Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Concorde Abkommen

Spezialservice für Ferrari und Red Bull?

Bernie Ecclestone Foto: dpa

Offiziell beginnen die Verhandlungen über das nächste Concorde Abkommen zwischen Bernie Ecclestone, der FIA und den Teams erst im Januar. Jetzt gibt es aber Stimmen, dass Ecclestone mit Ferrari und Red Bull bereits private Abkommen getroffen hat, und dass beide Teams auch deshalb die FOTA verlassen haben.

23.12.2011 Michael Schmidt

Die Formel 1-Gemeinde hat sich auf ein heißes Jahr gefasst gemacht. Ende 2012 läuft das Concorde Abkommen zwischen den Teams, dem Weltverband FIA und dem Inhaber der kommerziellen Rechte aus. Dieser Vertrag regelt die Vergütung der Teams aus den Einnahmen von Bernie Ecclestone und er legt fest, nach welchem Procedere die FIA die Regeln ändern darf. In der Vergangenheit war die Abfassung eines neuen Concorde Abkommens stets mit Schmerzen verbunden. Meist ging einer Einigung monatelanger Streit voraus.

Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo war bei der Frage nach der Neufassung des Concorde Abkommens ab 2013 kurz angebunden: "Wir beginnen im Januar mit den Verhandlungen." Die Teams wollen von Bernie Ecclestone mehr Geld. Bis jetzt werden 50 Prozent aller Einnahmen aus Antrittsgeldern, TV-Rechten, Streckenwerbung, Paddock Club, Lizenzen und Merchandising an die Teams nach einem geheimen Schlüssel ausgeschüttet. Er richtet sich nach dem Ergebnis der beiden zurückliegenden Weltmeisterschaften und der Zugehörigkeit des jeweiligen Rennstalls in der Formel 1. Ferrari hat Sonderrechte und streicht schon einmal fünf Prozent der Ausschüttung ein, bevor diese auf die restlichen Teams verteilt wird.

Spezialabkommen mit Ferrari und Red Bull

Ferrari-Chef di Montezemolo hatte im Laufe des vergangenen Jahres mehrfach angedeutet, dass den Teams 70 Prozent der Einnahmen zustünden und man notfalls eine Erhöhung der Ausschüttung erstreiten würde. Ecclestone dagegen blieb hart. In einem Interview mit auto motor und sport im Mai dieses Jahres erklärte er: "Die Teams wollten schon bei den letzten fünf Concorde Abkommen mehr Geld. Null Chance, dass sie 70 Prozent bekommen. Sie sollten happy sein, mit dem was sie haben."

Zu dem Zeitpunkt musste der Formel 1-Chef noch fürchten, dass diesmal ein mächtigerer Gegner am Verhandlungstisch sitzt als in der Vergangenheit. Im Juli 2008 hatten sich die Teams in der FOTA organisiert. Sie wollten auch bei den Verhandlungen ums Geld mit einer Stimme sprechen. Die alte Taktik von Ecclestone, die Rennställe auseinanderzudividieren, drohte zu scheitern. Um so mehr wird ihn gefreut haben, dass Anfang Dezember mit Ferrari, Red Bull und Sauber gleich drei Teams aus der FOTA ausgetreten sind.

Jetzt mehren sich Stimmen, dass Ecclestone mit seinen Hauptdarstellern Ferrari und Red Bull bereits seperate Verträge für die Zeit nach 2012 abgeschlossen hat. Und dass dieses Abkommen einer der Gründe dafür sei, warum Ferrari und Red Bull aus der FOTA ausgetreten sind. Montezemolo besteht zwar darauf, dass der Austritt eine Reaktion darauf gewesen ist, dass die FOTA im Technikstreit um den angeblasenen Diffusor und die Ressourcenbeschränkung keine Einigung gefunden habe, doch das kann auch nur ein willkommener Vorwand sein. Mit der Fortführung der Spezialbehandlung im Concorde Abkommen hätte sich Ferrari erneut den größten Anteil am Kuchen gesichert. Den Einwand, dass eine zerschlagene FOTA bei den Verhandlungen mit Ecclestone auf schwachen Füßen stünde, wischte di Montezemolo mit der Bemerkung weg: "Ob als Gruppe oder einzeln: Wir werden zu einer Einigung kommen."

Red Bull könnte mit einem ähnlichen Angebot wie Ferrari geködert worden sein. Würde sich diese These bewahrheiten, wäre ein Verbleib von Ferrari und Red Bull in der FOTA nicht mehr möglich gewesen. Die anderen Teams würden es nicht akzeptieren, wenn zwei ihrer Mitglieder bei der Frage der Geldverteilung zu ihrem Nachteil ausscheren.

Für Ecclestone hat sich diese Strategie schon einmal bezahlt gemacht. Als die Automobilhersteller zwischen 2001 und 2006 mit einer eigenen Rennserie drohten, holte er sich heimlich Ferrari ins Boot. Als Gegenleistung bot er Maranello einen Spezialservice an. Später machte er mit Williams das gleiche. Damit war die Front der Werke aufgebrochen. Ohne Ferrari und Williams machte eine eigene Meisterschaft keinen Sinn. Auch diesmal hätte der Formel 1-Zampano einer Seperatistenbewegung das Licht abgedreht, bevor überhaupt einer auf den Gedanken kommen könnte, sich mit einer Piratenserie von Ecclestone loszusagen. Mit Ferrari, Red Bull und seinem Satellit ToroRosso würden einer Konkurrenzserie gleich drei Teams fehlen.

FIA will auch mitreden

Möglicherweise machen die Teams und Ecclestone aber die Rechnung ohne den Wirt. Auch die FIA will in Zukunft mehr an der Formel 1 verdienen. Es gibt Kreise im Verband, die behaupten, man habe die TV-Rechte für die nächsten 100 Jahre zu billig an Ecclestone verkauft. Die FIA kann durchaus ein Faustpfand in die Schlacht werfen. Wenn sie das Concorde Abkommen nicht unterschreibt, hat sie freie Hand bei der Regelfindung. Dann ist sie ab 2013 nicht mehr an einen Vorlauf von zwei Jahren und die Zustimmung der Teams gebunden, sondern kann die Regeln ändern, wie es ihr passt. 

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden