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Das Erfolgsgeheimnis von Mercedes

250 Millionen für zwei Titel

Lewis Hamilton - GP Abu Dhabi 2014 Foto: xpb 42 Bilder

Mercedes legte in diesem Jahr eine Siegesserie hin wie McLaren 1988 oder Ferrari in den Jahren 2002 und 2004. Doch wie konnte der WM-Zweite der Saison 2013 nur ein Jahr später so überlegen auftreten? Weil sich Mercedes früh auf die große Regelreform 2014 vorbereitet und das Budget auf 250 Millionen Euro erhöht hat.

08.12.2014 Michael Schmidt

Erfolg in der Formel 1 hat meistens einen langen Anlauf. Siegesserien passieren nicht über Nacht. Ferrari brauchte in der Ära Schumacher vier Jahre, bis die richtigen Leute am richtigen Platz saßen, bis die Werkzeuge und Arbeitsprozesse auf dem Stand waren, um damit ein Meister-Auto bauen zu können. Auch Mercedes hat sich für den ersten WM-Titel nach fast 60 Jahren viel Zeit genommen.

Das Team wurde 2010 geboren, das Fundament für die Weltmeisterschaft ein Jahr später. Da nahm Projektleiter Geoff Willis mit einer Gruppe von drei Designern die Arbeit am 2014er Auto auf. Noch bevor das Reglement richtig stand. Als es definiert wurde, umfasste die Gruppe 15 Leute. Zu dem Zeitpunkt kamen auch die Aerodynamiker dazu. Der damalige Teamchef Ross Brawn wusste aus eigener Erfahrung, dass man manchmal einen langen Atem braucht und lieber ein Jahr abschreibt, um im richtigen Moment zur Stelle zu sein. Er hat es so schon mit Benetton, Ferrari und BrawnGP praktiziert.

Entwicklungsbeginn für das 2014er Auto schon 2011

Obwohl die Teams 2011 nur wussten, dass die Zukunft der Formel 1 auf kleinvolumige Turbo-Motoren mit Hybrid-Technologie hinauslaufen würde, gab es bei Mercedes schon zu diesem Zeitpunkt eine kleine Gruppe im Haus, die sich nur mit diesem Thema beschäftigte. Das erinnert an die Erfolgsgeschichte von BrawnGP. Auch 2009 änderte sich das Reglement. Ross Brawn stoppte die Entwicklung des 2008er Honda früh, um sich voll auf die neuen Aerodynamik-Regeln zu konzentrieren. Herausgekommen ist der Trick mit dem Doppeldiffusor in einem Auto, das dann nicht mehr Honda, sondern BrawnGP hieß.

Bei Mercedes lief es nach einem ähnliche Schema ab. Nur mit längerem Vorlauf. Der Architekt der Meistertruppe erinnert sich: "Wir haben schon damals an die FIA Fragen in Bezug auf das Reglement gestellt, die zu dem Zeitpunkt keiner gefragt hat. So wussten wir, dass wir der Konkurrenz meilenweit voraus waren. Deshalb ist der Motor auch so gut integriert in dem Auto. Dinge wie die Trennung von Turbine und Verdichter fallen dir nicht über Nacht ein. Den Mercedes-Ingenieuren kam die Idee Anfang 2013. Wer da kein Konzept für 2014 hatte, musste zu spät kommen. Das Team hat die neuen Regeln als Chance gesehen. Es wundert mich, dass nicht mehr Teams damals schon auf diesen Zug aufgesprungen sind."

Mercedes-Budget in vier Jahren um 100 Millionen gestiegen

Der frühe Projektstart allein hätte Mercedes trotzdem nicht den Erfolg beschert, der sich 2014 dann eingestellt hat. Das Team brauchte mehr Geld. Ferrari und Red Bull hatten die Latte hochgelegt mit Budgets jenseits der 250 Millionen Euro-Schallmauer. Mercedes kehrte 2010 mit einem Etat von 153 Millionen Euro in die Formel 1 zurück. Rund 40 Millionen weniger als von der Basis in Brackley gefordert. Es war ein Einsatz quasi zum Nulltarif. Abgedeckt durch Sponsoren und die Zahlungen von Bernie Ecclestone. Nur so konnte der damalige Rennleiter Norbert Haug dem Vorstand das Unternehmen Formel 1 verkaufen. Er ging davon aus, dass die FIA die angekündigte Kostendeckelung durchsetzen würde. Es kam nie so weit.

Vielmehr wurde schnell klar, dass man mit dem schlanken Engagement keine Rennen gewinnen kann. Schritt für Schritt wurde mehr Geld in die Kriegskasse gelegt. Und das auf 400 Mitarbeiter geschrumpfte Personal wieder aufgestockt. 2013 und 2014 investierte Mercedes jeweils 195 Millionen Pfund, was nach aktuellem Kurs 250 Millionen Euro entspricht. Das sind rund 50 Millionen mehr als 2012. Niki Lauda hatte maßgeblichen Anteil daran, dass der Vorstand in Stuttgart mehr Mittel für das Formel 1-Projekt genehmigt hat. Er überzeugte die Konzernchefs davon, dass es WM-Titel in der Königsklasse nicht zu Discount-Preisen gibt.

Mit dem Erfolg steigt aber auch der Zuschuss aus der Schatulle der Rechteinhaber. Und damit sinkt der Anteil, den Mercedes beisteuern muss. In diesem Jahr bekam Mercedes inklusive Bonus 92 Millionen Dollar (74 Millionen Euro) für den zweiten Platz in der Saison 2013 ausgezahlt. Dank des WM-Titels steigt die Summe in der kommenden Saison auf 126 Millionen Dollar (102 Millionen Euro). Würde Mercedes 2015 erneut Weltmeister, gibt es erneut einen Zuschlag. Es würden dann 156 Millionen Dollar (126 Millionen Euro) an den Rennstall aus Brackley ausgeschüttet.

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