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Daniel Ricciardo unter Druck

Geht Ricciardo gegen Vettel unter?

Damon Hill & Frank Williams - 1993 Foto: Wilhelm 22 Bilder

Diese Konstellation gab es in der Formel 1 schon öfter: Nobody trifft Weltmeister. Daniel Ricciardo steigt von einem Mittelfeld-Team direkt in die Top-Liga der Formel 1 auf. Sein bestes Ergebnis ist ein siebter Platz. Wir haben in der Historie nachgeschaut. Es gab 14 vergleichbare Fälle. Mit und ohne Erfolg.

04.09.2013 Michael Schmidt

Adrian Newey scheint skeptisch. Der Stardesigner soll Kimi Räikkönen als neuen Teamkollegen für Sebastian Vettel favorisiert haben. Newey ist ein Kannibale. Er will alle Titel abräumen. Doch die Konstrukteurs-Trophäe wird 2014 für Red Bull eine große Aufgabe. Neben Sebastian Vettel greift mit Daniel Ricciardo ein Fahrer ins Lenkrad, der dann 50 GP-Starts auf dem Buckel haben wird

Der 24-jährige Australier ist bei HRT und Toro Rosso in die Schule gegangen und kann bis jetzt einen siebten Platz als bestes Formel 1-Resultat vorweisen. Wird er an der Aufgabe wachsen? Oder zerbricht er an Superstar Sebastian Vettel?

Newey erinnert sich an das Jahr 1993, als er noch für Williams Rennautos zeichnete: "Wir standen nach dem Rückzug von Nigel Mansell vor der Frage, wen wir neben Alain Prost in das zweite Auto setzen sollten. Williams hätte die bekannte Größe Riccardo Patrese nehmen können, entschied sich aber für seinen Testfahrer Damon Hill."

Newey vergleicht Ricciardo mit Damon Hill

Damon Hill kam mit der Empfehlung von zwei GP-Einsätzen bei Brabham und einem elften Rang als bestes Resultat zum damals besten Formel 1-Rennstall. Doch Frank Williams kannte seinen Kandidaten gut. Der Sohn von Ex-Weltmeister Graham Hill hatte sich zwei Jahre lang in Tausenden von Testkilometern bei Williams auf die Aufgabe vorbereitet.

Auch das ist eine Parallele zu Daniel Ricciardo. Der Dauerlächler aus Perth hat seit 2009 insgesamt 2.425 Kilometer für Red Bull getestet. Hill machte seinerzeit seine Sache gut. Der Engländer belegte 1993 mit drei Siegen und 69 Punkten WM-Platz 3 hinter Alain Prost und Ayrton Senna.

Nobody trifft auf Weltmeister zum 15. Mal

Daniel Ricciardo hat viele Vorgänger. Die Konstellation Nobody trifft Weltmeister bei einem Top-Team gab es seit 1970 bereits 15 Mal. Kriterium ist, dass der junge Fahrer vor seiner großen Chance nie auf dem Podium stand. Und dass er gleich zu Saisonbeginn als Stammfahrer antritt.

Michael Schumacher, Clay Regazzoni, Emerson Fittipaldi, Mika Häkkinen, Robert Kubica oder Gilles Villeneuve wurden mitten in der Saison ins kalte Wasser geworfen. Diese Aufgabe ist einfacher, weil man nichts zu verlieren hat. Fernando Alonso, Alain Prost, Gunnar Nilsson, Jody Scheckter, Patrick Depailler, Kimi Räikkönen, Juan Pablo Montoya und Niki Lauda wurden zwar ohne vorherige Meriten von Top-Teams verpflichtet, doch ihre Teamkollegen waren keine Weltmeister.

Wir haben die Fälle, die mit der Ricciardo-Konstellation vergleichbar sind:

Romain Grosjean: Chance nur teilweise genutzt

Romain Grosjean kehrte 2012 nach zwei Jahren Pause geläutert in die Formel 1 zurück. Der Franzose, der 2009 bei seinen sieben Formel 1-Einsätzen an der Seite von Fernando Alonso enttäuschte, machte zwei Schritte zurück, fuhr Auto GP, FIA GT-Serie und GP2 und wurde dann von Lotus an der Seite von Kimi Räikkönen rekrutiert.

Grosjean beendete die Saison der Wahrheit als Achter, stand drei Mal auf dem Podium, fiel aber auch durch viele Unfälle und eine Rennsperre unangenehm auf. Räikkönen sammelte bei seinem Comeback, ebenfalls nach zwei Jahren Pause, mehr als doppelt so viele Punkte und kam bei allen Rennen ins Ziel.

Lewis Hamilton: Der beste Neuling aller Zeiten

Der Formel 3-Meister von 2004 und GP2-Champion von 2006 war die Sensation des Jahres 2007. Um ein Haar hätte Hamilton mit einem WM-Titel debütiert. Er verlor das Titelrennen gegen Kimi Räikkönen nur um einen WM-Punkt. Hamilton konnte sich bei seinem Team bedanken, dass es versäumte, ihn beim GP China früher zum Reifenwechsel an die Box zu holen. Dort verlor er den Titel.

Teamkollege Fernando Alonso hatte den Jungstar nicht auf der Rechnung. Der Spanier erkannte die Bedrohung zu spät. Statt Hamilton mit seiner Erfahrung zu schlagen, ließ er sich auf politische Spielchen ein. Zum Schluss hatte Alonso das Team gegen sich.

Felipe Massa: Mit Anstand gegen Michael Schumacher

Als Felipe Massa 2006 zu Ferrari kam, war er in der Szene ein alter Bekannter. Der Brasilianer hatte drei Jahre bei Sauber und eine Saison als Testpilot bei Ferrari abgespult. In seiner Vita standen 52 GP-Starts und ein vierter Platz als bestes Resultat. Massa nutzte die Chance bei Ferrari von Michael Schumacher zu lernen. Schumis Schüler gewann zwei Rennen und beendete die WM-Wertung 2006 mit 80 Punkten als Dritter.

Jacques Villeneuve: Vom Indy-Sieger zum Vize-Weltmeister

Bernie Ecclestone hatte Frank Williams den Sohn von Gilles Villeneuve ans Herz gelegt. Jacques Villeneuve kam als IndyCar-Champion und Sieger des 500 Meilen Rennens von Indianapolis in die Formel 1. Der Kanadier hatte das Glück, 1996 in einem haushoch überlegenen Auto zu sitzen. Aber auch das muss man erst einmal umsetzen.

Villeneuve machte seine Sache gut, gewann um ein Haar seine GP-Premiere in Melbourne und hielt das Titelrennen bis zum Finale in Suzuka offen. Mit vier Siegen wurde er Vize-Weltmeister hinter Teamkollege Damon Hill, der bereits im vierten Jahr bei Williams fuhr.

Damon Hill: Ein Testfahrer ärgert die Stars

Williams stand Ende 1992 vor einem Dilemma. Alain Prost war gesetzt. Ayrton Senna wollte kommen, durfte aber nicht. Nigel Mansell hätte bleiben dürfen, wollte aber nicht. Der Champion von 1992 verabschiedete sich in die IndyCar-Serie. Riccardo Patrese hatte bereits einen Vertrag bei Benetton unterschrieben.

Die überlegene Technik ermutigte Frank Williams auf Risiko zu setzen. Damon Hill kannte das Team als Testfahrer in- und auswendig. Als GP-Erfahrung brachte er zwei Einsätze bei Brabham 1992 mit. Hill war eine würdige Nummer 2. In der zweiten Saisonhälfte fuhr er auf dem Niveau von Prost, gewann drei Rennen und wurde noch WM-Dritter.

Johnny Herbert: Zwei Abstaubersiege im Schumi-Schatten

Johnny Herbert galt Mitte der 80er Jahre als Riesentalent. Ein böser Formel 3000-Unfall 1988 in Brands Hatch warf den Engländer weit zurück. Die Beinverletzung behinderte ihn beim Stepptanz auf den Pedalen. Herbert konnte in 63 Einsätzen weder bei Benetton, Tyrrell noch Lotus richtig Fuß fassen.

1995 bekam er die Chance neben Michael Schumacher im Weltmeister-Team Benetton zu fahren. Das Trainingsduell ging 16:1 für Schumacher aus. Nach Punkten verlor Herbert 45:102. Immerhin gewann er zwei Rennen. In beiden Fällen erbte er nach einer Kollision zwischen Schumacher und Hill die Führung. Herbert warf Benetton vor, sich nur um Schumacher zu kümmern.

Michael Andretti: Falsch beraten im McLaren-Chaos

Michael Andrettis Formel 1-Karriere wurde schon im Vorfeld beschädigt. Mika Häkkinen saß ihm als dritter Fahrer von Beginn an im Nacken. Mit Ayrton Senna erwartete den US-Boy der beste Formel 1-Pilot seiner Epoche. Vielleicht der beste überhaupt.

Statt in Europa zu wohnen und Tag und Nacht zu testen, pendelte Andretti junior zwischen den Kontinenten hin und her. Auf Anraten des Vaters. Doch was bei Mario noch möglich war, wurde Michael zum Verhängnis. Senna zerstörte ihn. Nach 13 Rennen bekam Andretti von McLaren den blauen Brief. Ironischerweise nach einem dritten Platz in Monza.

Hector Rebaque: Von Piquet entzaubert

Der Mexikaner zigeunerte vier Jahre und 27 Rennen lang durch die Formel 1. Er fuhr Hesketh, Lotus und einen Eigenbau, der von Star-Designer John Barnard gezeichnet worden war. Als bestes Resultat standen zwei sechste Plätze beim GP Deutschland 1978 und beim GP Kanada 1980 zu Buche.

Bernie Ecclestone war scharf auf mexikanische Sponsoren und gab Rebaque für 1981 einen Werksvertrag. Rebaque traf auf Nelson Piquet, der in diesem Jahr Weltmeister wurde. Er selbst belegte mit elf WM-Punkten WM-Platz 9. In Argentinien lag er auf Platz 2, als er wegen defekter Zündung aufgeben musste.

Jochen Mass: Eine gute Nummer zwei

Jochen Mass war neben Hans-Joachim Stuck die große deutsche Hoffnung in den 70er Jahren. Nach 13 Rennen für Surtees mit einem siebten Platz als Highlight machte sich Hauptsponsor Marlboro für Mass bei McLaren stark. Der gelernte Seemann bekam es mit Emerson Fittipaldi zu tun, der 1974 für McLaren den ersten WM-Titel holte.

Es war ein ungleicher Kampf: Fittipaldi wurde mit 45 Punkten Vize-Weltmeister, Mass mit 20 Zählern Siebter. Der Deutsche gewann das Abbruchrennen in Montjuich und stand drei weitere Mal auf dem Podium. Das reichte für zwei zusätzliche Jahre bei McLaren. Wieder als Nummer zwei. Diesmal neben James Hunt.

Peter Revson: Formel 1 im zweiten Anlauf

Der Amerikaner hatte bereits 1964 sein Formel 1-Debüt gegeben. Dann machte Revson sieben Jahre Pause, gewann in den USA die CanAm-Serie und wurde Zweiter beim Indy 500. Dort wurde McLaren auf den Erben des Revlon-Kosmetikkonzerns aufmerksam.
 
1972 fuhr Revson an der Seite von Denis Hulme. Die beiden kannten sich aus der CanAm-Serie. Revson wurde mit 23 Punkten Fünfter in der WM. Sein Teamkapitän platzierte sich zwei Ränge besser. Revson fuhr auch 1973 für McLaren und holte zwei Siege. 1974 kam er bei einem Testunfall in Kyalami in einem Shadow ums Leben.

Dave Walker: Enttäuschung auf der ganzen Linie

Der Australier galt nach drei Formel 3-Titeln als aufstrebender Star der Szene. Lotus-Chef Colin Chapman spannte Walker 1972 mit Emerson Fittipaldi zusammen, obwohl der Mann aus Sydney nur einen Grand Prix-Einsatz in seiner Vita stehen hatte.

Walker ging unter. Während Fittipaldi Weltmeister wurde, blieb die Nummer 2 von Lotus punktelos. In Erinnerung blieb nur sein Rennen in der Lotus-Turbine bei strömendem Regen in Zandvoort. Walker war trotz der für die Gasturbine ungünstigen Bedingungen auf dem Vormarsch, als er ins Kiesbett rutschte. 1973 flog er aus dem Kader. Nach zwei schweren Autounfällen musste Walker 1974 seine Karriere beenden.

Francois Cevert: Stewarts Musterschüler

Francois Cevert hatte zehn GP-Starts und einen WM-Punkt auf seinem Konto, als ihn Ken Tyrrell 1971 zum Teamkollegen von Jackie Stewart bestimmte. Angeblich mit dem Spruch: "Wenn er nicht schnell ist, bringt er uns wenigstens die besten Frauen in die Box."

Der gutaussehende Juwelierssohn rechtfertigte seine Ernennung mit dem dritten WM-Platz und einem Sieg in Watkins-Glen. Cevert erwies sich als gelehriger Schüler seines Herren. Stewart baute den Franzosen als seinen Nachfolger für 1974 auf, doch am 6. Oktober 1973 schlug das Schicksal grausam zu. Cevert verunglückte im Training zum GP USA tödlich.

Rolf Stommelen: Treuer Diener seines Herren

Rolf Stommelen hatte sich mit Bergrennen und im Sportwagen einen Namen gemacht. Im GP-Sport war der Kölner mit nur einem Einsatz 1969 am Nürburgring mit einem Formel 2-Auto unter Formel 1-Fahrzeugen ein unbeschriebenes Blatt. Jack Brabham verpflichtete Stommelen dank einer bekömmlichen Mitgift 1970 für seinen eigenen Rennstall.
 
Der Chef fuhr anfangs um den WM-Titel mit, scheiterte dann aber an Pech und Defekten. In der zweiten Saisonhälfte trat Stommelen aus Brabhams Schatten. Er wurde Dritter am Österreichring und holte 10 Punkte. Es sollte sein bestes Formel 1-Jahr gewesen sein.

John Miles: Von Rindt und Chapman zerstört

John Miles sah aus wie ein Theologieprofessor. Der stille Engländer hatte sich 1969 mit fünf Starts bei Lotus hochgedient und wurde 1970 zur Nummer 2 neben Jochen Rindt geadelt. Der exzellente Testpilot war auch eine Art Versuchskaninchen. Miles musste den GP Österreich wegen einer gebrochenen Bremswelle aufgeben. Ein Rennen später kostete ein ähnlicher Defekt Jochen Rindt das Leben.

Chapman vergatterte seine Fahrer in Monza ohne Flügel anzutreten. Für Rindt kein Problem. Miles weigerte sich. Chapman stellte ihn vor die Wahl: "Entweder du fährst oder fliegst raus." Der Tod von Rindt ersparte Miles eine Antwort. Seine Karriere endete an diesem Tag. Mit zwei WM-Punkten auf dem Konto.

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