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Chaos in Silverstone

Zuschauer sollen zuhause bleiben

GP Engand 2012 Silverstone Chaos Foto: xpb 33 Bilder

Der Grand Prix von England versinkt im Chaos. Tagelanger Regen hatte die Parkplätze aufgeweicht. Am Freitag erreichten rund 10.000 Besucher nie ihr Ziel. Für den Samstag empfahl der Veranstalter den Zuschauern zuhause zu bleiben. Auf den Zufahrtstraßen kam es zu kilometerlangen Staus. Auch Rennfahrer steckten drin.

07.07.2012 Michael Schmidt

Da werden Erinnerungen an das Jahr 2000 wach. Damals fand der GP England im April statt. Und es regnete tagelang. Mit dem Ergebnis, dass Silverstone das größte Chaos seiner Geschichte erlebte. Die Staus erreichten Rekordlängen von über 20 Kilometern.

Bauern verdienten ein Vermögen, weil sie mit ihren Traktoren Tausende feststeckende Fahrzeuge aus dem Schlamm zogen. Für 20 Pfund pro Auto. Bernie Ecclestone ätzte damals: "Silverstone ist eine interessante Lektion für die Fans. Die Organisation zeigt ihnen, wie es vor 50 Jahren war."

Parkplätze wurden vom Regen verschluckt

Inzwischen hat sich in Silverstone viel geändert. Die Strecke hat ein anderes Layout, und die Zufahrtswege wurden vergrößert. Die Hauptverkehrsader ist jetzt eine Autobahn. Früher war es ein Feldweg. Seit das neue Verkehrssystem im Dienst ist, gab es keine Klagen mehr. Staus gehörten der Vergangenheit an. Deshalb hob der Veranstalter die Besucherkapazität wieder von 90.000 auf 125.000 Zuschauer an.

Der GP England 2012 ist seit Wochen komplett ausverkauft. 80.000 Fans hatten sich für Freitag angekündigt, 100.000 für Samstag, volles Haus am Renntag. Doch am Freitag brach die schöne neue Silverstone-Welt zusammen. Man fühlte sich ins Jahr 2000 zurückversetzt.

Der regenreichste Juni seit Menschengedenken setzte die Wiesen rund um die Strecke unter Wasser. Da reichte ein kräftiger Regenguss in der Nacht zum Freitag, um das Fass zum Überlaufen zu bringen. Die Wiesen waren als Parkplatz unbrauchbar geworden. Ankommende Zuschauer hatten Mühe sich durch das aufgeweichte Gras zum Kämpfen, und die Camper kamen nicht mehr runter.

Sechseinhalb Stunden für 30 Kilometer

Der Veranstalter hatte ihnen empfohlen rechtzeitig das Feld zu räumen. Andernfalls drohte ihnen das Versinken im Sumpf. Sogar Jenson Button hatte Probleme mit seinem Motorhome. "Ich musste umparken, weil die Vorderräder bereits bis zur Hälfte eingesunken waren. Ohne fremde Hilfe wäre ich da gar nicht mehr rausgekommen."

Jenson Button, Sebastian Vettel, Nico Rosberg, Michael Schumacher und Paul di Resta haben sich außerhalb der Strecke zu einer Wagenburg zusammengeschlossen. Für sie war der Stau kein Thema. Für Nico Hülkenberg schon. Der Force India-Pilot verlor 45 Minuten in der Blechlawine.

Mark Webber traf es noch schlimmer. "Ich wollte eigentlich mit dem Helikopter fliegen, doch das war wegen der tiefliegenden Wolken nicht möglich. Also bin ich ins Auto. Ich kenne vom Radfahren her alle Schleichwege. Bis fünf Kilometer vor der Strecke ging alles gut. Dann habe ich nicht aufgepasst, und schon stand ich mitten in einer Kolonne. Es ging nichts mehr vorwärts noch rückwärts. Ich habe einen vom Team angerufen, damit er mir einen Scooter bringt. Sonst hätte ich es nicht bis zum Trainingsbeginn geschafft." Wäre wahrscheinlich auch egal gewesen bei nur acht Runden am Freitag.

Für viele Zuschauer kam es noch schlimmer. Es gab Einzelschicksale, die für 30 Kilometer sechseinhalb Stunden brauchten. Rund zehntausend mussten wieder umdrehen, weil es für sie keine Parkplätze gab. Die Streckenbetreiber ließen einen Teil der Wiesen schließen, um am Sonntag genügend Kapazität zu haben.

"Kommen Sie nicht nach Silverstone!"

Am Radio erfuhren die Geprellten, dass sie den Eintrittspreis zurückerstattet bekommen. Das kostet Silverstone eine Million Pfund. Am Samstag wurde es noch grotesker, obwohl es in der Früh zunächst gar nicht regnete. Der Veranstalter warnte die Fans noch am Freitagabend: "Kommen Sie nicht nach Silverstone. Wir haben nicht genügend Parkplätze für Sie." Viele Zuschauer missachteten den Ratschlag. Sie kamen trotzdem. Und produzierten die nächsten Staus.

Die schlechte Nachricht für Sonntag: Es soll wieder regnen, und zwar ausgiebig. Da wird es nicht nur Probleme für die Zuschauer geben. Auch die Rennfahrer erwarten einen heißen Tanz. Silverstone ist nicht die ideale Strecke für ein Regenrennen. "Die Drainage ist schlecht. Deshalb bleiben selbst bei leichtem Regen Pfützen stehen", urteilte Sebastian Vettel nach dem ersten Trainingstag.

Pedro de la Rosa legte noch einen drauf: "Dadurch, dass die Wiesen voller Wasser sind, fließt auch von außen immer wieder Wasser auf die Piste. Zusammen mit dem, was von oben kommt, ist es einfach zu viel. Die Sicht ist ganz schlecht. Wenn du näher als fünf Sekunden auf den Vordermann aufschließt, siehst du nichts mehr."

In unserer Fotogalerie haben wir die schönsten Bilder der Schlammschlacht und einige Stau-Impressionen...

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