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BMW-Sauber

BMW steigt aus der Formel 1 aus

BMW F1 Foto: Wolfgang Wilhelm 10 Bilder

Um zehn Uhr platzte im BMW-Hauptquartier in München die Bombe. BMW steigt aus der Formel 1-WM aus und will seine Motorsportstrategie neu ausrichten. Damit stellt sich die Frage: Geht der Rennstall zurück an Peter Sauber?

29.07.2009 Michael Schmidt

Die Bilanz der Formel 1-Saison 2009 liest sich aus Sicht von BMW wie eine Bankrotterklärung. Der Premiumhersteller aus München liegt nach zehn Rennen mit acht Punkten auf Platz acht. Das Ergebnis des Grand Prix von Ungarn fügte sich nahtlos in die enttäuschende Saison ein. Nick Heidfeld und Robert Kubica landeten außerhalb der Punkteränge auf den Plätzen elf und 13.

Jetzt hat der Vorstand in München in einem einstimmigen Beschluss die Notbremse gezogen. BMW steigt am Ende dieser Saison aus der Formel 1-Weltmeisterschaft aus. Der Zeitpunkt kommt nicht überraschend, denn die Teams müssen bis zum Ende dieser Woche das Concorde Abkommen unterzeichnen, das sie zur Teilnahme an der Formel 1-WM bis 2012 verpflichtet.

BMW F1-Ausstieg 2:02 Min.

BMW sucht nach Alternativen zur Formel 1

BMW will dem Vernehmen nach seine Motorsportaktivitäten neu ausrichten. Die Formel 1 passe nicht mehr zur  Zielgruppe. BMW möchte sich weiter als der "nachhaltigste Premiumhersteller" positionieren. Die Bayern suchen aber nach Alternativen im Motorsport. Möglich sind die GT-Serie, die Langstreckenrennen für Sportwagen oder die DTM, allerdings erst, wenn dort GT-Autos die bisherigen Spezialkonstruktionen ablösen.

Einzelheiten zum Formel 1-Rückzug und zum neuen Motorsportprogramm sollen im Rahmen einer Presekonferenz in München ab 10.00 Uhr verkündet werden. Die generelle Begründung erinnert jedoch stark an den Abgesang von Honda. Auch die Japaner hatten die Formel 1 als nicht mehr zeitgemäß kritisiert und kündigten eine Konzentration der Konzernaktivitäten auf andere Bereiche an.

Bei BMW hat wie bei Honda der augenblickliche Misserfolg mit dem Votum gegen die Formel 1 zu tun. Würde der WM-Dritte in dieser Saison um den Titel mitkämpfen, wäre die Entscheidung in München sicher anders ausgefallen. Zumal die Sparpläne der Formel 1 die Budgets in den kommenden Jahren drastisch senken. Ein ausgeklügeltes Paket von Kostensenkungsmaßnahmen reduziert das Budget im nächsten Jahr auf 100 Millionen, und ab 2011 auf 50 Millionen Euro. Das entspricht ungefähr einem Viertel der aktuellen Kosten.

Sportliche Krise bei BMW-Sauber

Besonders bitter aus Sicht von BMW ist, dass der Rennstall nach drei Jahren Formanstieg in diesem Jahr deutlich zurückgefallen ist. Ausgerechnet in einer Saison, in der man angekündigt hatte, um den Titel kämpfen zu wollen.

Der mit viel Aufwand entwickelte Hybridantrieb (KERS) erwies sich als Fußfessel, weil die Kompromisse beim Einbau der Hybridelemente aerodynamische und fahrdynamische Nachteile nach sich zogen. Deshalb entschied BMW vor dem GP England, KERS zu beerdigen. Das System sollte eigentlich Teil einer großen Werbekampagne werden, weshalb BMW die Einführung gegen den Widerstand der anderen Teams im Reglement durchgedrückt hatte. Dass ausgerechnet der direkte Konkurrent McLaren-Mercedes in Budapest den ersten Sieg mit einem Hybridantrieb eingefahren hat, kam bei der Meinungsbildung im BMW-Vorstand sicher erschwerend hinzu.

Wie geht es mit BMW, Sauber und den Piloten weiter?

Nach dem Ausstieg von BMW stellt sich die Frage, wie es in Hinwil, dem Sitz der Rennfabrik, weitergeht. Die Infrastruktur in der Schweiz reicht aus, um das Team in privater Hand erfolgreich weiterzuführen. Dem Vorbesitzer Peter Sauber gehörten bis zuletzt 20 Prozent des Teams. Denkbar ist, dass BMW seine Anteile an Sauber zurückgibt.

Das allein aber würde das Team nicht retten. Die Frage ist, ob BMW weiterhin den Motor liefern würde, ob die Sponsorenverträge auch ohne den Partner aus Bayern ihre Gültigkeit behalten und ob Robert Kubica dem Team treu bliebe. Der Pole hat noch einen Vertrag bis Ende 2010, allerdings auf der Basis, dass der Teilnehmer BMW-Sauber und nicht Sauber heißt. Nick Heidfelds Vertrag läuft Ende des Jahres aus.

Weitere F1-Ausstiege neben BMW?

Die Entscheidung aus München könnte möglicherweise einen Erdrutsch auslösen. Renault wird nachgesagt, dass man sein Team verkaufen wolle. Nach Aussagen von Konkurrenten führt Teamchef Flavio Briatore bereits seit einem Jahr Gespräche mit möglichen Investoren. Zuletzt fiel der Name des usbekischen Milliardärs Alisher Usmanov. Nach der von der FIA verhängten Sperre für ein Rennen wegen eines schlampig arretierten Vorderrades könnte in Paris diese Entscheidung noch leichter fallen.

Auch Toyota bleibt aller Dementis zum Trotz ein Wackelkandidat. Teamchef John Howett hatte vor Saisonbeginn gesagt: "Wenn wir in diesem Jahr keinen Grand Prix gewinnen, haben wir keine Zukunft." Vom ersten Sieg ist Toyota trotz eines Lebenszeichens in Budapest mit den Plätzen sechs und acht meilenweit entfernt.

BMW mit später Rechtfertigung für Mosleys Sparpläne

Ein heimlicher Sieger des BMW-Ausstiegs ist FIA-Präsident Max Mosley. Er hatte ein Budgetlimit gefordert, um sich von der Herstellern unabhängiger zu machen. Er hatte nach dem Ausstieg von Honda immer wieder gewarnt, dass sich das Szenario jederzeit auch mit anderen Autokonzernen wiederholen könne. Man hatte ihm Brunnenvergiftung vorgeworfen. Seit heute sind die Kritiker schlauer. Die Optimisten, die glaubten, Mosley rede die Situation in der Formel 1 künstlich schlecht, wurden eines Besseren belehrt.

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