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Chronologie der Krise

So entbrannte der F1-Machtkampf

Turkish GP Sunday 07/06/09 Foto: Daniel Reinhard 26 Bilder

Am Freitag ist es soweit. Wer fährt 2010 in der Formel 1? Und vor allem: Wer fährt nicht? Maximal 13 Teams wird der Internationale Automobilverband bekanntgeben. So viele sind laut neuem Regelwerk für das nächste Jahr zugelassen.

11.06.2009

Auf erbitterten Widerstand stoßen derweil die Pläne zur Budget-Obergrenze von rund 45 Millionen Euro. Die Teams befürchten eine Zweiklassen-Gesellschaft. Acht der zehn Rennställe verknüpften ihre Nennung mit Bedingungen. FIA-Chef Max Mosley forderte diese jedoch auf, ihre Vorbehalte fallen zu lassen. Der Konflikt zwischen den Parteien schwelt schon seit einigen Monaten. Wir haben die wichtigsten Entscheidungen auf den Weg in die Krise noch einmal zusammengefasst.

17. März: Der Motorsport-Weltrat der FIA beschließt für die Saison 2010 die Einführung einer freiwilligen Budget-Grenze. Zudem soll der Weltmeister anhand der Anzahl der Siege ermittelt werden. Ferrari- Präsident Luca di Montezemolo bezeichnet den Beschluss zwar als "Risiko", ein offizieller Protest aber bleibt aus.

19. März: Di Montezemolo verschärft seine Kritik auf der Ferrari-Website. Die neuerlichen Regeländerungen seien "schlecht für die Glaubwürdigkeit" der Königsklasse, wettert der Scuderia-Chef.

20. März: Nach heftigen Protesten knickt die FIA bei der Weltmeister-Regel ein. In dieser Saison gewinnt wie bisher der Fahrer mit den meisten Punkten den Titel. Die neue Regel wird auf 2010 verschoben.

24. April: Vor dem Großen Preis von Bahrain fordert FIA-Chef Mosley die verärgerten Rennställe auf, eine aus ihrer Sicht akzeptable Regelung für eine Budget-Grenze vorzuschlagen.

29. April: Der Motorsport-Weltrat erhöht das Etatlimit auf rund 45 Millionen Euro, legt die Details der Regel fest und präzisiert Ausnahmen. Di Montezemolo hatte den Beschluss mit einem Brandbrief vergeblich zu verhindern versucht und auf ein Ferrari zugesichertes Veto in Regelfragen verwiesen.

12. Mai: Ferrari droht nach einer Vorstandssitzung mit einem Rückzug aus der Formel 1, wenn die neuen Regeln umgesetzt werden. Tags zuvor hatte Dietrich Mateschitz eine Anmeldung seiner Teams Red Bull und Toro Rosso für 2010 unter dem geplanten Reglement ausgeschlossen.

13. Mai: Auch Renault will aussteigen, wenn die geplanten Regeln nicht geändert werden.

15. Mai: Ein Krisengipfel in London bleibt weitgehend ergebnislos. Mosley gibt den Teams sieben Tage Zeit, einen Gegenvorschlag auszuarbeiten. Während des Treffens wird bekannt, dass Ferrari bei einem Pariser Gericht eine Einstweilige Verfügung gegen die Regelreform erwirken will. Die Scuderia pocht auf ein angebliches Veto-Recht, das ihr Mitsprache in Regelfragen zugestehen soll.

19. Mai: Ferrari präsentiert bei einer Anhörung in Paris seine Argumente.

20. Mai: Das zuständige Pariser Gericht weist den Antrag auf Einstweilige Verfügung ab.

22. Mai: Krisengipfel in Monte Carlo. Nach stundenlangen Beratungen gehen FOTA und Mosley ohne Ergebnis auseinander.
 
24. Mai: Mosley: "Dass eine Lösung gefunden wird, ist sehr sicher."
 
25. Mai: Die Rennställe fordern einen Aufschub des neuen Regelwerks. Sollte die FIA zustimmen und die Königsklasse auch 2010 unter den bislang gültigen Regeln weiterfahren, wollen sich alle Teams im Gegenzug längerfristig an die Formel 1 binden.
 
25. Mai: Williams schert aus. Der englische Rennstall schreibt sich vorbehaltlos und als erstes der zehn aktuellen Teams für die Saison 2010 ein.
 
27. Mai: Wegen seiner Nennung für 2010 wird das Williams-Team vorübergehend aus der FOTA ausgeschlossen.
 
29. Mai: Am letztmöglichen Tag schreiben sich die FOTA-Rennställe ein - allerdings geknüpft an zwei Bedingungen: Ein neues Concorde Agreement muss bis zum 12. Juni unterschrieben sein und gefahren werden muss 2010 unter denselben Regeln wie 2009. Insgesamt sollen sich zehn neue Teams beworben haben.

31. Mai: Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali stellt klar: Lehnt die FIA die FOTA-Vorschläge ab, bleibt die Einschreibung der Teams ein Muster ohne Wert.

3. Juni: Die Hoffnung auf Frieden platzt. Mosley nennt die FOTA-Bedingung nach einem neuen Concorde Agreement bis 12. Juni "unrealistisch".

5. Juni: Es wird bekannt, dass sich auch Force India ohne Bedingungen eingeschrieben hat. Die Zahl der in der FOTA vereinigten Teams reduziert sich auf acht.

7. Juni: Einen Tag vor dem Großen Preis der Türkei schwört die FOTA die Piloten ein. Im Fall einer Spaltung sollen sie ihren Rennställen die Treue halten.

8. Juni: Mosleys Brief an die FOTA-Teams. Inhalt: Die Rebellen sollen ihre Bedingungen fallen lassen. Danach könne man dann auch die Regeln verändern.

10. Juni: Domenicali sagt nach einem FOTA-Treffen: Die Position der Scuderia sei unverändert. Es bleibt bei den Bedingungen. Werde keine Lösung gefunden, könne die FIA Ferrari nicht auf die Teilnehmer-Liste für 2010 setzen. Zugleich kündigt Formel-1-Rechtemitinhaber Bernie Ecclestone einer möglichen Piratenserie bereits den Kampf an.

12. Juni: Tag der Entscheidung: Alle zehn aktuellen Teams, also auch die FOTA-Gruppe, stehen auf der insgesamt 13 Rennställe umfassenden Startliste für 2010. McLaren-Mercedes, BMW-Sauber, Renault, BrawnGP und Toyota werden zu weiteren Gesprächen eingeladen. Sie hatten – wie eigentlich auch Ferrari, Red Bull und Toro Rosso - ihre Bewerbung an Bedingungen geknüpft. Bis spätestens 19. Juni sollen die Teams, die nur unter Vorbehalt gemeldet haben, nach dem Willen der FIA endgültig für 2010 nennen.

13. Juni: Am Tag nach der Bekanntgabe der vorläufigen Starterliste für die kommende Saison trat Fiat-Chef und Ferrari-Präsident di Montezemolo der Darstellung der FIA entgegen, die Scuderia werde 2010 vorbehaltlos dabei sein. "Wir werden nicht an der nächsten Weltmeisterschaft teilnehmen, wenn die Regeln so bleiben und Ferraris Rechte nicht berücksichtigt werden", sagt di Montezomolo in Le Mans.

15. Juni: Die FIA schreibt in einer Presseerklärung: "Es gibt eindeutig ein Element in der FOTA, das entschlossen ist, jegliche Einigung zu verhindern, ohne Rücksicht auf den Schaden, den dies auf den Sport haben könnte." Der Verband sei davon ausgegangen, am Donnerstag (11. Juni) an einem "sehr konstruktiven Meeting" mit FOTA-Vertretern teilgenommen zu haben, bei dem es in weiten Teilen zu Übereinstimmungen gekommen sei. Die FOTA lehnt eine Stellungnahme ab.

16. Juni: Gleich mit zwei Mitteilungen wendet sich die FIA an die Öffentlichkeit. Ein Treffen von Finanzexperten der FIA und der FOTA einen Tag zuvor sei ohne Ergebnis geblieben, schreibt die FIA. Die diskutierten Vorschläge der FOTA zur Kostenreduzierung seien nicht ausreichend: "Die Finanzregeln der FIA bleiben daher wie veröffentlicht." Im zweiten Schreiben des Tages bezichtigt die FIA die FOTA, die Hoheit über die Regeln und die kommerziellen Rechte an sich reißen zu wollen.

19. Juni: Die FOTA kündigt offiziell an, sich nicht für die Formel 1 WM einzuschreiben und plant stattdessen eine eigene Alternativserie. Die FIA reagiert in einer Pressemitteilung enttäuscht, aber nicht überrascht.

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