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Formel 1: Kollisionen zwischen Teamkollegen

Die heißesten Teamduelle der Formel 1

F1-Teamduelle Foto: xpb 27 Bilder

Die Kollision der Red Bull-Piloten Sebastian Vettel und Mark Webber war das Thema in der Türkei. Dabei hat der Bruderkrieg in der Formel 1 Tradition. Klassiker war das Duell Ayrton Senna gegen Alain Prost bei McLaren. Wir zeigen die heißesten Fehden.

01.06.2010 Michael Schmidt

"Der Teamkollege ist dein erster Gegner und dein größter Feind", das ist eine uralte Formel 1-Regel. An verlorenen Teamduellen sind schon Karrieren zerbrochen. Deshalb ist es so wichtig, in seinem Rennstall die gefühlte Nummer eins zu sein. Hin und wieder wird aus einer teaminternen Rivalität auch Krieg. Auslöser sind meistens Kollisionen. So wie die zwischen Sebasrian Vettel und Mark Webber in der 40. Runde des Grand Prix der Türkei. Ab sofort wird die Stimmung im Red Bull-Camp nie mehr so sein wie zuvor. Egal wie der Krisengipfel diese Woche in Milton Keynes ausgeht.

Der Klassiker: Senna vs. Prost

Der Krieg im eigenen Team hat Tradition in der Formel 1. Karambolagen unter Teamkollegen auch. Den Klassiker lieferten die McLaren-Piloten Ayrton Senna und Alain Prost mit ihrem Zusammenstoß in Suzuka 1989 ab. Das Klima im Team war schon das ganze Jahr vergiftet. Prost beschuldigte Senna, ein Handschlagabkommen unter Kollegen gebrochen zu haben. Die McLaren-Piloten hatten sich auf einen Nichtangriffspakt in der ersten Kurve geeinigt. Wer beim Start in Führung geht, dem gehört auch die erste Kurve. Senna hatte das gegenseitige Versprechen in Imola ignoriert. Danach wechselten die beiden Streithähne kaum noch ein Wort. 

Der Zwist eskalierte, als Prost und Senna im vorletzten Rennen in Suzuka um die Vorentscheidung in der Weltmeisterschaft kämpften. Die Ausgangslage war klar: Bei einem Sieg würde Prost Weltmeister sein. Der Franzose führte. Also musste Senna vorbei. Als sein verhasster Rivale vor der Schikane auf der Innenseite die Türe ein bisschen zu weit offenließ, sah Senna seine Chance gekommen. Prost lenkte ein, als der andere McLaren schon neben ihm war. Beide landeten im Notausgang. Prost stieg aus, Senna fuhr weiter, legte einen Reparaturstopp an den Boxen ein, gewann dennoch das Rennen und wurde hinterher wegen Abkürzens der Strecke disqualifiziert.

Hunt und Mass auf Kollisionskurs

Senna gegen Prost war nicht der einzige Konflikt unter Stallrivalen, der auf der Rennstrecke mit einer Feindberührung endete. 1977 kollidierten im kanadischen Mosport die McLaren-Piloten James Hunt und Jochen Mass. Hunt kämpfte gegen Mario Andretti um den Sieg und wollte seinen Teamkollegen überrunden. Statt Schützenhilfe bekam er einen Stoß. Hunt war darüber so wütend, dass er im ersten Zorn einen Streckenposten niederschlug, der ihn daran hindern wollte, an den Streckenrand zu gehen, um Mass die Faust zu zeigen. Mass bekam für das folgende Jahr keinen Vertrag bei McLaren mehr.

1985 kamen sich die Renault-Piloten Derek Warwick und Patrick Tambay beim Start zum GP Monaco in die Quere. Tambay musste wegen einer Verletzung am Fuß ein Rennen lang pausieren. Der Fall wurde als Missverständnis abgehakt.

Eine kuriose Feindberührung lieferten 1985 die Ligier-Fahrer Jacques Laffite und Philippe Streiff ab. Sie stießen in der letzten Runde zum GP Australien zusammen. Es ging um Platz zwei. Trotz stark beschädigter Autos schafften es beide noch als Zweiter und Dritter über die Ziellinie. Danach gab es ein lautes Donnerwetter von Teamchef Guy Ligier.

Mansell und Piquet: Streit ohne große Crashs

Nigel Mansell und Nelson Piquet pflegten ihre Feindschaft in aller Öffentlichkeit und mit voller Hingabe. Auf der Rennstrecke blieben sich die beiden meistens fern. Bis auf eine kleine Berührung beim GP Mexiko 1987. Die Williams waren damals so überlegen, dass sie trotzdem noch einen Doppelsieg nach Hause fuhren.

Zu einer Beinahe-Kollision kam es 1990 beim GP Portugal unter den Ferrari-Stars Nigel Mansell und Alain Prost. Mansell stellte sich beim Anfahren quer, weil er kurz zuvor die Traktionskontrolle ausgeschaltet hatte. Dabei hätte er um ein Haar den neben ihm in der ersten Startreihe stehenden Prost in die Boxenmauer gerammt. Die McLaren-Piloten Ayrton Senna und Gerhard Berger sagten Dankeschön und gingen in Führung. Zwischen Prost und Mansell herrschte fortan Funkstille.

Karl Wendlinger und JJ Lehto stritten sich 1993 in Monte Carlo in der Loews-Kurve um die Vorfahrt. Mit dem Ergebnis, dass Lehto liegenblieb. Teamchef Peter Sauber erklärte den beiden hinterher, dass sie nicht für sich, sondern das Team fahren würden. Bei Sauber gab es zwölf Jahre später noch einmal ein teaminternes Missverständnis. Wieder in Monte Carlo. Jacques Villeneuve und Felipe Massa mussten sich nach dem Rennen eine Gardinenpredigt anhören.

Häkkinen gegen Coulthard: Ehekrise bei McLaren

1996 sorgten die McLaren-Piloten David Coulthard und Mika Häkkinen für einen Lacherfolg. Beide verhakten sich in einer Haarnadelkurve. Es blieb nicht der einzige Fahrzeugkontakt in der lange McLaren-Ehe der beiden. 1997 schoss Coulthard in Monte Carlo rückwärts aus dem Tunnel und räumte dabei seinen Stallgefährten ab. Der Schotte entschuldigte sich umgehend bei Häkkinen und seinem Team: "Ich bin gefahren wie ein Idiot." 1999 am A1-Ring war es mit einer Entschuldigung nicht mehr getan. Coulthard und Häkkinen gerieten in der Startrunde aneinander und ebneten mit ihrer slapstickreifen Einlage WM-Kontrahent Eddie Irvine den Weg zum Sieg. Mercedes-Konzernchef Jürgen Schrempp klatschte damals vor dem Fernseher spöttisch Beifall über soviel Disziplinlosigkeit seiner Chauffeure.

Bei Jordan kam es 1997 in Buenos Aires zu größeren Verwerfungen. Die jungen Löwen Giancarlo Fisichella und Ralf Schumacher wurden sich über ein Stück Straße nicht einig. Mit dem Resultat, dass Fisichella in die Wiese segelte. Der dritte Platz von Schumacher konnte nicht mehr viel retten. Danach hing der Haussegen im Jordan-Camp ein ganzes Jahr lang schief.

Montoya mit Latino-Temperament

Juan Pablo Montoya war immer für Zweikämpfe mit Kleinholz gut. Der Kolumbianer schreckte auch vor Teamkollegen nicht zurück. 2001 schob er beim GP USA in Indianapolis Williams-Stallgefährte Ralf Schumacher in die Wiese, weil keiner der beiden beim Anbremsen der ersten Kurve nachgeben wollte. Die Schimpftiraden von Technikchef Patrick Head liefen nicht nur voll über den TV-Schirm. Sie waren wahrscheinlich noch am Unfallort zu hören.

In der gleichen Kurve beendete Montoya 2006 seine Formel 1-Karriere. Im Kopf-an Kopfrennen mit McLaren-Kollege Kimi Räikkönen wollte das kolumbianische Raubein nicht nachgeben und löste dabei eine Massenkollision aus. Beide McLaren-Mercedes waren Schrott. Der versammelte Vorstand aus Stuttgart stand in der Box. Weil herauskam, dass Montoya nicht ganz unabsichtlich den anderen McLaren aufs Korn genommen hatte, wurde ihm vier Tage später gekündigt.

Heidfeld mit viel Feind- und Freund-Kontakt

Nick Heidfeld lernte 2000 beim GP Österreich den Zorn von Jean Alesi kennen. Die beiden Prost-Piloten hatten sich in der ersten Kurve abgeschossen. Der aktuelle Ersatzpilot von Mercedes traf 2007 auch seinen Stallgefährten Robert Kubica am Nürburgring. Teamchef Mario Theissen tobte an der Box. 2009 traf Heidfeld in Bahrain im Startgetümmel erneut den zweiten BMW. Wäre es nicht um den drittletzten Platz gegangen, hätte der Zwischenfall sicher größere Wellen geschlagen.

Red Bull hat seit dem GP Türkei ein Problem. Das bislang neutrale Verhältnis zwischen Vettel und Webber dürfte sich merklich abgekühlt haben. Man wird sich die Hand reichen, aber man wird wachsam bleiben. Der eine weiß jetzt vom anderen, dass er sich nicht in allen Situationen auf bedingungslose Kooperation verlassen darf. Außer Red Bull ordnet eine klare Hackordnung an. Mark Webber gab nach dem Rennen ein erstes Friedensangebot ab. "Sebastian und ich werden uns in den nächsten Tagen über den Unfall unterhalten. Vielleicht werden wir darüber unterschiedliche Ansichten haben, aber wir sollten uns wie Männer benehmen und das Thema zu den Akten legen."

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