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F1-Analyse in Jerez: Die neuen Autos im Expertencheck

Konkurrenz-Vergleich mit Vettel und Danner

Jerez Test 2010 Tag 2 Foto: xpb 42 Bilder

Rennfahrer haben ein geschultes Auge. Sie sehen, ob ein Auto gut oder schlecht liegt und welche Linie der Fahrer wählt. auto-motor-und-sport.de begab sich mit Ex-Pilot Christian Danner und Sebastian Vettel in Jerez zum Check der neuen Autos auf die Rennstrecke.

11.02.2010 Michael Schmidt

Der erste Schreck ließ nicht lange auf sich warten. Zwischen Kurve eins und zwei zogen wir die Köpfe ein. Karbontrümmer flogen uns um die Ohren. Timo Glock im neuen Virgin VR01 hatte gerade die linke Endplatte seines Frontflügels verloren. Glock zauberte sich gerade noch so durch Kurve 2. Sofort gingen die roten Flaggen raus, damit die Streckenposten die Teile aufsammeln konnten.

Danner meinte bissig: "Wenn der Flügel einfach so bricht, dann ist das kein gutes Zeichen für Nick Wirths Philosophie, das Auto nur am Computer zu entwickeln." Wir schauen uns Fotos der Fotografen in der Ecke an und die zeigen: Glock war nur halb auf dem Randstein. Der kann also nicht schuld daran gewesen sein, dass der Frontflügel zu Bruch ging. Eine Stunde später kam Glock auf dem Trekking-Rad an die Strecke und klärte auf: "Ich habe in der Runde zuvor in der Schikane den Randstein getroffen. Wahrscheinlich ein Folgeschaden."

Jerez die ideale Teststrecke

Wir marschieren weiter zur Kurve 5. Ein 180 km/h schneller Bergauf-Rechtsbogen. "Hier sieht man besonders viel", erklärt Danner. "Die Kurve wird nicht mit Vollgas genommen . Da hat der Fahrer noch Einfluss. Nicht so wie bei den Vollgaskurven in Barcelona, wo der Fahrer nur Passagier ist." Deshalb ist Jerez nach Meinung des Bayern die ideale Teststrecke. "Weil es alle Arten von Kurven gibt."

Das große Problem in diesem Jahr ist, dass der Tankinhalt das Fahrverhalten der Autos stärker beeinflusst als je zuvor. Zwischen fünf und 165 Kilogramm ist alles denkbar. "Früher hast du zwischen 30 und 60 Kilo an Bord gehabt", sagt Sebastian Vettel, der sich inzwischen dazu gesellt hat. Es gibt noch eine kurze Diskussion mit einem Sicherheitsbeamten, der Vettel des Feldes verweisen will, weil er nicht den nötigen Ausweis dabei hat. Der Einspruch, dass er Formel 1-Pilot sei, zieht nicht. "Den Ausweis habe ich zuhause auf dem Küchentisch liegen", grinst Vettel protestierend.

Der Ferrari liegt stabil in der Kurve

Als sich alles beruhigt hat, beginnt das Streckenstudium. Fernando Alonso ist mit richtig viel Benzin ausgerückt. Es ist der Beginn eines 50 Runden-Turns. "Du siehst, dass der schwer ist", sagt Danner. "So träge wie das Auto hier den Berg hochfährt. Der Fahrer kann das Auto nicht innen am Scheitelpunkt halten, weil ihn das Gewicht nach außen drückt." In seiner ersten fliegenden Runde verliert der Spanier ausgangs Kurve vier fast seinen Ferrari. "Kalte Reifen", sagen die Experten fachmännisch. Alonso zaubert bei 200 km/h. Ab da fährt er wie ein Uhrwerk.

Aus einem leichten Untersteuern wird am Ende seiner Rennsimulation ein leichtes Übersteuern. "Der Ferrari liegt unheimlich stabil in der Kurve. Da stimmt die Aero-Balance. Der Fahrer hat immer Kontrolle über das Auto. Er bringt den Ferrari mit minimalen Lenkbewegungen immer wieder auf Kurs", lobt Danner. Vettel, der nur das Ende des Longruns miterlebt, wirft ein: "Der Fernando ist schon ein klasse Fahrer. Du siehst, wie er das Auto ganz leicht im Übersteuern hält, und das jede Runde gleich. Ein Tick zuviel, und er würde abfliegen."

Schumacher auf der Suche nach dem Limit

Michael Schumacher braucht, bis er auf Touren kommt. Auch sein Mercedes GP ist schwer, wenn auch nicht so vollgetankt wie anfangs der Ferrari. "In den ersten Runden, als die Reifen noch kalt sind, hat Michael noch nicht das Vertrauen ins Auto. Du merkst, wie er mit dem Gaspedal spielt, um das Limit zu finden. In der Mitte der Kurve muss Michael lange warten, bis er aufs Gas kann", erklärt Danner. Später fährt auch der Ex-Champion einen Strich. Er bricht seine Longruns aber immer nach acht, neun Runden ab. "Im Vergleich zum Ferrari hat der Mercedes mehr Untersteuern", stellt Danner fest.

Sebastien Buemi im Toro Rosso ist mit wenig Benzin im Tank unterwegs. Wie wenig? Keiner weiß es. Er fährt acht Runden am Stück. Und die Bestzeit von 1.20,028, die sich bis in den Nachmittag hinein hält. "Egal, wieviel Sprit", urteilt Danner, "der ToroRosso macht eine gute Figur. Buemi hat keine Wackler drin." Robert Kubica ist schwer unterwegs. Der Renault neigt sich in der schnellen Rechtskurve wie ein Schiff. Am Kurvenausgang muss der Pole öfter zaubern, weil die Vorderachse geradeaus fahren will.

Vettel: "Red Bull sieht gut aus."

Dann kommt Mark Webber im neuen Red Bull RB6. Wie schon im letzten Jahr sind die Reifen auch bei Adrian Neweys jüngster Kreation schnell auf Temperatur. "Das Auto hat eine gute Körpersprache. Es verhält sich am Eingang der Kurve nicht viel anders als am Ausgang." Vettel pflichtet bei: "Sieht gut aus." Mehr will er nicht sagen. Er kennt ja im Gegensatz zu den anderen Beobachtern alle Daten.

Die ersten Runden nach einem längeren Boxenaufenthalt zeigen, dass sich an der Grundphilosophie der Autos im Vergleich zum Vorjahr nicht viel geändert hat. Ferrari und Mercedes GP brauchen länger, bis die Reifen auf Betriebstemperatur sind. Bei Red Bull geht es schneller. In Jerez sind erstmals die Mischungen "medium" und "hart" im Einsatz. Kann sein, dass es daran liegt, denn in Valencia meldete keiner Schwierigkeiten mit dem Aufwärmprozess. Da waren aber auch die Reifentypen "soft" und "supersoft" im Angebot.

Hülkenberg mit Untersteuern durch die Kurve

Vettel hat inzwischen auf einem Stuhl in Kurve 5 Platz genommen. Auf dem Handy stoppt er die Rundenzeiten. Und erklärt dem Laien, worauf man achten muss. "Im Kurveneingang sehen wir die Autos von vorne. An der Art, wie schnell das Auto einlenkt kannst du ahnen, wieviel Sprit an Bord ist. Der Kurvenausgang ist aussagekräftiger, weil wir da die Autos von hinten betrachten. Da sieht man schön, ob die Vorderräder schieben oder das Heck leicht kommt. Am besten immer auf die kurvenäußeren Räder achten." Wie auf Befehl fliegt Nico Hülkenberg im Williams heran. "Leichtes Untersteuern", notiert Vettel, "das Auto wird am Ausgang vorne kurz unruhig."

Der Ausflug an die Strecke ist beendet. Man merkt Vettel an, dass er lieber selbst im Auto sitzen würde. Doch er ist erst am Freitag und Samstag an der Reihe. Und da steht die bange Frage im Raum: Wie wird das Wetter? "Die Engländer sagen Regen, die Deutschen trocken", grinst Vettel gequält. Man muss nicht rätseln, was ihm lieber wäre.

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