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Bernie Ecclestone  Jean Todt 2012 Zoom

Neues Concorde Abkommen: FIA-Präsident Todt setzt auf Vernunft

Das neue Concorde Abkommen ist immer noch nicht unterzeichnet. Die Teams wollen nachverhandeln. FIA-Präsident Jean Todt ist mit dem zuletzt vorgestellten Entwurf zufrieden. Er könnte schon morgen unterschreiben.

Es ist eine lange Geburt, das neue Concorde Abkommen, das bis 2020 gelten soll. Allein bis alle Teams mit den finanziellen Bedingungen einverstanden waren, verging ein halbes Jahr. Mercedes unterschrieb erst am 26. September, drei Tage nach dem GP Singapur. Marussia und HRT hatten bis zum GP Abu Dhabi immer noch keinen Vertrag.

Red Bull, Ferrari, McLaren und nach langen Verhandlungen auch Mercedes genießen finanzielle Sonderrechte. Ihnen wird die Auszahlung für Platz drei respektive vier garantiert, auch wenn sie in der WM schlechter platziert sind. Eigentlich verkehrte Welt. So werden die Reichen noch reicher und die Armen noch ärmer.

Regelfindung als Streitpunkt

Als Herkulesaufgabe erweist sich der Abschluss des zweiten Teils des Concorde Abkommen. Und da dreht sich alles um das Prozedere der Regelfindung. Damit verknüpft sind die Einschreibegebühren der Teams für die FIA und die Kostenkontrolle. Bernie Ecclestone und FIA-Präsident Jean Todt präsentierten den Teams in der Woche vor dem GP Indien die Rahmenbedingungen des siebten Concorde Abkommen nach 1981, 1987, 1992, 1997, 1998 und 2009.

Die Teams sollen deutlich mehr Geld an die FIA bezahlen. Von 500.000 Dollar Fixum ist die Rede, von 5.000 Dollar pro WM-Punkt. Der Weltmeister bezahlt 6.000 Dollar pro Punkt. Auch die Inhaber der kommerziellen Rechte werden nach diesem Modell stärker zur Kasse gebeten. Um angeblich mehr als das Doppelte. Jean Todt rechtfertigt sich: "Unser Service kostet Geld. Die FIA muss sich finanzieren. Es ist ein gerechter Schlüssel. Ein Team wie HRT zahlt nicht mehr als bisher. Und wenn die reichen Teams etwas mehr abdrücken, ist das sozial verträglich."

Kritiker behaupten, dass Bernie Ecclestone damit die FIA gekauft habe, weil er auf diesem Weg den Regelfindungsprozess installieren kann, der ihm alle Karten in die Hand spielt. Todt bestreitet das. Er verweist darauf, dass die künftigen Strukturen extrem demokratisch sind. Die Arbeitsgruppen der Technikchefs und Teammanager haben weiter Bestand. Sie können jedoch nicht mehr über Vorschläge abstimmen, die dann bei der Formel 1-Kommission eingereicht werden. Sie können nur noch Vorschläge machen.

Über die stimmt dann die neu geschaffene Strategiekommission ab. Die besteht aus sechs Teams, sechs FIA-Vertretern und sechs Repräsentanten des kommerziellen Rechteinhabers. Fünf der sechs Teams stehen fest: Red Bull, Ferrari, McLaren, Mercedes und Williams. Der sechste Rennstall ist der mit den meisten Punkten außerhalb dieser Gruppe. 2013 also Lotus.

Unklare Machtverhältnisse in der F1-Kommission

Die Vorschläge der Strategiegruppe werden bei der Formel 1-Kommission eingereicht. Zu der sollen alle Teams zählen, die im Vorjahr WM-Punkte gesammelt haben, auf jeden Fall aber die sechs aus der Strategiekommission. Dazu sechs Veranstalter, ein Motorenvertreter, Jean Todt und Bernie Ecclestone. Wenn man sich die Kräfteverhältnisse in den Gruppen so ansieht, dann werden die Teams das Zünglein an der Waage sein. "War das nicht immer so", fragt Todt in die Runde.

Darüber, zu welchem Lager man die einzelnen Rennställe zuordnen kann, wird im Fahrerlager eifrig diskutiert. Red Bull und Toro Rosso gelten als klare Ecclestone-Teams. Williams auch, weil der Rennstall aus Grove für die Unterschrift unter das neue Concorde Abkommen eine zweistellige finanzielle Zuwendung erhalten haben soll. McLaren ist ein Grenzfall. Ecclestone hatte über die Partner in Bahrain bei McLaren Druck gemacht, dem neuen Concorde Abkommen beizutreten. Andererseits genießt der Rennstall aus Woking einen finanziellen Sonderstatus.

Ferrari, Mercedes, Sauber, vielleicht auch Caterham werden der FIA zugeordnet. Lotus und Force India sieht man eher im Ecclestone-Lager, denn Bernie hat beiden Teams schon einmal aus finanziellen Verlegenheiten geholfen. Das schafft Abhängigkeiten. Todt macht sich keine Sorgen, dass seine Fraktion in der Minderheit ist: "Die Zahl der Vernünftigen überwiegt unter den Teamchefs. Sie werden für die bessere Lösung stimmen. Sollte das nicht mit unserer Lösung übereinstimmen, dann vielleicht, weil unsere Lösung schlecht war."

Einige Teams haben Bauchweh bei der Vorstellung, vielleicht eines Tages nicht mehr zu denen zu gehören, die mitbestimmen. Und sie fragen sich: Was passiert, wenn Bernie Ecclestone einmal nicht mehr da ist, zum Beispiel wenn er Probleme mit der deutschen Justiz bekommt? Wen schickt uns dann CVC als Nachfolger? Vielleicht einen, der nur noch ans Abkassieren und die Show denkt und nicht mehr an den Sport?

Budget-Deckel aktuell kein Thema

Die Ressourcenbeschränkung fand bei der Präsentation von Ecclestone und Todt kaum Erwähnung. Viele Teams haben Angst, dass dieses Thema in Vergessenheit gerät und dass sich Red Bull mit seiner Blockadetaktik durchgesetzt hat. Dabei ist eine Budgetdeckelung wichtiger denn je. Acht der zwölf Teams sind ernsthaft krank.

Todt verspricht, dass die Frage der Kostenkontrolle sofort auf die Agenda kommt, wenn das Concorde Abkommen einmal unterzeichnet ist. "Wir könnten morgen unterschreiben. An der FIA liegt es nicht. Ich weiß, wie wichtig es ist, die Kosten zu senken. Deshalb werden wir auch dafür kämpfen."

Ecclestone machte den Vorschlag einer Budgetgrenze von 250 Million Dollar, Fahrergehälter inklusive. Ein Jahr später soll die Grenze auf 150 Millionen fallen. Ein Teamchef entgegnet: "250 Millionen sind eine Lex Red Bull und völlig weltfremd. Wenn schon eine Startgrenze, dann 150 Millionen."

Da kann man nur zustimmen. In den Büchern des Londoner Handelsregisters kann man dazu zwei interessante Zahlen lesen. Abu Dhabi-Sieger Lotus hat 2010 und 2011 eine Summe von 60 Millionen Pfund an Außenständen angehäuft. Bei Marussia sind es 49 Millionen Miese. McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh beschwört eine schnelle Einigung in der Kostenfrage: "Wir müssen da auf einen gemeinsamen Nenner kommen, bevor es zu spät ist. Fällt einer um, kann es schnell auch andere treffen."

Michael Schmidt

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xpb

Datum

10. November 2012
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