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Coulthard im Interview

"Entscheidung fiel vor der Saison"

Foto: Red Bull 27 Bilder

David Coulthard hat in Silverstone seinen Rücktritt zum Saisonende angekündigt. Kurz nach Bekanntgabe seiner Pläne stand der 37-jährige Schotte auto-motor-und-sport.de Rede und Antwort.

04.07.2008 Michael Schmidt

Sind Sie froh, dass Sie die Bekanntgabe Ihres Rücktritts jetzt hinter sich haben?
Coulthard: Ich bin froh, weil jetzt die Spekulationen vorbei sind. Ich muss mich in meinen Antworten nicht mehr verbiegen, wenn ich danach gefragt werde.

Wann ist Ihre Entscheidung wirklich gefallen?
Coulthard: Ich bin nicht eines Morgens aufgewacht und habe gesagt: Ende des Jahres höre ich auf. Das war ein schleichender Prozess. Ich wusste aber schon vor Saisonbeginn, dass ich am Ende des Jahres zurücktreten werde.

Warum so früh?
Coulthard: Ich habe vier Jahre mitgeholfen, Red Bull aufzubauen. Dieser Job kostet Kraft. Speziell vor dieser Saison, weil wieder einmal die technischen Rahmenbedingungen geändert wurden. Ich habe die Ingenieure gewarnt, dass sie auf ein bestimmtes Detail am Auto achten müssen, um den Wegfall der elektronischen Fahrhilfen zu kompensieren. Als ich in Melbourne ankam, musste ich feststellen, dass nichts passiert ist. Nach dem Rennen habe ich dieses Thema erneut angeschnitten. Erst da sind die Ingenieure aufgewacht. Die Sache wurde nach meinen Wünschen geändert, wie sich heute zeigt, mit Erfolg. Ich bin einfach müde, diese Kämpfe ständig austragen zu müssen.

Müssen Sie das nicht erst recht, wenn Sie nächstes Jahr Test- und Entwicklungsfahrer sind?
Coulthard: Ja, aber da kann ich mich auf die Entwicklungsarbeit konzentrieren. Jetzt bin ich nebenher noch Rennfahrer. Da musst du dich auf zwei Ebenen motivieren.

Wie sieht Ihr künftiger Job bei Red Bull aus?
Coulthard: Dietrich Mateschitz hat mir freie Hand gelassen. Ich kann mich voll einbringen, aber auch weniger. Es liegt an mir herauszufinden, wo ich dem Team sinnvoll helfen kann. Ich bin überzeugt, dass ich das Auto im Zusammenspiel mit den Ingenieuren weiterbringen kann. 

Hätten Sie Ihre Rücktrittsentscheidung revidiert, wenn Sie nicht erst in Montreal, sondern bereits beim Auftakt in Melbourne Dritter geworden wären?
Coulthard: Nein. Der Entschluss stand felsenfest. Irgendwann muss ja Schluss sein. Es bringt nichts, noch ein Jahr dranzuhängen, und noch eines. Ich wollte in einer Situation sein, wo ich selbst über meinen Rücktritt entscheiden konnte, bevor mir andere diese Entscheidung abnehmen.

In Ihrer Rücktrittserklärung schließen Sie Renneinsätze in anderen Rennformeln nicht aus. Ist das nicht ein Widerspruch zu Ihrer Aussage: Nach der Formel 1 kommt nichts mehr?
Coulthard: Ich musste mir diese kleine Hintertür offen lassen, weil ich nicht weiß, was mein neues Leben bringen wird. Aber seien Sie unbesorgt. Ich werde höchstens mal ein Rennen zum Spaß fahren, wenn mich zum Beispiel mein alter Kumpel Gil de Ferran anruft, ob ich nicht in seinem Acura-Team die 24 Stunden von Daytona fahren will. An einer ganzen Meisterschaft wie der DTM, der Nascar oder der Le Mans-Serie nehme ich nicht mehr teil. Ich könnte für etwas, das unterhalb der Formel 1 liegt, nicht mehr ein ganzes Jahr lang die Motivation aufbringen, die nötig ist, um gute Arbeit abzuliefern.

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