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Concorde Agreement

Der Friedensvertrag ist unterzeichnet

GP Ungarn Foto: Wolfgang Wilhelm 51 Bilder

++ Update ++ Am 1. August hat FIA-Präsident Max Mosley als Letzter das Concorde Abkommen bis Ende 2012 ratifiziert. Damit kann die Formel 1-WM drei Jahre lang in Frieden leben. Es war ein langer Weg bis zu dem fünften Aufguss des Concorde Abkommens.

03.08.2009

Es ist vollbracht. Eineinhalb Jahre sind ins Land gezogen, bis die Streitparteien der Formel 1 ihr fünftes Concorde Abkommen abgesegnet haben. FIA-Präsident Max Mosley setzte am 1. August als letzter seine Unterschrift unter den Vertrag, der nun bis zum 31. Dezember 2012 läuft. Dazwischen lagen 18 Monate Streit bis hin zur Aufspaltung in zwei Rennserien.

Das Concorde Abkommen ist eine Art Grundgesetz zwischen den Teams, dem Automobilweltverband FIA und den Inhabern der kommerziellen Rechte. Er regelt den Reglementsfindungsprozess, das Procedere bei Streitfällen und die Auszahlung an die Teams aus dem Einnahmentopf der Formula One Administration, kurz FOA, genannt. Im Concorde Abkommen garantieren die Teams, dass sie bis zum Vertragsende in der Formel 1-WM antreten. Bislang sind zwölf Teams eingeschrieben.
 
Unterschrift vom Sauber-Team fehlt noch
 
Nach dem Rücktritt von BMW fehlt noch die Unterschrift des Sauber-Rennstalls. BMW versucht das Team zu verkaufen. Angeblich gibt es drei ernsthafte Interessenten. Einer davon könnte der malaysische Ölkonzern Petronas sein, ein anderer Ex-Rennfahrer Nelson Piquet mit einem brasilianischen Sponsorenkonsortium. Als dritte Möglichkeit wird der Schweizer Finanzinvestor Fritz Kaiser genannt, der in den Neunziger Jahren Partner von Peter Sauber war. Das Team hat noch bis Mittwoch Frist, das Concorde Abkommen zu zeichnen.
 
Das Concorde Abkommen geht auf das Jahr 1981 zurück. Es war der Friedensvertrag unter einen zwei Jahre lang schwelenden Krieg zwischen den Teams und dem Verband. Bernie Ecclestone und Max Mosley kämpften damals schon vereint, jedoch auf der anderen Seite. Sie betrieben die Gründung einer eigenen Serie außerhalb des Einflussbereiches der FIA. Die Privatteams wollten sich gegen die mit der FIA verbündeten Automobilhersteller abschotten. Als Antwort auf die überlegenen Turbomotoren der Werke forderten sie aerodynamische Freiheiten, denn auf diesem Gebiet wähnten sich die englischen Garagisten im Vorteil. Ecclestone erinnert sich: "Wir haben der FIA und den Herstellern vorgegaukelt, einen eigenen Grand Prix zu veranstalten. Nur wusste keiner von uns, mit welchem Geld."
 
Abkommen wurde am Place de la Concorde unterzeichnet

 
Der damalige FIA-Präsident Jean-Marie Balestre fiel auf den Bluff herein und akzeptierte einen Kompromiss. Weil das Abkommen am Place de la Concorde mitten in Paris unterzeichnet wurde, lag der Name auf der Hand. In den letzten 28 Jahren wurde der Vertrag drei Mal (1987, 1992, 1998) ratifiziert, und jedes Mal war es mit Schmerzen verbunden. Die Geburtswehen waren immer die gleichen. Die Teams forderten mehr Geld und größeren Einfluss in Reglementsfragen. Als Bernie Ecclestone die Formel 1 verkaufte, kam eine dritte Macht hinzu. Die kommerziellen Rechte liegen heute bei CVC
Capital Partners, einer privaten Beteiligungsgesellschaft. Sie betreibt über ihre Töchter FOA (Formula One Administration) und FOM (Formula One Management) das Formel 1-Geschäft. Bernie Ecclestone ist ihr Verhandlungsführer.
 
Die Verlängerung des Ende 2007 auslaufenden Concorde Abkommens verzögerte sich. Diesmal stand die FIA auf der Bremse. Sie wollte ihre Macht vergrößern, um bei Reglementsänderungen freier handeln zu können. Mosley war es leid, bei großen Entscheidungen jedesmal die Teams konsultieren zu müssen. Umso mehr, als die Teams mit der FOTA einen schlagkräftigen Gegenpol zur FIA gründeten. "Die FOTA war die Antwort auf Mosleys Willkür", giftete Renault-Teamchef Flavio Briatore. Das gemeinsame Feindbild Mosley schweißte die Teams zum ersten Mal in der Geschichte der Formel zusammen. Mosley und Ecclestone mussten erkennen, dass das alte Teile-und-Herrsche Prinzip nicht mehr funktioniert.
 
Bei CVC entschied das Concorde Abkommen über Sein oder Nichtsein. Ohne die Bestandsgarantie ist die Formel 1 ein wertloses Markenzeichen. CVC hatte die Formel 1 2006 mit einem Kredit von 1,1 Milliarden Dollar gekauft. Weil das Geschäft unerwartet hohe Gewinne abwarf, wurde zwei Jahre später eine weitere Milliardenschwere Hypothek auf die Aktie aufgenommen. Die Schulden von insgesamt über drei Milliarden Dollar wurden auf dem Finanzmarkt weiterverkauft, so dass die Formel 1 heute einer Handvoll von Investmentfirmen gehört. CVC steht unter dem Druck regelmäßiger Zahlungen, die aber nur dann fließen können, wenn die Formel 1 gesund ist.
 
Eine Formel 1 light hätte den Wert der Aktie auf null reduziert

 
FIA-Präsident Max Mosley hatte seinen eigenen Plan. Ohne die Fesseln des Concorde Abkommens wollte er der Formel 1 einen Sparkurs verordnen - seinen Sparkurs. Kein Team sollte mehr als 45 Millionen Euro pro Jahr ausgeben dürfen. Die Teams kämpften dagegen an, als stünde die Pest vor den Toren des Fahrerlagers. Sparen ja, aber bitte nach eigenen Regeln. Sie drohten der FIA und CVC mit einer eigenen Serie, wohl wissend, dass die Inhaber der kommerziellen Rechte einknicken würden. Eine Formel 1 light ohne die großen Namen hätte den Wert der Aktie auf null reduziert. CVC signalisierte der FOTA, bei einer Konkurrenzserie im gleichen Boot rudern zu wollen. Die akzeptierte, da eine Abspaltung teure Rechtsstreitigkeiten nach sich gezogen hätte. Damit hatten die Teams eine Trumpfkarte in der Hand, die sie gegen die FIA ausspielen konnten. Der Verband wäre am Ende mit einer Handvoll kleiner Teams und dem Logo Formel 1 dagestanden.
 
Mosley versprach seinen Rücktritt und akzeptierte das Sparmodell der Teams. Nicht ohne seinen Widersachern zwei Zugeständnisse abzuringen. Die Teams mussten einen Kostenreduzierungs-Vertrag unterschreiben, in dem sich gegenseitig zum Sparen verpflichten. Williams spielt dabei Mosleys verlängerten Arm. Der englische Rennstall, der von der FOTA suspendiert worden war, passte bei der Abfassung des Kostenreduzierungsplanes genau auf, dass die großen Teams nicht Schlupflöcher einbauen, um den Sparplan in wirtschaftlich besseren Zeiten wieder aufzuweichen. Gegen den Willen der Autokonzerne setzte Williams für Änderungen an den Finanzvertrag ein einstimmiges Votum durch. Die Hersteller wollten auf Basis der Mehrheit Paragrafen umschreiben können.
 
Privatteams werden bei der Auszahlung besser gestellt

 
Auch im Concorde Abkommen selbst gab es Änderungen. Die Privatteams werden bei der Auszahlung aus Ecclestones Kasse zu Lasten der großen Teams besser gestellt. Ecclestone zahlt an die drei Neubewerber Campos, ManorGP und USF1 zwei Jahre lang eine Anschubfinanzierung von jeweils zehn Millionen Dollar. McLaren-Mercedes, BMW-Sauber, Renault, Toyota und BrawnGP als Honda-Nachfolger bekommen die seit Januar eingefrorenen Gelder in Summe von 200 Millionen Dollar zurück. Für WM-Spitzenreiter BrawnGP eine willkommene Geldspritze. Demnächst klingeln 35 Millionen Dollar in der Kasse. Die Entscheidungsprozesse für Reglementsänderungen laufen wieder über die technische und sportliche Arbeitsgruppe, die Formel 1-Kommision und den FIA-Weltrat. Die Formel 1-Kommssion wurde auf 20 stimmberechtigte Mitglieder abgespeckt, wobei die Teams zehn, die FIA und FOA je fünf Stimmen haben.
 
Mit dem Ende des Krieges kehrt Frieden ein. Aber nur bis 2012. Auch das sechste Concorde Abkommen wird wieder eine Hürde, die den Sport ins Wanken bringen könnte. Die Teams fordern ab 2013 von den Rechteinhabern einen größeren Anteil am Kuchen. Ihnen schweben 75 Prozent der Einkünfte zu. CVC sitzt aber mindestens noch bis 2014 auf den hohen Tilgungsraten ihrer Darlehen. Die FIA plant ab 2013 eine neue Motorenformel, um die Hybridtechnologie in das Antriebskonzept zu integrieren. Das kostet Geld. Drei Anlässe, sich wieder nach Kräften zu streiten.

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