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Interview mit Renault-Sportchef Cyril Abiteboul

"Kein Saisonziel in WM-Punkten"

Cyril Abiteboul - Renault - 2016 Foto: Renault 35 Bilder

Renault betrachtet 2016 als Übergangsjahr. auto motor und sport hat Renault-Sportdirektor Cyril Abiteboul gefragt, was von dem neuen Werksteam zu erwarten ist, wie die Zusammenarbeit zwischen Renault und Ilmor funktioniert und was die Pläne für die Zukunft sind.

04.02.2016 Michael Schmidt
Renault will in 3 Jahren auf das Podium fahren können. Nimmt man sich da nicht ein bisschen viel Zeit?

Abiteboul: Wirklich? Red Bull hat 5 Jahre gebraucht, Mercedes auch. Ich würde sagen, unser Plan ist ehrgeizig. Wir können nicht sagen, dass wir dieses Jahr aufs Podium fahren. Das ist absolut unmöglich. Wir haben das Programm am 8. Dezember abgesegnet und den Kauf am 18. Dezember abgeschlossen. Alles, was wir in diesem Jahr tun, ist ein Aufbauprogramm für 2017 und 2018. Aber in 2018 müssen Podiumsplätze möglich sein.

Welche Kompromisse mussten Sie eingehen, weil die Entscheidung so spät fiel?

Abiteboul: Wir sind mit der Motorentwicklung hinterher. Aber nicht wegen der späten Entscheidung. Da sind wir selbst daran schuld. Jetzt sind jedoch ein paar richtig gute Dinge in der Entwicklung. Zum ersten Mal wissen wir, was wir zu tun haben, um Fortschritte zuverlässig in den Motor zu implementieren. Ich bin da extrem zuversichtlich. Es wird nicht alles in diesem Jahr passieren. Das wird Zeit brauchen. Beim Chassis gibt es ganz klar Kompromisse. Es wurde für den Mercedes-Motor konstruiert. Der Umbau auf den Renault-Motor, der in seiner Mechanik andere Parameter hat, wird beim Chassis einige Nachteile mit sich bringen. Aber noch einmal: 2016 ist das Jahr, in dem wir uns für 2017 vorbereiten müssen.

Wie weit ist das Auto, das in Guyancourt präsentiert wurde, von dem entfernt, das am 22. Februar bei den Testfahrten antritt?

Abiteboul: Das ist ganz klar ein Showcar. Das richtige Auto ist gerade in der Produktion. Wir haben geplant, den Motor nächste Woche zum ersten Mal im Auto anzulassen. Beim Test in Barcelona werden sie dann das wirkliche Auto sehen. Mit einem anderen Frontflügel, einer anderen Verkleidung. Und wir werden in Barcelona unser 2016er Chassis zum ersten Mal einsetzen.

Gibt es ein Saisonziel?

Abiteboul: Es gibt kein Saisonziel, das sich an WM-Punkten festmacht. Trotzdem setzen wir dem Team Aufgaben. Es wäre falsch zu sagen, dass erst 2017 zählt. Dann fehlt die Spannung im Team. Wir wollen eine zuverlässige Plattform entwickeln, auf der wir aufbauen können. Etwas, das uns keine Kopfschmerzen mehr bereitet, das einfach und verlässlich zu fahren ist. Deshalb haben wir Enstone gebeten, in einem ersten Schritt konservativ vorzugehen. Auch hier in Viry beim Motor. Wir wissen jetzt, wo wir hinwollen. Aber wir werden nichts überstürzen. Wir brauchen Kilometer. Für das Auto, den Motor und unsere Fahrer.

Werden Renault und Red Bull den gleichen Motor bekommen?

Abiteboul: Exakt den gleichen. So verlangen es die Regeln. Sie werden bei Red Bull nur den Namen Renault nicht entdecken. Es kann natürlich passieren, dass gewisse Entwicklungsschritte beim einen Team früher kommen als beim anderen, immer abhängig davon, wie die Saison für Red Bull und uns läuft. Prinzipiell gilt: Wenn wir ein Upgrade haben, bekommt es auch Red Bull. Aber eines ist klar: Das Werksteam ist Renault. Wir werden diesen Motor für unsere Zwecke bauen und ihn so an unsere Kunden weitergeben. Am Technik-Support wird sich nichts ändern. Sie werden in diesem Jahr die gleichen Gesichter in der Red Bull-Garage sehen wie 2015.

Ist es gut mit Red Bull einen Vergleichsmaßstab zu haben?

Abiteboul: Es ist ein Wettbewerb. Wir vergleichen uns immer mit den anderen. Aber wir brauchen für die Motorentwicklung auch Kilometer. Deshalb ist es gut, dass ein anderes Team diesen Motor fährt. Das beschleunigt die Entwicklung.

Der Red Bull-Vertrag geht noch bis Ende des Jahres. Werden Sie weiter zusammenarbeiten?

Abiteboul: Es ist ein Einjahresvertrag. Aber er kann durchaus fortgeschrieben werden. Wir werden andere Teams weiter beliefern, wenn es in unserem strategischen Interesse ist. Es muss aber zuerst einmal Interesse an unserem Motor geben. Dafür brauchen wir Erfolge.

Sie haben zwei junge Fahrer ohne Erfahrung. Kann das ein Nachteil sein?

Abiteboul: Wir müssen pragmatisch denken. Wir haben dieses Programm erst spät abgesegnet. Da können wir nicht erwarten, dass uns die absoluten Top-Fahrer zur Verfügung stehen. Für dieses erste Jahr haben wir die ideale Fahrerpaarung. Es ist eine Kombination zwischen jungen, hungrigen, talentierten Fahrern, und mit Magnussen haben wir uns ja ein bisschen Erfahrung an Bord geholt.

Können Sie die Zusammenarbeit mit Ilmor erklären?

Abiteboul: Ilmor ist ein Zulieferer für Renault Sport. Wir sind überzeugt, dass sie neue Konzepte und Lösungen beisteuern können, und wir können auch ihre Prüfstände nutzen, was unseren Entwicklungsprozess beschleunigen wird. Wir können mehr Lösungen testen, und besser die richtigen auswählen.

Wird die Brennraumentwicklung von Ilmor gleich zu Beginn im Motor sein?

Abiteboul: Nein, noch nicht. Ich möchte davon wegkommen, dass wir sagen: Das hat Ilmor gemacht, das Renault. Es ist ein gemeinsames Projekt. Es gibt keine Wände zwischen uns. Deshalb wird es am Ende schwer sein zu sagen, aus welcher Ecke eine Entwicklung kommt.

Wie stark wird sich der neue Motor vom alten unterscheiden?

Abiteboul: Für uns ist das der größte Schritt, den wir gemacht haben, seit es das Hybrid-Reglement gibt.

Ist die Re-Organisation der Motorabteilung abgeschlossen?

Abiteboul: Heute ist ein wichtiger Meilenstein. Wir haben entschieden, dass es wieder einen Technischen Direktor für die Motorabteilung gibt. Das wird Remi Taffin sein. Aber er wird nicht isoliert arbeiten. Er muss an Bob Bell Bericht erstatten, so wie es Nick Chester für das Auto tut.

Wie groß soll das Team einmal werden?

Abiteboul: Im Augenblick wird das Team noch langsam wachsen. Man kann gute Leute nicht so einfach am Markt einkaufen. Und wenn man sie kriegt, haben sie in der Regel ein halbes bis ein Jahr Arbeitssperre. Aber unser Plan ist es, dass wir in Enstone von 490 auf 650 Leute bis Ende 2017 wachsen. Das größte Team hat im Moment 800 Leute in der Chassisabteilung. Wir glauben, dass wir mit 650 konkurrenzfähig sein können. In unserer Motorenabteilung in Viry sind wir gut bestückt. Auch wenn Red Bull immer behauptet hat, es wäre nicht genug. Ich kann Ihnen versichern, dass Viry ausreichend Geld und Leute hat. Hier geht es um eine gute Firmenstruktur, Knowhow, Ingenieure mit den richtigen Fähigkeiten. Unser Problem war, dass wir viele Leute freigestellt hatten, als 2009 die Motorenentwicklung eingefroren wurde. Der Prozess, die Mannschaft mit jungen, talentierten Ingenieuren von der Universität wieder aufzustocken, hat uns einige Zeit gekostet. Sie mussten erst einmal angelernt werden. Aber jetzt sind alle voll im Geschäft.

Ferrari hat die Entwicklung dadurch abgekürzt, dass sie von Mercedes Ingenieure abgeworben haben. Wäre das auch ein Weg für Renault?

Abiteboul: Natürlich. Aber um Leute von der Konkurrenz abzuwerben, musst du selbst erst einmal attraktiv sein. Wir waren lange nicht attraktiv, weil wir nicht wussten, wo die Reise hingeht. Keiner kommt an Bord, wenn er nicht weiß, ob Renault weitermacht. Das ist jetzt anders. Wir haben wieder einen Plan, ein langfristiges Projekt.

Im Augenblick wird viel über Regeländerungen in der Formel 1 geredet. Wo steht da Renault?

Abiteboul: Wir sind für alles offen, was den Sport interessanter und spannender macht. Renault hat sich für eine lange Zeit verpflichtet. Für uns ist es wichtig, dass die Formel 1 gesund ist. Wir dürfen nicht denken, dass wir perfekt sind. Die Formel 1 muss mit der Zeit gehen. Das tun andere Sportarten auch.

Zum Beispiel?

Abiteboul: Es wird in Zukunft kein Token-System mehr geben. Wir haben uns alle darauf verständigt, dass es wichtig für den Sport ist, wenn die Teams und Motorenhersteller näher zusammenrücken. Das geht nur mit einer freien Entwicklung. Wenn ein Motor haushoch überlegen ist, hilft das keinem. Nicht mal Mercedes. Wir wollen die Zuschauer auch nicht mehr verwirren mit dem Token- und dem Strafen-System. Es soll alles einfacher werden.

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