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Warum kam der 2. Rennabbruch beim GP Brasilien?

„Ich wollte heute nicht Charlie sein“

Boxengasse - Unterbrechung - GP Brasilien 2016 Foto: sutton-images.com 65 Bilder

Der GP Brasilien war für die Fahrer eine Zitterpartie. Doch den schwierigsten Job hatte Rennleiter Charlie Whiting. Weil man im Regen alles falsch, aber nur ganz wenig richtig machen konnte. Wir erklären die Entscheidungen der Rennleitung.

16.11.2016 Tobias Grüner 2 Kommentare

TV-Reporter Martin Brundle brachte den Regen-Krimi von Interlagos auf den Punkt. „Ich wollte heute nicht Charlie sein“. Gemeint ist FIA-Rennleiter Charlie Whiting. Der 64-jährige Engländer navigierte das Rennen über 3 Stunden und eine Minute mit 5 Safety-Car-Phasen und zwei Unterbrechungen à 35 und 27 Minuten über die Distanz von 71 Runden. 31 davon hat Safety-Car-Fahrer Bernd Mayländer angeführt.

Der Dauerregen, der mal ein bisschen stärker, mal ein bisschen leichter aus dem bleigrauen Himmel fiel, machte jede Entscheidung zu einem Vabanquespiel. Vor allem mit Rennautos, die nicht mehr geeignet für Regenrennen sind. Die Fahrer machten schnell den Übeltäter aus. Nico Rosberg sprach für alle. „Es liegt an den Regenreifen. Sie verdrängen zu wenig Wasser und kommen einfach nicht mit Aquaplaning klar.“

Rückendeckung für Rennleitung

Der 13. November war so ein Tag, an dem man alles falsch und nur ganz wenig richtig machen konnte. „Jede Entscheidung, die die Rennleitung treffen musste, war extrem schwierig. Es ist leicht Charlie für zu viel Sicherheitsdenken zu kritisieren, wenn man nicht selbst in der Verantwortung steht“, gab Brundle dem FIA-Rennleiter Rückendeckung. „Für meinen Geschmack war der letzte Re-Start nach der ganzen Unfallserie auf der Zielgeraden eher am anderen Limit. Ich habe mich gewundert, dass das Rennen nach dem Massa-Crash noch einmal freigegeben wurde.“

Die Unfälle von Marcus Ericsson und Kimi Räikkönen hätten böse ins Auge gehen können. Bei Räikkönen schrammte die Formel 1 nach Meinung aller haarscharf an einer Katastrophe vorbei.

Der Ferrari stand verkehrt herum auf der Zielgeraden. Wenn Esteban Ocon nicht in letzter Sekunde so wunderbar reagiert hätte, wäre es zu einem Frontalzusammenstoß mit 310 km/h gekommen. Daniel Ricciardos Aussage spricht für sich selbst: „Ich habe Kimis Unfall erst später im Fernsehen gesehen. Dabei passierte er direkt vor meiner Nase.“

Grosjean provoziert Safety-Car-Start

Zu den Entscheidungen der Rennleitung an diesem turbulenten Regentag von Sao Paulo gab es viele Fragen. Wir haben uns die Antworten geholt. Zum Beispiel zu der Frage, warum die Formel 1 beim dritten Regenrennen des Jahres nach Monte Carlo und Silverstone zum dritten Mal hinter dem Safety-Car gestartet ist.

Dazu Whiting: „Wir wollten eigentlich normal starten, weil der Anlauf zur ersten Kurve kurz ist. Aber die Fahrer und Bernd Mayländer haben uns auf ihrer Fahrt zum Startplatz informiert, dass sich doch mehr Wasser auf der Strecke befindet als es zunächst den Anschein hatte. Dann hat uns Grosjean die Entscheidung abgenommen. Es war ein heftiger Crash an einer gefährlichen Stelle nach Aquaplaning.“ Der HaasF1 wurde bei seinem Abflug in Kurve 13 mit 30 g verzögert.

Als Marcus Ericsson in Runde 12 etwas weiter Richtung Start und Ziel das gleiche passierte und der Sauber die Boxeneinfahrt blockierte, musste die Rennleitung für einige Runden die Boxengasse schließen. Max Verstappen hatte das Glück, dass er zu dem Zeitpunkt bereits in den Boxen war. Daniel Ricciardo lag 10 Sekunden hinter seinem Teamkollegen. Er hatte das Pech, dass die Ampel eine Sekunde vor der Linie der Boxeneinfahrt auf Rot umsprang. Den Sportkommissaren waren die Hände gebunden. Ricciardo bekam 5 Strafsekunden.

Ricciardo und Kvyat gaben die neutralsten Informationen

Um den Abbruch nach dem Unfall von Räikkönen gab es keine Diskussionen. Der Ferrari war nicht schnell zu bergen, und es lagen zu viele Trümmerteile auf der Zielgerade. Ein Wrackteil schlitzte selbst nach der Unterbrechung noch einen Reifen von Nico Hülkenberg auf. Warum das Feld nach 35 Minuten Pause aber noch einmal 9 Runden hinter dem Safety-Car abspulte, um das Rennen dann doch wieder zu unterbrechen, kapierte keiner.

Lewis Hamilton und Max Verstappen hatten über Funk auf einen Re-Start gedrängt. Mit den Worten: „Die Bedingungen sind so gut wie noch nie in diesem Rennen.“ Die Zuschauer auf den Tribünen zeigten mit dem Daumen nach unten. Sie verstanden nicht, warum sie ein weiteres Mal 27 Minuten warten mussten, um Autos auf der Strecke zu sehen. Und alle wunderten sich, dass der GP Brasilien dann ein drittes Mal angepfiffen wurde, obwohl es stärker regnete als beim zweiten Abbruch.

Whiting verteidigt seine Entscheidung. „Der Regen hat dauernd seine Intensität verändert. Wir wussten nicht, wo die Reise hingeht. Die Fahrer an der Spitze wollten natürlich, dass es losgeht. Sie tun sich leicht, weil sie ja die beste Sicht haben. Aber es gibt auch noch Fahrer weiter hinten im Feld. Und von denen haben die meisten gesagt, dass die Bedingungen gleich schlecht geblieben sind.“ Die Rennleitung erwähnt dabei lobend die Namen Daniel Ricciardo und Daniil Kvyat. „Sie haben uns die wertvollsten und neutralsten Hinweise gegeben.“

Wegen der unsicheren Lage wollte das Trio Charlie Whiting, Herbie Blash und Laurent Meckies den Zuschauern nicht eine längere Prozession hinter dem Safety-Car zumuten und lieber das Feld in die Boxengasse holen, um auf besseres Wetter und eindeutigere Vorhersagen zu warten. So konnten am Ende mehr Runden im Renntempo abgespult werden.

Sebastian Vettel suchte in der zweiten Pause die Rennleitung auf. Er plädierte dafür, den Grand Prix abzubrechen. Die Gefahr, dass sich weitere Unfälle der Art von Räikkönen und Ericsson ereignen, war seiner Meinung zu groß. Weil auf der ansteigenden Zielgeraden zwischen den Kurve 12 und 1 zu viel Wasser den Berg herunterlief und sich immer wieder überraschende Pfützen bildeten.

Keine Aktion gegen Vettel und Verstappen

Trotzdem ging es weiter. Bei stärkerem Regen aber stabileren Vorhersagen. Tatsächlich ließ die Dauerberieselung zwischen den Runden 43 und 54 etwas nach, nur um am Ende wieder etwas zuzulegen. Prompt kam es zu einem weiteren Unfall auf der Zielgeraden. Diesmal erwischte es Lokalheld Felipe Massa. Viele rechneten damit, dass die Rennleitung sich bis Runde 55 retten wollte, um dann den Grand Prix bei vollen Punkten mit dem Stand der 54. Runde endgültig zu beenden.

Doch man konnte und wollte den 70.000 Zuschauern, die so lange im Regen ausgeharrt hatten, nicht 16 Runden stehlen. Zumal die Prognosen keine dramatische Verschlechterung der Lage ankündigten. Es wurden die besten 16 Runden des Rennens. Nicht nur wegen der Show von Max Verstappen. Selten gab es in der Schlussphase eines Grand Prix so viele Platzverschiebungen. Verstappen fuhr von Platz 14 auf Rang 3. Ricciardo von 13 auf 8. Alonso von 17 auf 10.

Zwei Mal schauten die Sportkommissare genauer hin, ohne eine Untersuchung einzuleiten. Einmal beschwerte sich Alonso über Vettel, das andere Mal Vettel über Verstappen. Beide klagten, der jeweils andere hätte sie neben die Strecke gedrängt.

Tim Mayer, Nish Shetty, Felipe Giaffone und Mika Salo kamen zu einem anderen Schluss. Alonso war an Vettel noch nicht vorbei, als ihm die Straße ausging. Und Verstappen war zu dem Zeitpunkt vorne, als er Vettel neben die Strecke drückte. Jeder war dankbar, dass es kein Nachsitzen am grünen Tisch gab.

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Prösterchen könnte am besten " die Sendung mit der Maus " anschauen!

Epol611 16. November 2016, 19:30 Uhr
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