als Weckruf

Auch die anderen Fahrer zeigten sich erleichtert, dass sich die Sicherheitseinrichtungen erneut so gut bewährt haben. "Am Anfang war es ein großer Schreck, weil er so lange im Auto sitzen geblieben ist", erzählte Sebastian Vettel. Er verfolgte das Geschehen im Cockpit sitzend an seinem Monitor. "Als die Nachricht kam, dass er spricht, waren wir alle sehr erleichtert. Die Formel 1 ist zwar unheimlich sicher geworden, aber so ein Unfall ist immer ein Weckruf. Wir dürfen beim Thema Sicherheit nicht lockerlassen."

Nico Rosberg hatte am Morgen eine ähnliche Erfahrung gemacht. Auch er war beim Anbremsen der Schikane entgleist. "Hundertprozentig mein Fehler. Ein unnötiger dazu. Die Hinterräder haben blockiert, das Auto ging quer, und dann schloss ich die Augen. Du hast schon Schiss, dass du die Leitplanke triffst, und ich bin froh, dass ich so knapp daran vorbeigeflogen bin. Andererseits hast du im Hinterkopf, wie sicher diese Autos sind."

Rosberg Unfall als Glücksfall für Perez

Rosbergs Unfall war für Perez noch ein Glücksfall. Der Mercedes des Deutschen hatte auf künstlichen Bremsleisten auf dem Asphalt abgehoben. Worauf die Fahrer Charlie Whiting baten, die Sprungschanzen zu entfernen. "Für Sergio war es gut, dass die Dinger bei seinem Unfall weg waren. Er hätte leicht darauf abheben können", meinte Mark Webber.

Der Bremspunkt vor der Schikane zählt zu den neuralgischen Punkten des Stadtkurses. "Du bremst aus hoher Geschwindigkeit an, und es ist unheimlich wellig da. Wenn du das Auto dort verlierst, reißt unter dem Auto die Strömung ab, und du hast keine Chance mehr zu korrigieren", erzählte Fernando Alonso. Auf die Frage, ob man die Stelle weiter entschärfen müsse, zuckte Button mit den Schultern: "Wir sind hier vom Platz eingeschränkt. Im Vergleich zu Wendlingers Unfall wurde die Leitplanke schon deutlich zurückgerückt."

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden