Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Das erste Mal beim Monaco-GP

Von Superhelden und Baldrian-Junkies

Formel 1 GP Monaco 2013 Fernando Alonso Foto: ams 97 Bilder

Wer zum ersten Mal den Grand Prix von Monaco besucht, reibt sich die Augen. Aus der Nähe betrachtet, scheint alles noch viel verrückter zu sein, als auf den Fernsehbildern zu erahnen ist.

25.05.2013 Bianca Leppert

Die sind irre. Einfach nur irre. Wie ein Mantra geht mir dieser Satz nach meinem Streckenspaziergang durch den Kopf. Die haben nicht mehr alle Latten am Zaun. Nicht, dass ich den Formel-1-Piloten ihre Intelligenz absprechen wollte. Aber irgendeine Gehirnwindung muss bei denjenigen, die mit ihren Autos durch das Asphalt-Labyrinth in Monte Carlo pfeilen, anders geformt sein. Womöglich der Teil, der für die Kontaktfreudigkeit zuständig ist – schüchterne Jungs haben es jedenfalls nicht einfach auf dem Circuit de Monte Carlo. Das Risiko, die Leitplanke zu knutschen, fährt immer mit.

Gebete zum Renngott

Jaja, man hört es ständig. Monaco ist wie Hubschrauberfliegen im Wohnzimmer. Bla bla bla. Wie oft habe ich diesen Spruch vor meiner Premiere in diesem Jahr gehört. Aber erst, seit ich in der Schwimmbadkurve direkt neben der Strecke stand – so ganz ohne Zaun, nur von einem kleinen kniehohen Mäuerchen getrennt – fühle ich, was dieser Vergleich wirklich bedeutet.

Drei. Zwei. Eins. Der Ferrari von Fernando Alonso rast auf mich zu. Kerzengerade. Während der Spanier gedanklich vermutlich schon in der nächsten Kurve ist, zittern meine Knie. Lieber Renngott, falls es dich wirklich gibt, lass jetzt bitte nichts am Auto brechen. Den Ferrari-Gott schließe ich zur Sicherheit gleich noch in meine Gebete ein. Es wirkt. Als Alonso schon durch Rascasse fährt, zähle ich all meine Körperteile zusammen – noch alles da.

Superman, Batman und Robin Hood in einem

Wie müssen sich da erst die Streckenposten fühlen? Sie stehen völlig relaxt mit ihren Anzügen, Helmen und Brillen da. Vielleicht sollte ich die Jungs und Mädels  mal nach den Baldrian-Tabletten fragen, die sie offensichtlich jeden Morgen einwerfen. Wenn einer wie ein Pfeil auf dich zuschießt, ist mir diese Gelassenheit ein Rätsel. Vielleicht macht auch einfach Übung den Meister? Yoga? Autogenes Training?

Wenn man sich überlegt, wie souverän diese 22 Helden – und ja, in Monaco sind die Formel-1-Piloten für mich Superman, Batman und Robin Hood in einer Person – diese Aufgabe meistern, fragt man sich, wie langweilig die modernen Kurse mit Auslaufzonen so groß wie ein Supermarkt-Parkplatz für die Fahrer sein müssen. Dagegen ist Monaco eine Schuhschachtel – aber es funktioniert.

Fans in Monaco ganz nah dabei

Vor dem Grand Prix hatte ich nur mit Promis und abgehobenen Superreichen im Fahrerlager gerechnet. Schließlich wackeln die in den Fernsehübertragungen in Dauerschleife durchs Fahrerlager. Doch ausgerechnet in der Heimat der Superreichen verschmelzen die Stadt und der sonst so abgeschottete Formel-1-Zirkus. Die Fans haben mit etwas Geschick gute Chancen die Fahrer abzupassen, um sich Autogramme zu holen und können sogar mit etwas Abstand entlang der Boxengasse spazieren gehen. Auch wenn die Tickets nicht zu den günstigsten der Saison zählen.

In Abu Dhabi oder Indien braucht es schon einen ausgeklügelten Schlachtplan, um überhaupt nur in die Nähe des Hochsicherheitstrakts Rennstrecke zu kommen. In Monaco verwandelt sich der Teil zwischen Schwimmbad und Rascasse hingegen abends zur Partymeile für Fans aller Couleur. Da stehen plötzlich Bar-Tische auf dem Asphalt, wo eben noch Vettel und Co. durchpflügten. Der DJ nickt wie eine Metronom im Takt seiner Elektro-Klänge. Engländer in Red Bull-Shirts prosten den Italienern in Ferrari-Trikots zu. Darunter mischen sich betuchte Herrschaften mit aufgestellten Kragen oder solche, die es gerne sein würden. Von Hochnäsigkeit keine Spur.

Ausgerechnet in Monte Carlo, wo sonst nur ein exklusiver Kreis Zutritt hat, erwacht die Formel 1 zum Leben. Und so sollte es trotz so mancher Bedenken, die Strecke sei nicht mehr zeitgemäß, noch verdammt lange bleiben. Denn die Formel 1 scheint nirgendwo lebendiger als hier.

In unserer Bildergalerie zeigen wir Ihnen die Impressionen vom Freien Training.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden