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Crashserie von Romain Grosjean

"Bis hierhin und nicht weiter"

Romain Grosjean GP Belgien 2012 Foto: dpa 34 Bilder

Romain Grosjean ist der Bösewicht der Formel 1. Die Sperre für ein Rennen wurde allgemein begrüßt. Manche meinten, sie hätte schon viel früher kommen müssen. Andere argumentierten, ein Rennen Aussetzen sei viel zu wenig. Das Sündenregister des Franzosen ist lang.

03.09.2012 Michael Schmidt

Romain Grosjean tat seinen Startcrash beim GP Belgien zunächst mit den Worten ab: "Kleine Ursache, große Wirkung." Als er von seiner Strafe erfuhr, wechselte er die Tonart. "Wenn Rennsport alles in deinem Leben ist, dann ist ein Rennen Sperre das schlimmste, was dir passieren kann. Ich akzeptiere aber die Strafe der Sportkommissare."

Etwas anderes blieb ihm auch nicht übrig. Eddie Irvine hatte es 1994 gewagt, nach einer Kollision beim GP Brasilien 1994 eine Strafe der Sporthoheit zu kritisieren. Der damalige Jordan-Pilot wurde statt einem Rennen gleich für drei gesperrt.

Experten befürworten Sperre gegen Grosjean

Im Fahrerlager gab es rundum Beifall für die Entscheidung der Sportkommissare. Aus dem Lager von McLaren, Ferrari und Sauber hieß es hinter vorgehaltener Hand: "Ein Rennen Sperre ist für Grosjean zu wenig. Er ist gut bedient mit dieser Strafe." Niki Lauda polterte: "Grosjean musste gesperrt werden. So einen Wahnsinn kann man nicht länger zulassen. Der Alonso hat einen Riesenmassel gehabt. Er hätte dabei schwer verletzt werden können. Man musste dem Grosjean mal zeigen: Bis hier und nicht weiter."

Alle anderen Kommentatoren im Fahrerlager schlossen sich dieser Meinung an. Mark Webber zeigte wenig Mitleid: "Dieser Unfall hätte ganz böse ausgehen können. Schaut euch an, wie knapp der Lotus an Alonsos Hand und Kopf vorbeifliegt. Es ist besser, man bestraft ihn, bevor einer verletzt wird."

Alonso gibt sich zurückhaltend

Fernando Alonso blieb gelassen. Er wollte nicht mit dem Finger auf Grosjean zeigen und eine Strafe einfordern. Der Spanier ahnte, dass sie sowieso kommen würde. Deshalb blieb er in der Bewertung der Schuldfrage zurückhaltend. "Da sind sich zwei Hitzköpfe in die Quere gekommen, und ich war zum falschen Zeitpunkt am falschen Platz. Es stimmt, dass Grosjean bereits zum siebten Mal in der Startrunde in eine Kollision verwickelt war, aber man kann nicht alle Unfälle miteinander vergleichen. Manchmal sehen die Dinge am Fernseher einfacher aus, als sie in Wirklichkeit sind."

Nach längerem Nachbohren meinte der Ferrari-Pilot aber doch: "Vielleicht ist es Zeit für einen Denkzettel. Das ist aber nicht meine Entscheidung, sondern die der Sportbehörde. Wir haben hier in Spa in der GP3 und GP2 viele schwere Unfälle gesehen. Am Ende liegt es immer an uns Fahrern, das zu verhindern. Wir sollten mit Respekt voreinander fahren und den gesunden Menschenverstand einschalten."

Das Sündenregister von Romain Grosjean

Tatsache ist, dass Romain Grosjean ein Problem mit dem Fahren im Pulk hat. Er wechselt zu oft und zu abrupt die Spur. Und das führt immer wieder zu Feindberührungen. Hier sein komplettes Sündenregister:

- GP Australien: Kollision mit Pastor Maldonado. Grosjean scheidet nach einem Bruch der rechten Vorderradaufhängung aus, Maldonado kann weiterfahren. Entschuldigung von Grosjean: "Maldonado hat viel zu spät gebremst."

- GP Malaysia: Grosjean dreht Michael Schumacher um. Beide können weiterfahren. Drei Runden später fliegt Grosjean ins Kiesbett. Version Grosjean: "Webber ist in Kurve vier innen an mir vorbei. Michael wollte ihm folgen. Da war nicht genug Platz für zwei Autos."

- GP Spanien: Grosjean schlitzt Sergio Perez in der dritten Kurve einen Hinterreifen auf. Der Lotus-Pilot fährt weiter und wird Vierter, Perez muss zum Reifenwechsel an die Box. "Ein normaler Rennunfall", hieß es aus dem Lager von Grosjean.

- GP Monaco: Grosjean kollidiert zuerst mit Alonso, dann mit Michael Schumacher. Als am Lotus links hinten das Rad abknickt, kreiselt er durchs Feld und reißt Kobayashi mit ins Verderben. Kommentar Grosjean: "Ich war links neben Hamilton und Alonso und Michael war noch weiter links. Es war einfach kein Platz für vier Autos. Plötzlich sah ich dem Feld ins Auge. Kein schönes Gefühl."

- GP England: Grosjean schlitzt Paul die Resta den rechten Hinterreifen auf. Für di Resta ist Feierabend. Grosjean lässt den Frontflügel tauschen und wird noch Sechster. Grosjean sieht es anders: "Ich lag außen neben Hamilton, als mich ein Force India am Frontflügel traf."

- GP Deutschland: Grosjean kollidiert mit Senna. Beide müssen zu einem frühen Reparaturstopp an die Boxen. Im Ziel belegen sie die Plätze 17 und 18. Der Zwischenfall aus Sicht von Grosjean: "Nach einem guten Start gab es auf der Geraden einen Kontakt zwischen einem anderen Auto und mir. Ich weiß nicht genau, was passierte, aber ich musste mit einem kaputten Frontflügel und einem Reifenschaden an die Box."

- GP Belgien: Grosjean fährt Hamilton gegen das linke Vorderrad und löst eine Massenkollision aus, die Hamilton, Alonso und Perez sofort aus dem Rennen reißt. Kobayashis Sauber wird so stark beschädigt, dass er mit einem riesigen Loch im Seitenkasten und abgerissenen Leitblechen chancenlos auf Rang 13 fährt. Grosjean übernimmt nicht wirklich die Schuld: "Ich fuhr auf die erste Kurve zu, als das Heck meines Autos den Vorderteil des Autos von Lewis berührte. Ehrlich, ich dachte, ich hätte ihn schon voll überholt und es sei genug Platz für ihn da. Auf keinen Fall war es Absicht. Ich wollte ihn nicht abdrängen."

Bis Spa war Grosjean immer ohne Strafe davongekommen, obwohl sie in Fahrerlagerkreisen schon mehrfach gefordert worden war. Besonders aus dem Lager von Sauber, denen wegen Grosjeans Übermut in der Anfangsphase mit Perez (Barcelona), Kobayashi (Monte Carlo) und zuletzt Kobayashi und Perez in Spa mögliche WM-Punkte gestohlen wurden. Das Fass war einfach voll. Grosjean versuchte den Vorfall und die Strafe positiv zu sehen: "Das alles ist Teil eines Prozesses, die mich zu einem besseren Fahrer machen werden." Man kann sich die unausgesprochene Antwort im Kollegenkreis ausmalen: Hoffentlich.

In unserer Galerie haben wir noch einmal die spektakulären Bilder des Crashs.

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