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Carlos Sainz im Interview

"Alonso war mein Held"

Carlos Sainz & Fernando Alonso - F1 2015 Foto: xpb 36 Bilder

Alle reden über Max Verstappen. Doch die eigentliche Überraschung der ersten Saisonhälfte heißt Carlos Sainz. auto motor und sport sprach mit dem Mann, den alle unterschätzt haben, über seine Saison, über Teamkollege Verstappen und warum die Formel 1 nur scheinbar einfach ist.

02.08.2015 Michael Schmidt
Ihr Teamkollege wurde in Budapest Vierter. Sie fielen in guter Position wieder einmal aus. Wie fühlen Sie sich?

Sainz: Ich bin frustriert. Wir hätten eine wirklich gute Platzierung schaffen können. Ich lag auf Platz 5, als plötzlich die Leistung immer weiter abfiel. Es war das dritte Mal in Folge, dass ich auf diese Weise sichere Punkte verloren habe. Zum Glück hat Max richtig abgesahnt. Das war wichtig für das Team. Schade, dass mir die Technik wieder einen Streich gespielt hat. Aber ich bin nicht im geringsten besorgt um meine Leistung. Weil ich weiß, dass ich auch da vorne mitgemischt hätte. Zum Glück kommt jetzt die Sommerpause. Eine gute Gelegenheit, den Ärger abzubauen und alles auf null zu stellen.

Verstappen und Sie fahren eine Saison, als hätten Sie nie etwas anderes gemacht. Ist die Formel 1 zu einfach?

Sainz: Das ist ein bisschen unfair. Es sind zwar nicht mehr die schnellsten Formel 1-Autos der Geschichte, aber du musst neben dem Fahren so viele Prozeduren, Einstellungen, Kommandos beachten, du musst im Spritverbrauch bleiben, Reifenmanagement betreiben. Es ist also immer noch anspruchsvoll. Du musst so viel lernen in so kurzer Zeit, und das fast ohne Testfahrten. Der Grund, warum wir uns so gut zurechtfinden ist der, dass wir schon sehr gut vorbereitet in der Formel 1 ankommen. Es ist aber keine leichte Sache.

Sie sind 5 Jahre in Rennautos gefahren, bevor Sie in die Königsklasse kamen. Was war der größte Schritt?

Sainz: Der vom Kart in den Einsitzer. Das Auto ist ganz anders, schwerer, du musst schalten, hast mehr Power, du siehst viel weniger. Auch Bremsen und Reifen aufwärmen ist anders, und du hast Abtrieb, was es im Kart nicht gibt.

Und wie schwer war der letzte Schritt von Renault-Weltserie in die Formel 1?

Sainz: Das schwierigste war, die Reifen zu verstehen und darauf zu reagieren. Die Pirellis sind so anders als die Michelins.

Ist Max Verstappen für Sie eine extra Motivation, weil alle von seinem Alter reden?

Sainz: Ich darf nicht zu sehr auf die rechte Seite der Garage schauen. Das würde mich ablenken. Ich muss mich auf mich konzentrieren. Ich bin mit viel Selbstvertrauen in die Formel 1 gekommen, hatte im Red Bull-Junior-Programm und zuletzt in der Formel Renault viele neue Rekorde aufgestellt. Ich wusste, dass die Resultate kommen würde, sobald ich mich im Auto und Team wohlfühle. Und ich spüre jetzt auch den Respekt der Leute.

Sind die 5 Jahre Monoposto-Erfahrung ein Vorteil im Vergleich zu Verstappen?

Sainz: Ich habe nie eine Kategorie wiederholt, bekam nie ein zweites Jahr. So funktioniert Red Bull nicht. Da musst du gleich im ersten Jahr gewinnen. Sicher habe ich viel Erfahrung in Monopostos, aber ich bin in der Formel 1 noch ein Rookie. Da habe ich nicht mehr Rennen und Erfahrung als meine jungen Kollegen. Der einzige Vorteil den man dort haben kann, sind Kilometer im Formel 1.

Ist der Red Bull-Druck ein gesunder Druck?

Sainz: Der Druck wird gut gemanagt. Sie erwarten viel von dir, aber nichts Unmögliches. Die Leute, die mich betreut haben, hatten viel Erfahrung . Sie wussten, was sie verlangen konnten und was nicht und haben die Umstände immer berücksichtigt.

Was wollten Sie als Kind werden: Rallyefahrer wie Ihr Vater oder Formel 1-Pilot?

Sainz: Mein Idol, mein Held, meine Referenz war von Anfang an Alonso. Rallye sah ich nur als Hobby. Ich bin happy mit meinen Formel 1-Job.

Welchen Rat konnte Ihnen Ihr Vater geben?

Sainz: Natürlich hatte er weder Erfahrung in Go-Karts oder Einsitzern. Er konnte mir also nicht sagen, in welches Team ich gehen sollte, er konnte mir auch kaum Fahrtipps geben. Aber er war ein Champion. Deshalb wusste er, was es braucht, um ein Champion zu sein. Er hat mir diese Einstellung zu meinem Job beigebracht.

Wie sehen Sie die erste Saisonhälfte?

Sainz: Ich muss sehr happy sein. Wir haben ein gutes Auto, das aber im Rennen nicht einfach zu fahren ist. Weil wir mit viel Benzin im Tank die Hinterreifen hart rannehmen. Deshalb muss ich im ersten Stint immer etwas auf Verteidigung fahren und extrem auf die Reifen achten. Wenn das erste Benzin mal verbrannt ist, wird es besser.

Verfluchen Sie manchmal das PS-Defizit Ihres Motors?

Sainz: Ich will positiv denken. Ich kann nicht mehr verlangen und über den Motor schimpfen. Das Auto ist sehr gut, ich habe sehr gute Leute um mich herum. Im ersten Jahr kannst du nicht alles auf ein Mal haben. Jeder weiß, dass ich nicht den Motor habe, mit dem ich mich im Rennen gegen andere verteidigen kann, wenn die mit DRS angreifen.

Können Sie in diesem Jahr einen Podiumsplatz schaffen?

Sainz: Dazu brauchen wir spezielle Bedingungen wie zum Beispiel Regen oder viele Fehler der Top-Piloten. Unter normalen Umständen ist das perfekte Ergebnis ein Platz in den Top 7.

Welche Lektion mussten Sie in diesem Jahr lernen?

Sainz: Die von Monte Carlo. Ich musste wegen eines dummen Fehlers von ganz hinten starten. Dabei hatte ich mich in meinem ersten Monaco-Rennen für den 9. Platz qualifiziert. Da habe ich viele Punkte weggeworfen.

Treten Sie gerade aus dem Schatten von Fernando Alonso heraus?

Sainz: Ich wünsche ihm das Beste. Wenn einer die WM gewinnen soll, dann er. Er verdient es mehr als jeder andere. Ich werde in meinem Land fair behandelt. Die Leute in Spanien sind realistisch. Sie wissen, dass ich Toro Rosso und nicht einen Mercedes fahre.

In unserer Galerie zeigen wir Ihnen einige Bilder aus der Karriere von Carlos Sainz Jr.

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