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Das Abschiedskonzert der V10-Trompeten

Foto: Renault

Der letzte Grand Prix der Formel 1-Saison 2005 in Shanghai markiert das Ende einer Ära: Die Zehnzylindermotoren, die seit 1989 einen festen Platz im Formel 1-Orchester hatten, werden aus der Formel 1-Weltmeisterschaft zugunsten einer neuen V8-Motorengeneration verschwinden.

15.10.2005

Zumindest fast, denn das Minardi-Team, dass im nächsten Jahr als Red Bull-Junior-Mannschaft firmieren wird, wird in der Saison 2006 noch einmal mit V10-Motoren starten, die allerdings laut Reglement drehzahlbegrenzt eingesetzt werden müssen. Damit verliert die Formel 1 ihr akustisches Erkennungszeichen, dass für viele Fans den Hauptgrund lieferte, um einen Formel 1-GP überhaupt live zu sehen - und zu hören.

1.000 PS war schon unser Anspruch

Die V10-Schreihälse sind aus dem Formel 1-Sport kaum wegzudenken: Es ist nach wie vor grandios, einen unlimitierten V10-Motor in freier Wildbahn zu hören: Wenn sich der Schall der V10-Kraftpakete unter den Tribünendächern verfängt und das Echo die Lautstärke zu verdoppeln scheint, dann bluten den Zuschauern förmlich die Ohren. 19.000 Kurbelwellenumdrehungen sorgen aber nicht nur für grandiose Schallwellen, sondern auch für unvorstellbare Literleistungen von über 300 PS pro Liter Hubraum. Die Honda-Motoren der letzten Spezifikation für den diesjährigen Japan GP leisteten 960 PS - trotz der 2005 eingeführten Reglementvorgabe, dass die Drei-Liter-Triebwerke zwei komplette Rennwochenenden halten müssen.

Nur Honda entwickelte die V10-Motoren bis zum bitteren Ende gnadenlos weiter, während alle anderen Hersteller die Tuningarbeiten einstellten, da für 2006 ein neues Motorenreglement in Kraft tritt: Dann müssen die Formel 1-Teams mit 2,4 Liter großen V8-Motoren antreten. Takeo Kiuchi, als Ingenieur für die V10-Motoren bei Honda verantwortlich, blickt mit Wehmut auf den Abgang der V10-Triebwerke: "Wir hatten durchaus den Anspruch, 1.000 PS aus einem Drei-Liter-V10 zu kitzeln. Auf dem Prüfstand schaffen die Motoren diese Leistung, aber durch die Regel, dass die Motoren zwei Wochenenden halten müssen, konnten wir das volle Leistungspotenzial niemals im Rennen zeigen.“

V8 mit bis zu 20.000 Umdrehungen

Die Übertragung vom Grossen Preis von China (Sonntag, 08.00 Uhr MEZ) dürfte also für Fans die letzte Chance bieten, Formel 1-Musik in Reinkultur zu genießen. Ob die neuen V8-Motoren, die rund 200 PS weniger leisten werden als ihre Vorgänger, akustisch ebenbürtig sind, bleibt im Moment noch offen. Fakt ist aber: Die Drehzahlgrenze der V8-Motoren wird noch mal steigen, weil der kritische Schwingungsbereich beim V8-Motor zwischen 13.000 und 15.000 Umdrehungen liegt, während beim V10-Motor die kritischen Drehzahlen mit 9.000 bis 11.500 Umdrehungen deutlich niedriger lagen. Weil die Ingenieure diesem kritischen Schwingungsfenster aus dem Weg gehen wollen und weil sich die rotierenden Massen durch die Reduzierung auf acht Zylinder verringern, werden alle Motorenhersteller den nutzbaren Drehzahlbereich hoch setzen - auf über 20.000 Umdrehungen. Dann sollte allerdings auch ein V8-Motor wieder für ordentliche Beats taugen!

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