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Budget-Obergrenze

Krieg zwischen FIA und Ferrari

Luca di Montezemolo Foto: Daniel Reinhard 32 Bilder

FIA-Präsident Max Mosley zieht sein Budgetlimit gegen den Widerstand von Ferrari durch. Luca di Montezemolo lieferte sich vor der entscheidenden FIA-Weltratsitzung einen hitzigen Briefwechsel mit Mosley.

30.04.2009 Michael Schmidt

Ferrari lehnt eine Budgetobergrenze strikt ab. Präsident Luca di Montezemolo schrieb deshalb FIA-Chef Max Mosley am 28. April, also einen Tag vor der Weltratsitzung, einen geharnischten Brief. Nur einen Tag später antwortete Mosley - nicht weniger deutlich. Dem Wortlaut nach zu schließen, war Ferraris Schreiben eine Warnung an die Adresse der FIA. Montezemolo wirft dem Verband vor, von den Vorschlägen für das neue Reglement überrannt worden zu sein. "Wir dachten, dass es bei der außerordentlichen Weltratsitzung ausschließlich um die McLaren-Sache geht. Vor einigen Tagen wurde ein neuer Punkt auf die Agenda gesetzt. Das relevante Material ist mehr als 100 Seiten stark und wurde uns weniger als 48 Stunden vor der Sitzung ausgehändigt."

Mosley erwiderte, dass Montezemolos Ausführungen nicht korrekt sind: "Über die Budgetobergrenze hat der Weltrat bereits am 17. März beraten. Ein Ferrari-Repräsentant war damals anwesend. Sie haben es vorgezogen, uns in den vergangenen Wochen dazu nicht zu konsultieren. Tatsächlich ist das Dokument 100 Seiten stark. Es enthält aber zum größten Teil nur das aktuelle Reglement. Die für das Budgetlimit relevanten Paragrafen umfassen gerade mal fünf Seiten." Mosley kann deshalb Ferraris Aufregung nicht verstehen: "Ich gehe davon aus, dass Sie sich dem Budgetlimit nicht anschließen. Damit ändert sich nichts für Sie."

Ferrari will mehr Zeit

Montezemolo kommt daraufhin zum Punkt: "Ich stand dem Budgetlimit immer reserviert gegenüber. Erstens weil wir fürchten, dass es nicht überwacht werden kann. Zweitens weil jede Kontroverse darüber das Image der Formel 1 beschädigen könnte. Drittens, weil wir Zweifel haben, dass eine zweigleisige Meisterschaft ehrlich und fair ausgetragen werden kann und, dass eine Zweiklassengesellschaft für zusätzliche Verwirrung sorgt."
 
Ferrari sieht nach den Ausführungen seines Präsidenten keinerlei Dringlichkeit. Eine solche Maßnahme müssen mit allen Teams besprochen und ausführlich analysiert werden, da eine Überprüfung der Finanzflüsse für einige Teams gravierende Umstrukturierungen nach sich ziehe. "So etwas entscheidet man nicht innerhalb von zwei Tagen." Montezemolo kündigte an, dieses Thema mit den anderen Teams im Rahmen der FOTA-Sitzung am 6. Mai in London erörtern zu wollen. Mit dem Zusatz: "Ich denke, es wäre angemessen, wenn der Weltrat nur Anmerkungen dazu machen aber keine Entscheidungen treffen würde." Das Gegenteil ist geschehen.

Fiat-Chef liefert Argumente für Mosley

Mosley erwiderte scharf auf die Vorwürfe des FOTA-Chefs. Er präsentierte Montezemolo ein Interview von Fiat-Präsident Sergio Marchionne, in dem dieser über die aktuelle Autokrise referiert: "Wir machen gerade eine Vollbremsung und schrauben sämtliche Ausgaben auf das Wesentliche zurück. Die Party ist vorbei. Es mag Schmerzen verursachen und hässlich sein, aber wenn wir unsere Industrie retten wollen, müssen wir es jetzt anpacken. Notfalls mit drakonischen Maßnahmen."

Mosley griff die Worte des Fiat-Präsidenten auf und warf sie seinem Gegenspieler an den Kopf: "Die Autoindustrie und die Banken sind die beiden Haupteinnahmequellen der Formel 1. Beide sind in ernsthaften Schwierigkeiten. Wir können nicht herumsitzen und auf bessere Zeiten hoffen. Wir haben bereits einen Hersteller verloren, und wir können jeden Tag den nächsten verlieren. Kein Hersteller wollte uns Garantien für die nächsten Jahre abgeben. Wir wissen, dass die Kosten bereits jetzt einige der Teams erdrücken. Um zu verhindern, dass die Formel 1-WM kollabiert, müssen wir neue Teams anlocken. Das geht nur über eine Kostenbremse. Die Angelegenheit ist dringlich und duldet keinen Aufschub."

Ferrari mit Sonderrechten

Zum Schluss dann die Drohung aus Maranello. Ferrari erinnerte die FIA an seine Sonderrechte, die man erhielt, als man auf dem Höhepunkt der geplanten Herstellerserie das Lager wechselte und die anderen Autokonzerne im Regen stehen ließ. Ferrari bekam für seinen Garantie im Rahmen der FIA Weltmeisterschaft zu fahren bestimmte vertragliche Rechte.

So hat Maranello beim Regelfindungsprozess als einziges Team im Feld ein Veto-Recht. Dieses gelte bis 2012, dem geplanten Ende des alten Concorde Abkommens. Das sei Ferrari am 17. Januar 2005 von der FIA versprochen worden. "Mit diesem Brief", führt Montezemolo ultimativ aus, "möchte ich zu Ihrer Kenntnis bringen, dass Ferrari darauf besteht, dass der vereinbarte Regelfindungsprozess eingehalten und die garantierten Rechte honoriert werden."

Keine Chance zur Intervention

Exakt diese Warnung ist der eigentliche Grund, warum die FIA im nächsten Jahr ein zweigleisiges Reglement ausschreibt. Ferrari ist damit jede Möglichkeit genommen, juristisch gegen Mosleys Coup vorzugehen. Für den Traditionsrennstall ändert sich nichts, da es ihm freisteht nach den bestehenden Regeln weiterzufahren.

Die Budgetobergrenze wurde lediglich zum Schutz der Privatteams und als Ansporn für Neuzugänge dem bestehenden hinzugefügt. Deshalb gibt es für die Teilnehmer, die sich in ihren Ausgaben nicht einschränken wollen auch keinerlei technische Hürden wie zum Beispiel Zusatzgewichte oder Standard-Diffusor. Der Ansatz der FIA ist umgekehrt: Wer sich auf 45 Millionen Euro beschränkt, der bekommt ein kleines Geschenk.

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