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Daniel Ricciardo exklusiv

"Erwarte nicht, dass er mir den Arsch versohlt"

Daniel Ricciardo & Sebastian Vettel - F1 2013 Foto: Daniel Reinhard 38 Bilder

Daniel Ricciardo wird 2014 neuer Teamkollege von Sebastian Vettel. Mit auto motor und sport spricht der Australier über den Aufstieg von Toro Rosso zu Red Bull, seine Erwartungen an das neue Auto und die schwere Aufgabe im Duell mit dem Heppenheimer.

11.12.2013 Tobias Grüner
Wie viele Fragen zu Sebastian Vettel mussten Sie in den letzten Monaten beantworten?

Ricciardo: Fast zu viele. Aber nur fast.

Wir haben gehört, sie wollen ihn schon im ersten Jahr bei Red Bull schlagen?

Ricciardo: Ich möchte jeden schlagen.

Manche würden das optimistisch nennen. Manche etwas verrückt.

Ricciardo: Ja, das stimmt. Ob es klappt, steht auf einem anderen Blatt. Aber zumindest muss das doch mein Wunsch sein. Jeder will doch der Beste sein.

Wenn man gegen einen vierfachen Weltmeister im Teamduell antreten muss. Können Sie da nicht nur verlieren?

Ricciardo: Ich glaube, da kann ich mehr gewinnen. Wenn das Auto gut läuft, erwartet doch jeder Siege von ihm. Niemand erwartet von mir, dass ich ins Team komme und den Nummer 1-Piloten schlage. Das nimmt auch etwas den Druck von mir. Ich möchte einfach vom Besten lernen. Und dann mal schauen, was geht.

Haben Sie etwas Besonderes gemacht oder geplant, um sich auf die neue Aufgabe vorzubereiten?

Ricciardo: Ich habe in den letzten Rennen auf jeden Fall schon viel über die nächste Saison nachgedacht. Ich bin schon aufgeregt und freue mich. Ich bin hungrig auf Erfolg. Die Vorbereitung spielt sich vor allem im Kopf ab. Es gibt so viele Dinge, an die ich denken muss, um meine Höchstleistung abzurufen.

Denken Sie auch schon an die erste Pole Position oder den ersten Sieg? Wo es möglicherweise soweit sein könnte?

Ricciardo: Ja, schon, ein bisschen. (grinst) Wäre schön, wenn es schon in Australien klappen würde. Aber das ist vielleicht etwas optimistisch. Ich werde mich optimal vorbereiten. Und wenn ich in Melbourne am Start stehe, will ich der bestmögliche "Daniel" sein.

Muss man sich im Kopf umstellen, wenn es plötzlich nicht nur um WM-Punkte, sondern noch um viel mehr geht?

Ricciardo: Entscheidend ist das Selbstvertrauen. Wenn man ein Top-Auto hat, muss man von sich selbst überzeugt sein. Man muss daran glauben, dass man die Podiumsplätze und Siege auch einfahren kann, wenn man die Möglichkeit dazu hat.

Haben Sie mit ihrem Landsmann Mark Webber gesprochen, wie Sie am besten an die Aufgabe herangehen?

Ricciardo: Ich habe ein paar Worte mit ihm gewechselt. Er hat mir aber nur geraten, dass ich entspannt bleiben soll. Ich solle das Fahren genießen. Und ich solle vor allem nicht so viel ändern. Ich habe den Platz bekommen, weil ich ihn verdient habe. Es gibt also keinen Grund, plötzlich alles anders zu machen. Ich muss mich einfach immer steigern und darf mich nicht von dem Chaos um mich herum ablenken lassen.

Kennen Sie schon Ihr neues Team, die neuen Ingenieure?

Ricciardo: Ich arbeite nächstes Jahr mit dem Renningenieur zusammen, der auch Mark betreut hat. Ich habe schon viele Ingenieure getroffen. Habe etwas Zeit mit ihnen verbracht. Wir haben begonnen, eine Beziehung aufzubauen. Im Winter werden wir noch mehr zusammenarbeiten. Ich bin viel in Milton Keynes im Simulator, um den 2014er Red Bull zu fahren. Da geht es vor allem darum, dass sie verstehen, was ich für ein Auto mag. Damit wir nächstes Jahr direkt loslegen können.

Wie sehr sind Sie in die Entwicklung für 2014 eingebunden?

Ricciardo: Solange ich bei Toro Rosso war, nicht so viel. Meine Umwandlung zum Red Bull-Piloten erfolgt erst in der Winterpause.

Wissen Sie, was Sie technisch mit den neuen Autos erwartet?

Ricciardo: Das sieht ziemlich kompliziert aus. Aber es wird wohl ähnlich sein wie bei der Einführung von DRS und KERS. Das haben wir ja auch relativ schnell gelernt und verstanden. Es sieht erst einmal nach viel Arbeit aus. Aber ich denke, viel wird uns auch von den Ingenieuren abgenommen, zum Beispiel das Abrufen der Hybrid-Energie und das Anpassen der Bremsbalance. Es wird etwas anders werden, aber die Umgewöhnung wird nicht lange dauern.

Ist es gut für Sie, dass es auf technischer Seite einen kleinen Neustart gibt?

Ricciardo: Ich denke schon. Sebastian war mit dem alten Paket so dominant. Wenn alles gleich bleiben würde, dann wäre er sicher auch nächstes Jahr dominant. Mit dem neuen Reglement wird er wohl auch dominant bleiben (grinst), aber es gibt zumindest eine kleine Chance, dass sich etwas ändern wird.

Haben Sie sich schon seine Daten angeschaut und mit ihren Werten verglichen?

Ricciardo: Das habe ich noch nicht gemacht. Von Toro Rosso aus hatte ich nicht den Zugang dazu. Wenn ich es wirklich gewollt hätte, wäre es vielleicht möglich gewesen Einblick zu bekommen. Aber mein Fokus in der abgelaufenen Saison lag voll auf Toro Rosso. Aber in der Winterpause gehe ich nach Milton Keynes. Da habe ich alles zur Verfügung. Wenn ich also wissen will, wie er in Runde 45 in Indien gefahren ist, dann werde ich mir das anschauen. Ich werde schon versuchen herauszufinden, was er da macht. Ich werde ihn mit Mark vergleichen und schauen, was da gelaufen ist. Das Lesen und Verstehen der Daten ist eine meiner Stärken.

Wie sind Sie im Vergleich zu Sebastian Vettel in Sachen Fahrstil und Setup-Vorlieben?

Ricciardo: Das weiß ich noch nicht genau. Immer wenn ich mir sein Fahrstil in den Onboard-Aufnahmen anschaue, dann sehe ich nur, dass sein Auto einfach phänomenal gut liegt.

Sie kennen das Auto aber auch ein wenig vom Young Driver Test. Sie müssten also auch wissen, warum es so stark ist.

Ricciardo: Man bekommt ein Gefühl dafür. Der Red Bull ist sehr stark im Heckbereich. Es fühlt sich einfach an, als hätte man jede Menge Abtrieb auf der Hinterachse. Man kann härter auf die Bremse steigen. Das Heck fängt nicht so schnell an auszubrechen. Man kann aggressiver in die Kurve einlenken und früher wieder auf das Gas gehen, ohne das die Reifen durchdrehen. Das Auto hat nicht viele Schwächen und ist sehr gut ausbalanciert. Ich hoffe, dass es nächstes Jahr auch noch so ist.

Wenn wir Ihnen heute schon anbieten würden, dass Sebastian Vettel auch 2014 Weltmeister wird und sie damit sicher ein gutes Auto haben. Würde Sie einschlagen?

Ricciardo: Hmmm... wenn Sie mir anbieten würden, dass ich mit der gleichen Anzahl an Siegen Zweiter werde, dann würde ich vielleicht okay sagen. Aber wenn er Weltmeister wird und ich am Ende Fünfter bin, sage ich nur "Fuck".

Haben Sie sich gedanklich darauf eingestellt, dass es so laufen könnte? Dass er im Teamduell dominiert wie gegen Mark Webber?

Ricciardo: Ich bin darauf vorbereitet, dass es eine Herausforderung ist und dass es auch eine schwierige Zeit wird. Ich bin aber nicht darauf eingestellt, dass er mir den Arsch versohlt. Ich hoffe schon, dass ich näher dran bin als Mark. Ich möchte hier aber nicht große Reden schwingen und dann Scheiße abliefern. Wir werden sehen, was dabei rauskommt. Aber meine Erwartungen sind auf jeden Fall positiv.

Wie sehen Sie ihren Teamkollegen generell an? Als einen Rivalen? Als einen Freund? Als jemanden, denn man hassen muss?

Ricciardo: Er ist ein Gegner – wie alle anderen auch. Aber er ist ein Rivale, vor dem man Respekt haben muss. Ich komme neu in das Team. Er erwartet sicher nicht, dass ich ihn direkt zum Abendessen einlade. Er wird mich auch nicht einladen. Bei den Wintertests werden wir uns sicher austauschen, um das Auto zu verbessern. Auf der Strecke wollen wir uns natürlich schlagen. Das ist ja ganz normal. Ich werde ihm aber auf jeden Fall mit Respekt entgegentreten. Er hat so viel erreicht. Das erkenne ich natürlich an.

Wie haben Sie den ersten Tag gefeiert, als Sie sicher wussten, dass Sie 2014 ein Red Bull-Fahrer werden?

Ricciardo: Ich habe mir ein Glas Champagner gegönnt. Ich war mit meiner Familie zusammen in Europa. Die Champagner-Flasche hatten wir noch im Haus. Da haben wir uns jeder ein Gläschen genehmigt. Aber nicht mehr.

Werden Sie im Winter auch noch einmal Zeit in Ihrer Heimat Perth verbringen?

Ricciardo: Auf jeden Fall. Weil das Auto erst relativ spät fertig ist, wird der Dezember nicht so verrückt werden. Der Januar wird dafür richtig verrückt. Dann komme ich wieder zurück nach Europa.

Werden Sie härter trainieren als üblich?

Ricciardo: Mein physischer Zustand als Formel 1-Fahrer ist gut. Aber man kann sich natürlich immer verbessern. Ich versuche fit und gesund zu sein, damit ich relaxt und bequem im Auto sitzen kann.

Trainieren Sie aber besser nicht so viel im Meer in Perth. Das kann gefährlich werden.

Ricciardo: Ja ich weiß, wegen der Haie. Helmut Marko sagt mir das auch immer: "Wenn du nach Perth fliegst, geh bitte nicht schwimmen."

Gibt es eine Sportart, in der Sebastian Vettel von Ihnen lernen kann? Surfen vielleicht?

Ricciardo: Nein, Surfen ist nicht mein Ding. Vielleicht im Tennis. Wir haben mal bei Christian (Horner) ein bisschen gespielt. Da könnte sich ein nettes Game ergeben. Ich würde natürlich gewinnen. Im Rugby und Cricket würde ich ihn wohl auch schlagen. Er ist dafür wohl im Fußball besser. Aber dann hört es auch schon auf.

Sie sind ein lustiger Kerl. Glauben Sie, dass Sie bei Red Bull auch so offen Späße machen können? Oder müssen Sie sich da ändern?

Ricciardo: Das glaube ich nicht. Ich hatte da schon eine kleinere Diskussion mit der Marketing-Abteilung des Teams. Sie haben mir gesagt, dass meine Persönlichkeit passt. Dass mich viele Menschen so mögen, wie ich bin. Sie wollen mich nicht ändern. Manchmal werde es Momente geben, bei denen sie etwas sagen werden. Aber die meiste Zeit, wollen Sie, dass ich der Mensch bleibe, der ich sein mag. So sollte es sein. Ich werde mich nicht ändern, keine Sorge.

Wir werden das große Grinsen auch weiter sehen?

Ricciardo: Aber sicher.

Können Sie nachvollziehen, warum Sebastian Vettel manchmal ein Problem mit seinem Image hat? Warum er ausgebuht wird. Warum die Leute nicht mögen, dass er sein Privatleben verbirgt.

Ricciardo: Ich kann beide Seiten verstehen. Sebastian will sich privat zurückziehen und nur das machen, was ihn glücklich macht. Natürlich würden andere Leute gerne mehr sehen und eine andere Seite von ihm kennenlernen. Am Ende ist er der Champion. Er muss es nicht allen recht machen. Er macht das, was er tun muss. Es ist ihm egal, was andere sagen. Er ist glücklich und das alleine zählt. Dafür respektiere ich ihn. Man muss zuerst an sich selbst denken.

Glauben Sie, dass bei Red Bull noch mehr Interesse an ihrem Privatleben besteht und dass sie Ihr Leben noch mehr auf die Ziele ausrichten müssen?

Ricciardo: Es wird definitiv nicht leichter werden. Aber bei allen Teams wird hart gearbeitet. Auch bei Toro Rosso - selbst wenn wir nicht an der Strecke sind. Ich glaube nicht, dass Red Bull deshalb gewinnt, weil die Fahrer 20 Tage mehr im Jahr arbeiten als alle anderen. Es wird wie gesagt nicht einfacher, aber es wird sicher noch Zeit für Privatleben bleiben. Ich denke, sie sind auch schlau genug, das zu verstehen: Jeder benötigt Zeit ohne Formel 1, um sich zu erholen, um den Geist abzulenken. Da werden wir schon eine gute Balance finden.

Wie sieht es an der Strecke aus? Wir wissen, dass Sebastian Vettel gerne bis Mitternacht mit den Ingenieuren diskutiert.

Ricciardo: Das ist eine Sache persönlicher Vorlieben. Ich verlasse die Strecke, wenn alles fertig ist. Ich lasse keine Sachen bis zum nächsten Tag liegen. Ich möchte ins Bett gehen und wissen, was wir am nächsten Tag geplant haben. Ich werde machen, was nötig ist. Wenn ich um 22 Uhr fertig bin und er noch bis Mitternacht da sitzt, dann werde ich nicht auch noch 2 Stunden bleiben nur damit es so aussieht, als sei ich beschäftigt. Wenn ich fertig bin, dann bin ich fertig.

In unserer Bildergalerie haben wir noch einmal die bisherigen Highlights aus der Karriere von Daniel Ricciardo.

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