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Das Ende von KERS

BMW-Sauber verzichtet auf Hybrid-Antrieb

Nick Heidfeld Foto: dpa 27 Bilder

Der Hybridantrieb in der Formel 1 steht vor dem Aus. BMW-Sauber hat angekündigt, für den Rest der Saison auf KERS zu verzichten. McLaren-Mercedes fährt in Silverstone zum ersten Mal ohne. 2010 wollen alle Teams auf KERS verzichten.

20.06.2009 Michael Schmidt

BMW war der größte Hybridverfechter im Feld. Als einziges Team stemmten sich die Bayern im Winter gegen den freiwilligen Selbstverzicht. Um den Frieden innerhalb der FOTA zu wahren, akzeptierten die Mitbewerber den Wunsch von BMW. Jetzt hat der deutsch-schweizer Rennstall die Entscheidung getroffen, dass KERS bis zum Saisonende nicht mehr eingesetzt wird. Das letzte Mal war der Hybridantrieb beim GP Bahrain in den BMW F1.09 aktiv an Bord.

KERS lohnt sich nicht

Bei den letzten vier Rennen sprach entweder die Streckencharakteristik (Monte Carlo, Silverstone) oder die Premiere eines neuen Aerodynamikpakets (Barcelona, Istanbul) gegen den Einsatz der Hybridtechnologie. Mit dem Nürburgring wäre in drei Wochen wieder eine Strecke gekommen, auf der sich der Schub von 82 PS extra lohnt. Trotzdem bleibt KERS bei BMW in der Kiste. Eine genaue Analyse in den letzten drei Wochen hatte ergeben, dass man sich durch den Einbau der Hybridkomponenten zuviel selbst straft. In puncto Gewichtsverteilung, in puncto Aerodynamikentwicklung und in puncto Abstimmung. Das Verbot von Testfahrten bringt den Teams mehr Arbeit am Freitag. Der zusätzliche Parameter KERS kostet zuviel Zeit beim Austüfteln des optimalen Setups.

Auch aerodynamisch sind den Ingenieuren die Hände gebunden. Batterien, Elektromotor und Leistungselektronik beanspruchen Platz und Kühlung. "Damit schaffen wir mehr Potenzial bei der aerodynamischen Entwicklung, weil wir uns nicht auf diese Sachzwänge konzentrieren müssen", erklärte Teamchef Mario Theissen.

Auch Renault und McLaren verzichten auf KERS

Bei Renault liegt der Fall ähnlich. Die Autos von Fernando Alonso und Nelsinho Piquet wurden seit dem GP Bahrain nicht mehr mit KERS bestückt. In Silverstone hat auch McLaren-Mercedes zum ersten Mal auf das System verzichtet. "Hier ist der Nutzen von KERS am geringsten, weil du in einer Runde nicht genügend Energie laden kannst, um die erlaubte Menge zu boosten", erklärte KERS-Fan Heikki Kovalainen. Der Finne war am Freitag noch mit dem Hybridantrieb gefahren, ließ das System aber am Samstag ausbauen.

"Wir konnten nicht feststellen, ob wir dadurch schneller waren, und falls ja, an welchen Stellen. Der einzige Unterschied ist, dass sich das Auto ohne KERS leichter fahren lässt, weil wir bei der Gewichtsverteilung flexibler sind." Im Rennen, so Kovalainen, werde er dann am ehesten die Nachteile spüren: "Jetzt habe ich beim Start keine Extra Power, und wenn ich wie in der Türkei einen Angriff eines Konkurrenten abwehren muss, dann kämpfe ich mit gleichen Waffen."

McLaren auch weiter ohne KERS?

McLaren-Mercedes will das KERS-Projekt nicht vollständig begraben. "Es kann sein, dass wir bei den nächsten Rennen wieder zu KERS zurückkehren", sagt Kovalainen. Es ist aber gut möglich, dass McLaren das Experiment ohne KERS zumindest mit einem Auto noch ein paar Mal wiederholt. "Die Teams haben sich darauf verständigt, dass wir 2010 ohne KERS fahren. Das Reglement zwingt uns nicht zu einem Einsatz. Deshalb macht es Sinn, wenn wir mit Blickrichtung 2010 ohne KERS testen", erklärt Teamchef Martin Whitmarsh.

Trotz dem schleichenden Abgesang der Hybridtechnik will Mario Theissen von BMW nicht von einem Flop sprechen. Die Erkenntnisse aus der Formel 1 haben in der Serie einen Landeplatz gefunden. "Wir haben viel in den Bereichen Batterie, Elektromotor und Regeltechnik gelernt." Ross Brawn sieht das gescheiterte Projekt der FIA gespalten: "Es war eine Initiative in guter Absicht, aber vielleicht kam sie für die Formel 1 zu früh."

FIA will KERS weiter vorantreiben

Der Weltverband will trotzdem an seiner grünen Kampagne festhalten und erhöht für die Zukunft die Anreize für KERS. Schmalere Vorderreifen sollen die Problematik der Gewichtsverteilung entschärfen. Und es darf auf Knopfdruck doppelt soviel Leistung abgerufen werden. Brawn sieht darin einen Widerspruch zur Aufforderung der FIA zu sparen. "Wenn wir den Hybridantrieb weiter entwickeln kostet das viel Geld. Das passt mit unseren Bemühungen um Reduzierung der Kosten nicht zusammen. Und das ist auch einer der Konflikte, die noch zwischen den Teams und der FIA stehen."

Finanziell war KERS auf jeden Fall ein gigantischer Reinfall. BMW, Mercedes, Ferrari und Renault haben pro Team zwischen 20 und 40 Millionen Euro in die Entwicklung von KERS investiert. Das schmerzt umso mehr, wenn die Technik nach einem Jahr auf Eis gelegt wird. "Es war die teuerste Entwicklung der letzten 20 Jahre", schätzt Mercedes-Rennleiter Norbert Haug den Aufwand ein.

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