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Brawn GP

Das Überraschungsteam der Formel 1

Brawn GP Foto: Brawn GP 17 Bilder

Die Transporter weiß, die Autos weiß und die Fahrer-Overalls ohne Sponsorensticker. Nur zwei dezente gelb-grüne Streifen bringen etwas Farbe in das jüngste Team der Formel 1. 

11.03.2009

Doch gleich beim ersten Auftritt sorgte Brawn GP für eine faustdicke Überraschung. Jenson Button drehte bei den Testfahrten in Barcelona auf Anhieb 82 Runden und mischte mit den Spitzenteams mit. Bis auf eine kleine Getriebepanne lief alles nach Plan. Am zweiten Tag bestätigte Rubens Barrichello den guten Eindruck mit der drittschnellsten Zeit und stellte erfreut fest: "Dieses Auto ist wirklich gut. Kein Vergleich zum Vorjahr, als ich nie Vertrauen in mein Auto fand."

Top Rundenzeiten

25 Tage vor dem Saisonstart hatte der Vorstand von Honda dem Fortbestand seines Rennstalls im englischen Brackley seinen Segen gegeben. Zwei Tage später wurden in der Fabrik feierlich die Schlüssel übergeben. Damit endete auch offiziell die dritte Ära von Honda in der Formel 1. Neuer Besitzer ist Ross Brawn, der als Benetton- und Ferrari-Technikchef mit Michael Schumacher sieben WM-Titel feierte. Honda hatte den Engländer im letzten Jahr als Wunderheiler an Bord geholt.

In Barcelona spekulierte die Konkurrenz bereits, dass die Rundenzeiten mit wenig Benzin im Tank erzielt worden seien. "Wenn die Leute wüssten, wieviel Benzin wir an Bord hatten, würden sie sich wundern. Selbst bei unserem Motorenpartner Mercedes wollten sie es erst nicht glauben, als wir ihnen den Tankinhalt erzählt haben", meinte aber Brawn. Nicht einmal abwegig erscheint, dass Brawn GP in Melbourne das stärkste Mercedes-Team am Start sein wird: Auf dem Circuit de Catalunya jedenfalls gaben Button und Barrichello im Brawn-Boliden eine bessere Figur ab als die anderen Mercedes-Partner McLaren und Force India. Der rasante Einstieg hat eine Vorgesichte. Kein anderes Team startete die Entwicklung des 2009er so früh wie die Brawn-Truppe. Ab April 2008 lenkte der Chef mehr als 50 Prozent des Entwicklungsaufwandes auf das neue Auto. Der Rückzieher von Honda änderte nur wenig an dem Fahrplan. Brawn: "Zu diesem Zeitpunkt war das Auto fertig entwickelt."

Barrichello vor seiner 17. Saison

Moderne Simulationstechnik machte es möglich, das Potenzial des Brawn BGP001 abzuschätzen, ohne dass sich ein Rad gedreht hatte. "Anhand unserer Datenanalyse wussten wir, welche Rundenzeiten unser Auto auf den Winter-Teststrecken erzielen würde. Als wir dann sahen, welche Zeiten die Konkurrenz tatsächlich fuhr, waren wir überrascht, dass sie nicht schneller unterwegs waren", erzählt Brawn. Die guten Prognosen waren auch der Grund, warum der Brite Button dem Team treublieb, obwohl er keine Sicherheiten hatte, ob und wie es weitergehen würde: "Ich wollte dieses und kein anderes Auto fahren. Alle Optionen wären schlechter gewesen."

Der 29-Jährige war in sich gegangen, als er mit der Nachricht des Rückzugs von Honda konfrontiert wurde: "Von einem Tag auf den anderen musste ich mich damit anfreunden, möglicherweise Rentner zu sein. Das bringt dich auf den Boden der Tatsachen zurück." Flucht kam nicht infrage: "Ich glaube an dieses Team, und ich wusste, was in dem neue Auto steckt." Im Überlebenskampf setzte Button ein Zeichen. Er verzichtet auf die Hälfte seines vereinbarten Gehalts. Auch sein Kollege Barrichello akzeptierte einen Preisabschlag. Der Rekordteilnehmer der Formel 1 geht 2009 in seine 17. Formel-1-Saison. "Rubens ist motivierter denn je. Und er war noch nie so leicht", lobt Brawn den Brasilianer, den er von Ferrari her gut kennt.

Senna ohne Chance

Bruno Senna sei nie eine Alternative gewesen, auch wenn der Neffe des 1994 tödlich verunglückten Ayrton Senna dies öffentlich glauben ließ. Dank der Abfindung von Honda und dem Anteil aus Bernie Ecclestones Topf hat Brawn GP ein gesundes Budget. "Wir müssen uns nicht einschränken", sagt der neue Teamchef. Trotzdem steht er vor einer schweren Aufgabe. "Wir haben ein Jahr Zeit, Sponsoren oder neue Partner in unser Boot zu bringen. Dafür müssen wir Ergebnisse liefern." Auf kleiner Flamme will Brawn 2010 nicht weiterkochen. "Es war nie mein Anspruch, nur dabeizusein."

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