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Williams mit Renault-Motoren?

Cosworth pocht auf Vertrag mit Williams

Patrick Head Mark Gallagher Foto: xpb 37 Bilder

Die französische Zeitschrift "Auto Hebdo" berichtet, dass Williams 2011 auf Renault-Motoren umsteigt. Cosworth dementiert und pocht auf einen Dreijahresvertrag mit Williams. Die Motorenschmiede hat ein Programm gestartet, die Kinderkrankheiten des Motors abzustellen.

21.06.2010 Michael Schmidt

In seinem Fundament ist der Cosworth-Motor vier Jahre alt. Als er 2006 auf den Markt kam, war der Achtzylinder eine Sensation. Der Cosworth V8 durchbrach als erster Formel 1-Motor die 20 000/min Schallmauer. Noch vor Mercedes, Renault oder Ferrari. Doch dann ging den Motorenbauern aus Northampton das Geld aus. Ende 2006 sperrte man zu.

Cosworth hatte Probleme beim Neustart

Die FIA hat Cosworth wiederbelebt. Um unabhängiger von den Automobilwerken zu werden, half der Weltverband Cosworth zurück in die Formel 1. Zehn Ingenieure brachten über den Winter den Cosworth V8 von 2006 auf den aktuellen Stand. Das hieß:
Reduzierung der Drehzahl von 20.000 auf 18.000/min, Absenkung des Benzinverbrauchs, Verdoppelung der Lebensdauer auf über 2.000 Kilometer pro Triebwerk. Mit 5,5 Millionen Euro Leasinggebühr pro Team ist der Cosworth-Motor das billigste Triebwerk im Feld. Die Aggregate von Mercedes, Ferrari und Renault kosten neun Millionen Euro pro Saison.

Der Neustart begann mit Schwierigkeiten. Hinter vorgehaltener Hand berichtete die Cosworth-Kientel von starkem Leistungsabfall jenseits der 1.500-Kilometer-Marke, von hohem Benzinverbrauch und von einem Leistungsloch bei 14.000/min, was vor allem in der Anfangsphase eines Grand Prix ein Handikap war. Mit vollen Tanks und hohem Gewicht wird öfter in dem Bereich gefahren als bei einer Qualifikationsrunde und Minimalbetankung.

Wechselt Williams zu Renault-Motoren?

Die französische Autozeitschrift "Auto Hebdo" will erfahren haben, dass Cosworths wichtigster Kunde Williams wegen enttäuschender Ergebnisse den Absprung zu Renault plant. Cosworth-Manager Mark Gallagher bestreitet das: "Wir haben mit Williams einen Dreijahresvertrag und keinerlei Hinweise, dass Williams dieses Vertragsverhältnis auflösen will." Im Gegenteil: Cosworth wünscht sich für 2011 neben Williams, Lotus, VirginF1 und Hispania einen fünften Kunden. Dazu Gallagher: "Mit einer Ausnahme haben alle Bewerber für den 13. Platz im Feld bei uns angefragt. Wir haben die Kapazität, fünf Teams mit Motoren zu versorgen."

Die Ausnahme unter den Bewerbern ist ART. Man nimmt an, dass der Rennstall von Nicolas Todt mit Ferrari-Motoren liebäugelt. Was nach derzeitigem Stand allerdings einer Ausnahmeregelung bedürfte. Hersteller sollen nach dem Wunsch der FIA maximal drei Teams beliefern. Ferrari hat neben sich selbst mit ToroRosso und Sauber aber bereits drei Abnehmer.

Cosworth nimmt gegenüber auto-motor-und-sport.de Stellung

Mark Gallagher nahm in einem Gespräch mit auto-motor-und-sport.de zu der Kritik an seinem Motor Stellung. Zunächst verweist er auf den Faktor Standfestigkeit: "Wir haben bis jetzt mit unseren vier Kunden 30.000 Kilometer abgespult und mussten nicht einen einzigen Schaden beklagen. Zwei Mal mussten unsere Teams den Motor vorzeitig abstellen, weil die Triebwerke wegen Verlust von Kühlwasser zu heiß liefen." Das Problem der Fahrbarkeit im Bereich von 14.000/min gibt Gallagher zu. "Da hat uns Barrichello sehr geholfen. Sein Feedback war unheimlich wichtig für uns. Er kennt mit seiner Erfahrung viele Triebwerke und kann gut vergleichen. Nach seiner Meinung liegen wir in Bezug auf die Spitzenleistung im Bereich des letztjährigen Mercedes-Motors. Er hat uns aber früh gewarnt, dass es im mittleren Drehzahlbereich ein Power-Loch gibt, das sehr störend ist. Wir haben inzwischen durch Neuprogrammierung der Kennfelder Abhilfe geschaffen. Und unsere Kunden haben durch eine andere Abstufung der Gänge ebenfalls mitgeholfen, das Problem zu lösen."

Auch der Leistungsverlust jenseits der 1.500-Kilometer-Marke ist laut Gallagher im Griff. Angeblich haben ältere Cosworth-Motoren bis zu 50 PS verloren. "Es stimmt, dass die Motorleistung oberhalb von 1.500 Kilometern beeinträchtigt war. Wir haben die Ursache gefunden, einen Lösungsvorschlag bei der FIA zur Anzeige gebracht und mittlerweile die Erlaubnis, das entsprechende Bauteil zu ändern." Man nimmt an, dass es sich um die Kolbenringe handelt.

Benzinverbrauch hat sich verbessert

Auch beim Benzinverbrauch hat sich Cosworth nach Gallaghers Aussage stark verbessert. "Man wird das beim nächsten Rennen in Valencia sehen, einer Strecke, die stark auf den Benzinverbrauch geht." Gallagher lobt seine Partner: "Da haben BP und Castrol mit Entwicklungen auf dem Benzin- und Ölsektor gute Arbeit geleistet." Williams-Technikpapst Patrick Head nimmt Cosworth beim Thema Benzinverbrauch in Schutz: "Cosworth hat über den Winter hauptsächlich daran gearbeitet, den Motor von 2006 auf 18.000/min zurückzutunen. Da blieb nicht mehr soviel Zeit, sich auch noch um den Spritverbrauch zu kümmern. Mercedes, Renault Ferrari konnten sich wegen des Entwicklungsstopps viel intensiver mit dem Thema Verbrauch befassen."

Nach Einschätzung von Gallagher liegt Cosworth voll im Zeitplan: "Nach drei Jahren Pause fehlte uns Streckenerfahrung. Das holen wir Schritt für Schritt auf. Wenn ich mir die Topspeeds anschaue, dann muss ich sagen, dass wir gut bei der Musik sind."

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