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Cosworth in der Formel 1

Zukunft auch mit zwei Teams gesichert

Cosworth-Motor Foto: xpb 20 Bilder

Cosworth muss bis 2014 einen Sechszylinder entwickeln. Cosworth verliert Williams an Renault. Trotzdem will die Motorenschmiede aus Northampton langfristig in der Formel 1 bleiben, wie Geschäftsführer Mark Gallagher verrät.

14.07.2011 Michael Schmidt

An dem Tag, an dem Williams seinen Motorendeal mit Renault ab 2012 verkündete, schrumpfte die Kundschaft von Cosworth von drei auf zwei Teams. Viele hörten da bereits die Totenglocken für den Motorenhersteller aus Northampton, der 1967 in der Formel 1 debütierte und mit seinen Triebwerken seitdem 176 Grand Prix gewonnen hat. Hin und wieder unter dem Namen Ford.

Erst verabschiedete sich Lotus. Jetzt Williams. Beide Richtung Renault. Die Frage aller Fragen ist: Kann Cosworth mit Virgin und Hispania überleben? Geschäftsführer Mark Gallagher sagt: "Wir können." Sein Kollege Tim Routsis hatte die Kundendeals bei der Rückkehr in die Formel 1 2010 auf eine finanzielle Basis gestellt, die unabhängig von der Zahl der Kunden ist.

Jeder Cosworth-Deal muss Geld einspielen

Gallagher erklärt das Prinzip: "Wir betrachten unsere Kundenverträge als separate Deals. Jedes dieser Geschäfte hat festgelegte Kostenstellen: Motoraufbau, Unterstützung an der Strecke, Weiterentwicklung bei der Standfestigkeit, individuelle Anpassungen an die Autos. Darüber steht bei jedem Deal ein Gewinn. Wir werden 2012 statt drei Mal einen Profit nur zwei Mal einen verbuchen können. Das ist der einzige Unterschied."

Routsis war nicht ohne Grund so weitsichtig, das Überleben von Cosworth nicht von der Zahl der Kunden abhängig zu machen. "Wir haben 2010 hauptsächlich neue Teams beliefert. Da wusste keiner, ob die überleben würden. Es wäre unvernünftig gewesen, einen Zusammenbruch eines dieser neuen Teams nicht einzukalkulieren. Williams war als viertes Team für uns eher eine Zugabe", erzählt Gallagher.

Williams-Abgang keine Überraschung

Dass Williams bei der erst besten Gelegenheit abspringen würde, war für den Cosworth-Manager keine Überraschung. "Adam Parr hat uns immer reinen Wein eingeschenkt. Er sagte von Anfang an: Bei der ersten Chance, bei der wir zu einem Automobilhersteller ins Boot können, sind wir weg." Cosworth weiß, dass man bei Entwicklungen an der Peripherie des Motors mit Ferrari, Mercedes und Renault nicht mithalten kann. Das zeigt sich im Auspuffkrieg. Cosworth kann nur kalt anblasen. Für die Technik des heiß Anblasens fehlt das Geld.

Eher schon war man in Northampton darüber erstaunt, dass die FIA Renaults vierten Kundendeal einfach so durchgewinkt hat. Eigentlich sind den Autokonzernen mehr als drei Kunden untersagt. Es sei denn, die FIA gibt ihre Zustimmung. Das hätte allerdings zuvor in der Formel 1-Kommission besprochen werden müssen. Was nicht passiert ist.

Böswillige Beobachter vermuten politische Grüne hinter dem Segen der FIA. Die Zustimmung zu Renaults Expansionsplänen kam, als sich Renault als einziger Hersteller für den R4-Turbo stark machte, während Cosworth mit seinen Finanzierungsproblemen die schöne neue Vierzylinder-Welt des Verbandes ins Wanken brachte. Sollte es so gewesen sein, wäre das ziemlich kurzsichtig. Die Formel 1 braucht einen unabhängigen Motorenhersteller, weil man sich auf die Autokonzerne erfahrungsgemäß nicht verlassen kann.

Kostenbremse für Sechszylinder-Entwicklung

Das führt automatisch zur nächsten Fragen. Warum unterstützt Cosworth die V6-Kampagne der Teams, wenn man sich die Entwicklung eines Vierzylinder-Motors nicht leisten kann? Was ist an einem V6-Turbo billiger? Gallagher nennt zwei Gründe: "Für den Vierzylinder gab es keine Kostenbremse. Die großen Hersteller haben mit mindestens 60 Millionen Euro Entwicklungskosten gerechnet. Das war für uns, die wir von den Zahlungen unserer Kunden abhängig sind, nicht darstellbar."

"Bei dem V6-Projekt gibt es für alle verbindliche Entwicklungsbeschränkungen. Die Anzahl der Prüfstandsstunden, der CFD-Nutzung, die Höhe der Entwicklungskosten und die Menge der Motoren wird genau festgelegt. Im September werden diese Zahlen abgesegnet. So sind auch für uns die Kosten überschaubar. Außerdem haben wir eine Kundengarantie. Ferrari, Mercedes und Renault verpflichten sich, dass uns mindestens zwei Kunden bleiben. Ideal wären natürlich drei. So können wir vernünftig rechnen."

Renault oder Force India mit Cosworth?

Die wichtigste Aufgabe für Gallagher ist es momentan, die Verträge mit Virgin und Hispania für das Jahr 2013 zu verlängern. Ob es im nächsten Jahr noch einen Überraschungspartner gibt, darüber will sich Gallagher nicht äußern. Tatsache ist, dass der Ex-Rennstall von Renault bereits mit Cosworth gesprochen haben, auch wenn Teamchef Eric Boullier offiziell entsprechende Gerüchte dementiert.

Vielleicht ist er bald dazu gezwungen. Angeblich gibt es bei Renault immer noch Außenstände, und Paris ist nicht sonderlich glücklich darüber. Der neue Liebling heißt Williams. Cosworth und Group Lotus, die bei Renault Hauptsponsor ist, arbeiten bereits in der GT-Serie eng zusammen.

Auch Force India könnte mittelfristig ein Partner von Cosworth werden. Der Mercedes-Support ist teuer. Force India bezahlt an Stuttgart neun Millionen Euro für die Motoren und weitere fünf für das KERS. Bei Cosworth gibt es den V8-Service für knapp sechs Millionen. KERS könnte man dann für eine Million bei Williams einkaufen.

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